29.11.2021 - 11:24 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Baumfällung in Waldsassen sorgt für Ärger

Im Gebiet "Teufelswehr" an der Pfaffenreuther Straße in Waldsassen sind in den vergangenen Tagen drei große Bäume gefällt worden – zwei davon auf den ersten Blick widerrechtlich. Im Rathaus spricht man von einem "Missverständnis".

Oberhalb des neu errichteten Mehrfamilienhauses an der Pfaffenreuther Straße wurden offenbar schon vor mehreren Tagen drei größere Bäume gefällt. Die 60-jährige Eiche (im Vordergrund) sowie eine weitere Eberesche waren im Bebauungsplan "Teufelswehr" mit Pflanzbindung eingetragen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Harald Hertel war außer sich und fassungslos. "Ich hab' gedacht, mich laust der Affe", erzählte der CSU-Stadtrat am Montag am Telefon von dem Malheur, das er am Wochenende sah: Im Gebiet "Teufelswehr" an der unteren Pfaffenreuther Straße auf dem ehemaligen Franzbrauerei-Grundstück sind drei große Bäume gefällt worden, zwei davon offenbar widerrechtlich: "Das sind zwei ortsbildprägende Solitärbäume", so Hertel über die etwa 60-jährige Eiche und die Eberesche. Für beide bestand im Bebauungsplan "Teufelswehr" eine festgesetzte Pflanzbindung.

"Die sollten dort stehen bleiben. Und jetzt liegen sie da", so Hertel über die beiden Bäume, die nicht hätten abgesägt werden dürfen. Zusammen mit den beiden anderen wurde laut Hertel noch ein Spitzahorn beseitigt. Dieser Baum war allerdings nicht mit einer Pflanzbindung belegt. Im Hinblick auf die beiden anderen Bäume sei die Festsetzung im Bebauungsplan aber klar missachtet worden.

Thema im Stadtrat

"Ein herrlicher Baum, mit 2,20 Metern Umfang in Brusthöhe", beschrieb Hertel die Größe des Stammes und bezeichnete die Fällung als "Sauerei". Hier sei gegen die Vorgaben des Bebauungsplans verstoßen worden, erklärte das CSU-Fraktionsmitglied. Hertel will das Thema auch in der nächsten Sitzung des Stadtrats vorbringen.

Über die Verursacher war ihm eigenen Angaben zufolge nichts bekannt. Aber er vermutete, dass es mit der geplanten Bebauung dort zusammenhängt. Auf der Fläche ist bereits ein Mehrfamilienhaus im Rohbau errichtet worden, oberhalb soll ein weiteres gebaut werden.

Neupflanzung und Schadenersatz

"Es ist natürlich so, dass nun die Sicht frei ist", suchte Hertel nach einer Erklärung und kann schon auch nachvollziehen, dass davon vor allem die künftigen Nutzer der Wohnungen im Erdgeschoss profitierten. Doch letztendlich sei die Pflanzbindung im Bebauungsplan verankert.

"Da muss eine Ersatzpflanzung her – und zwar groß dimensioniert", forderte Hertel. Außerdem müsse der Verursacher Schadenersatz zahlen. Denn es würden Jahrzehnte vergehen, bis die Bäume wieder in der entsprechenden Größe nachwachsen würden. Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden. In Zeiten von Klimaschutz und angesichts der Diskussionen über den Erhalt der Artenvielfalt sei dies nicht nachvollziehbar.

Im Rathaus war auf Anfrage von Oberpfalz-Medien von der Baumfällung zunächst noch nichts bekannt. Stadtbaumeister Hubert Siller zeigte sich überrascht und wollte sich über die Eigentumsverhältnisse hinsichtlich des betreffenden Flurstücks kundig machen. Unabhängig davon stellte Siller aber fest, dass widerrechtliche Baumfällungen Schadenersatzforderungen nach sich zögen.

Befreiung signalisiert

Am späten Montagvormittag meldete sich Martin Rosner, Verwaltungs-Geschäftsleiter im Rathaus, in der Redaktion. „Das ist nicht glücklich gelaufen“, räumte Rosner gegenüber Oberpfalz-Medien ein: Der Investor habe bei der Stadt nachgefragt, ob er die betreffenden Bäume beseitigen dürfe. Denn diese würden dem Vorhaben im Wege stehen. Grundsätzlich sei dem Investor eine Befreiung vom Bebauungsplan signalisiert worden – „aber mit einer Ersatzpflanzung“, ergänzte Rosner. Er habe durchblicken lassen, dass die Ausgleichsmaßnahme mit größeren Exemplaren zu erfolgen habe. Dass der Investor die Bäume entfernen möchte, hätten im Rathaus bisher nur er, Rosner, und Bürgermeister Bernd Sommer gewusst.

Der Geschäftsführende Beamte spricht von einem Missverständnis zwischen Stadtverwaltung und Investor. "Wir dachten eigentlich, er bringt uns einen Antrag zur Befreiung vom Bebauungsplan." Dieser hätte dann in der Sitzung des Bauausschusses ganz regulär behandelt werden sollen.

Schreiben als Erlaubnis

Auf Anfrage beim Investor wurde auf ein Schreiben aus dem Rathaus Waldsassen verwiesen, wonach die Bäume beseitigt werden dürften – mit dem Hinweis auf Ausgleichsmaßnahmen. Man mache sich Gedanken über jeden Baum, es sei nicht mehr so wie vor 30 Jahren, so ein Sprecher. Insofern habe man schon vor Monaten bei der Stadt deswegen angefragt.

Man sei also davon ausgegangen, dass mit der Antwort der Stadt auch die Erlaubnis zum Fällen der Bäume erteilt wurde, was nun – nach dem Ende der Brutzeit – erfolgt sei, so der Sprecher. Er bedauerte ebenfalls, dass dies nun wohl „saudumm gelaufen“ sei und es zurecht so aussehe, als ob vollendete Tatsachen geschaffen worden wären.

Viel Geld investiert die Stadt Waldsassen in die Abwasserbeseitigung

Waldsassen
Drei Bäume sind im Gebiet "Teufelswehr" gefällt worden. Für zwei Exemplare bestand eine Pflanzbindung im Bebauungsplan.
Eine Aufnahme vom März 2016 zeigt die drei Bäume im Gebiet "Teufelswehr". Im Bebauungsplan mit Pflanzbindung versehen waren die Eberesche (erster Baum vom bestehenden Wohnhaus aus betrachtet) und der zweite Baum, die etwa 60-jährige Eiche.
Hintergrund:

Pflanzbindung im Bebauungsplan

  • Im Baugesetzbuch (BauGB) ist unter Paragraf 9 der Inhalt des Bebauungsplans geregelt.
  • Laut Absatz 25 werden aus städtebaulichen Gründen die Bindungen für Bepflanzungen und für die Erhaltung von Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen sowie von Gewässern festgesetzt (Quelle: Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz).

"Die sollten dort stehen bleiben. Und jetzt liegen sie da."


Harald Hertel über die Eiche und die Eberesche im Gebiet "Teufelswehr"

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.