18.12.2020 - 16:09 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Behandlung von Kindern kein "Zusatzjob" für Hausärzte im Landkreis Tirschenreuth

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Sollen Hausärzte noch stärker in die Behandlung von Kindern einsteigen? Aus vielen Praxen wie der von Tobias Kunz in Waldsassen gibt es ein klares Nein: "Wir laufen am Limit, gerade in Corona-Zeiten."

Der Allgemeinarzt Tobias Kunz hält es nicht für machbar, dass er und seine Kollegen zunehmend auch noch kinderärztliche Aufgaben übernehmen.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Tobias Kunz ist seit über zwei Jahren niedergelassener Hausarzt in Waldsassen. Der gebürtige Kondrauer hat die Praxis von Dr. Günter Gmeiner übernommen. "Wir sind absolut mit Arbeit eingedeckt", spricht der Allgemeinmediziner für viele Kollegen. Erstaunt hat ihn deshalb die Aussage eines Vertreters der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Hausärzte könnten noch mehr in die Versorgung von Kindern integriert werden.

Das sagt die KVB zur kinderärztlichen Versorgung im Landkreis

Tirschenreuth

Die Vorgeschichte: Der Tirschenreuther Kinderarzt Dr. Stefan Krell hatte sich an Oberpfalz-Medien gewandt und Alarm geschlagen, was die kinderärztliche Versorgung im östlichen Landkreis betrifft. KVB-Sprecher Sebastian Eckert hatte in einer Stellungnahme zwar Verständnis für den Aufnahmestopp des Mediziners geäußert, aber auch darauf hingewiesen, dass im Landkreis auf diesem Gebiet keine Unterversorgung drohe. Bei Fachärzten spreche man davon erst bei einer Quote von 50 Prozent.

"Deutlich mehr Nachfrage"

Tatsächlich weist die aktuelle Versorgungskarte der KVB noch eine Kinderarztquote von fast 105 Prozent aus, obwohl einer der vier Pädiater seit Juli 2020 gar nicht mehr praktiziert. "Wir haben deutlich mehr Nachfrage, seit Dr. Bernd Seybold in Ruhestand gegangen ist", berichtet Tobias Kunz von den Folgen auch für Hausärzte in Waldsassen. Zum Teil könne man die kleinen Patienten weitervermitteln, etwa nach Kemnath, Selb und Marktredwitz. Aber auch dort sei die Kapazität begrenzt. "Wo Arbeitskräfte fehlen, kommen wir einfach an unsere Grenzen."

Allgemeinmediziner deckten ohnehin schon viele Bereiche mit ab, seien des orthopädische Probleme oder Krankheiten im Bereich HNO, sagt Kunz. Auch Kinder würden im Rahmen der Möglichkeiten oft mitbehandelt, besonders in Notfällen: "Wenn eine Mutter mit ihrem Baby kommt, das 40 Grad Fieber hat, wird sie wohl keiner 50 Kilometer weiter zum nächsten Kinderarzt schicken." Aber spezielle Dinge wie die empfohlenen Untersuchungen ab dem Babyalter gehörten in die Hände von Kinderärzten.

Studenten unterstützen

Was könnte helfen, die Versorgung der Region mit Haus- und Fachärzten zu helfen? "Eine vernünftige Weiterbildung ist das A und O", findet Tobias Kunz. Studenten müsse man schon frühzeitig den Landkreis schmackhaft machen, ihn als gute Weiterbildungsregion empfehlen. "Dann haben wir eine Chance", hofft der Waldsassener Arzt auf Kollegen, die es ihm gleichtun und sich hier niederlassen. Besonders müsse man den Nachwuchs aus der eigenen Region fördern: "Einen Mediziner aus München oder Berlin zu bekommen, das wird schwer."

Tirschenreuther Kinderarzt kann keine neuen Patienten mehr aufnehmen

Tirschenreuth

Interview mit Dr. Peter Denlein zum Ärztemangel im Landkreis Tirschenreuth

Kemnath
Hintergrund:

Zahlen aus dem Versorgungsatlas der KVB

In Bayern listet die KVB für zwölf Regionen eine drohende hausärztliche Unterversorgung auf, die bei 75 Prozent beginnt.

  • Tirschenreuth: 85 Prozent
  • Wunsiedel/Marktredwitz: 89 Prozent
  • Waldsassen: 96 Prozent
  • Weiden: 110 Prozent
  • Kemnath: 113 Prozent
  • München: 114 Prozent
  • Regensburg: 121 Prozent

 

 

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