09.05.2021 - 11:16 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Baugrundstücke in Waldsassen: Bedarfsgerecht und flächenschonend

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Die Klosterstadt ist attraktiv wie nie zuvor bei Leuten, die sich in Waldsassen den Traum einer eigenen Immobilie verwirklichen wollen. In der Praxis ist das nicht leicht – auch für die Kommune nicht.

Auch an der Verbindung zwischen der verlängerten Schulstraße und der Raiffeisenstraße im Bereich der früheren Bahnlinie wird viel gebaut.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

„Die Nachfrage nach Bauplätzen ist extrem hoch", sagt Bürgermeister Bernd Sommer im Hinblick auf die in diesem Jahr geplante Erweiterung von Baugebieten im Stadtgebiet Waldsassen. "Jeder Anfrage wollen wir das passende Angebot geben", erklärt Sommer.

Allerdings gerät die Stadt an ihre Grenzen. Das gilt im Hinblick auf verfügbares Bauland. Neuerdings spielen auch besondere behördliche Auflagen eine Rolle – bei einem Thema, für das die Stadt Waldsassen eigentlich ein Gütesiegel erhalten hat, Stichwort "Flächenbewusste Kommune".

Bernd Sommer verweist darauf, dass für die Ausweisung von Baugrundstücken viele Flächen revitalisiert worden sind; diese stünden als Bauplatz zur Verfügung. "Das wollen wir auch weiter so halten und haben schon neue Projekte in der Planung."

Sommer freut sich außerdem darüber, dass daneben der Miet- und Eigentumswohnungsmarkt "endlich angesprungen", wie er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien sagt. "Mit Privatinvestoren aber auch mit eigener Bautätigkeit stehen demnächst neue attraktive Wohnungen zur Verfügung." Dabei nennt der Rathauschef das Projekt an der Adalbert-Stifter-Straße oder die Revitalisierung des Anwesens Brauhausstraße 2.

Briefe an Eigentümer von Flächen

Die Eigentümer bebaubarer Flächen wurden vergangenes Jahr angeschrieben und nach ihrer Bereitschaft angefragt, die Grundstücke abzugeben. "Hier könnte noch mehr Bewegung in die Thematik kommen. Wir bleiben dran", erklärt Sommer dazu.

"Hier könnte noch mehr Bewegung in die Thematik kommen. Wir bleiben dran."

Bürgermeister Bernd Sommer über die Verkaufsbereitschaft von Eigentümern bebaubarer Flächen

Ergänzt werde das Angebot darüber hinaus auch mit sorgsam ausgewählten, kleinen neuen Baugebieten. "Wir konzentrieren uns hier auf Abrundungen der natürlichen Ortskanten und werden an verschiedenen Stellen mit eher kleinen Baugebieten aufwarten."

Finanzmittel eingeplant

Einiges sei da in Vorbereitung, so der Bürgermeister im Hinblick auf den aktuellen Haushalt 2021. "Die nötigen Finanzmittel für Grundstücksankäufe und die notwendigen Erschließungen stehen zur Verfügung." Vor diesem Hintergrund freue sich die Stadt Waldsassen auf weitere Interessenten, "die gerne in Waldsassen leben und wohnen möchten“.

Bei der Ausweisung von neuem Bauland muss die Stadt Waldsassen immer berücksichtigen, dass sie das Gütesiegel "Flächenbewusste Kommune" trägt. Doch offenbar schützt selbst diese Auszeichnung nicht vor kritischen Nachfragen. "Wenn du da nichts vorweisen kannst, ist Schluss", so Sommer über die Einwände der Regierung der Oberpfalz.

"Die wollten genau wissen, wie und was wir und wie wir das umgesetzt haben", so Sommer im Hinblick auf das bisherige Vorgehen bei der Ausweisung von Bauland. Denn in Waldsassen würden keine großen Baugebiete mehr, sondern immer Flächen einzeln ausgewiesen. Ein Beispiel ist die Erweiterung des Gebiets "Hamannsgarten". Dort entstehen sechs Parzellen, von denen jedoch die allermeisten reserviert sind.

"Passt bitte auf, das muss alles mit Maß und Ziel geschehen."

Bürgermeister Bernd Sommer über den Einfluss der übergeordneten Behörden im Hinblick auf den Flächenverbrauch

"Passt bitte auf, das muss alles mit Maß und Ziel geschehen", kommentiert Bernd Sommer die Entwicklung bei der Ausweisung von Bauland – auf einem behutsamen Weg, wie er in Waldsassen beschritten wird. Sommer ergänzt im Hinblick auf neu erschlossenes Bauland im Bereich Stationsweg: "Wenn wir das nicht bekommen, wo wir wirklich achtsam sind, dann steuern wir auf das Thema zu: Gibt es in Deutschland künftig noch Einfamilienhäuser."

Nachweis für den Bedarf

Kritische Nachfragen an die Stadt Waldsassen im Hinblick auf die Flächenversiegelung gab es jüngst im Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans "Nähe Stationsweg". So wandte die Regierung der Oberpfalz als höhere Landesplanungbehörde ein, dass die kommunale Bauleitplanung an die Ziele der Raumordnung anzupassen sei.

Insbesondere sei gemäß den Festlegungen des Bayerischen Landesentwicklungsprogrammes (LEP) "der entsprechende Bedarf bei der Ausweisung neuer Siedlungsflächen unter den Gesichtspunkten Flächensparen, Innenentwicklung vor Außenentwicklung und demografischer Wandel ausführlich nachzuweisen". Und weiter schreibt die Behörde: "Eine Ergänzung des vorliegenden Bedarfsnachweises ist zur abschließenden Beurteilung, inwieweit die vorliegende Bauleitplanung die Ziele einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung im Sinne des LEPs erfüllt, notwendig."

Waldsassen
Hintergrund:

Beitrag über Waldsassen im Greenpeace-Magazin

Unter dem Titel "Flächenrecycling statt Flächenfraß" hat die Zeitschrift der Organisation der Stadt Waldsassen unter der Rubrik "Deutschlandreise" in einer der jüngsten Ausgaben einen kurzen Beitrag gewidmet.

  • Nirgendwo in Deutschland werde mehr Land versiegelt als in Bayern. Fast 50 Quadratkilometer seien es jährlich, "eine Fläche so groß wie der Ammersee". Die Hälfte davon falle auf Wohnraum, der Rest auf Verkehr, Gewerbe, Industrie.
  • "Waldsassen nutzt lieber, was da ist: Finden sich für Leerstände keine Investoren, kauft die Stadt die Gebäude, um sie neu zu beleben oder rückzubauen."
  • Trotz vieler Neubauten komme Waldsassen so mit weniger Bauland aus. "Nebeneffekt: ein aufgeräumtes Stadtbild."
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