14.06.2021 - 08:42 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Äbtissin über TV-Serie: Werbung fürs Leben im Kloster

Endspurt für "Um Himmels Willen": Am Dienstag läuft die letzte Folge der TV-Serie. Ob sich der Alltag im fiktiven Kloster Kaltenthal mit der Wirklichkeit vergleichen lässt, verrät Äbtissin Laetitia Fech vom Kloster Waldsassen im Interview.

Äbtissin Laetitia Fech beim Brunnen im Pfortenhof des Klosters Waldsassen, im Hintergrund links das klösterliche Gästehaus St. Joseph.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Regelmäßig "Um Himmels Willen" regelmäßig geschaut hat Äbtissin Sr. M. Laetitia Fech nicht. Aber die Chefin der Zisterzienserinnen-Abtei kennt die TV-Serie von einzelnen Folgen, die sie etwa im Urlaub vorm Fernseher saß. Sie weiß deshalb: Manche der Geschichten im fiktiven Kloster Kaltenthal könnten auch im Kloster Waldsassen passieren. Vieles aber läuft in der Wirklichkeit ganz anders. Doch ein Akteur aus der Serie spielt bei den Zukunftsvisionen der Zisterzienserinnen in Waldsassen eine besondere Rolle.

ONETZ: "Um Himmels Willen" lebt ja vom zwischenmenschlichen "Gehackel" von Schwester Hanna und Bürgermeister Wöller. Wie es mit Bürgermeister Sommer aus? Ist Ihr Verhältnis ähnlich gelagert? Zwischen Sympathie und Frotzeleien?

Äbtissin M.Laetitia Fech: (Lacht). Das Verhältnis zwischen Bürgermeister Sommer und mir ist so optimal, wie ich es in meiner 26-jährigen Amtszeit noch nie hatte. Es war auch schon anders. Aber mit Bürgermeister Sommer: Wir frotzeln auch einmal miteinander, aber das ist dann eher wohlwollend. Ich würde sagen, das Verhältnis ist ergänzend. Dass die Stadt versucht dem Kloster zu helfen oder das Kloster der Stadt - ohne Konkurrenzdenken. Ganz im Gegenteil. Wir können das nur miteinander. Das ist nicht extra gemacht, sondern selbstverständlich. Das schätze ich sehr.

ONETZ: Oft geht es in der Serie im Zusammenspiel mit der Politik ja um Geld, auch um den möglichen Verkauf des Klosters. Redet Ihnen die Politik auch bei den Finanzen rein?

Äbtissin M.Laetitia Fech: Eindeutig nein. Das Kloster gehört dem Orden. Fördertöpfe locker zu machen und zu öffnen ist normalerweise mein eigenes Geschäft. Natürlich ist das dann Netzwerkarbeit, entstanden in 25 Jahren: Man hat viele Leute, mit denen man guten Kontakt pflegt. Der Orden spricht mir rein, dass wir betriebswirtschaftlich funktionieren müssen. Dass das Kloster geistlich, wirtschaftlich geprüft wird, alle drei bis vier Jahre. Das läuft im Hintergrund, das ist selbstverständlich.

ONETZ: Das Kloster Kaltenthal ist ja sehr offen, es herrscht ein Kommen und Gehen. Ist das auf Waldsassen übertragbar?

Äbtissin M.Laetitia Fech: Nein, im Grunde nicht. Das ist ein aktiver Orden und wir sind ein kontemplatives Kloster. Ich weiß von der Serie, dass Leute mit essen und mit einbezogen werden. Das ist ein caritativer Orden, der für die Menschen da ist, auch für Menschen in Not. Zu uns kommen zwar auch die Menschen. Aber wir haben einen Klausurbereich, wo niemand reinkommt. Es ist schon ein Kommen und Gehen in den Betrieben – im Gästehaus oder in der Umweltstation. Das wäre vor 30, 40 Jahren noch undenkbar gewesen, was da bei uns rein- und rausgeht. Das haben wir auch vermisst in Corona-Zeiten und sind heilfroh, dass jetzt wieder geöffnet werden darf. Aber wir sind nicht ein Säkularinstitut oder ein aktiver Orden wie etwa die Franziskaner und die ganzen anderen aktiven klösterlichen Gemeinschaften.

ONETZ: Oft bekommt es das Kloster Kaltenthal ja mit menschlichen, mit zwischenmenschlichen Problemen zu tun, suchen Leute Rat bei den Schwestern. Können Sie hier auch Hilfe anbieten?

Äbtissin M.Laetitia Fech: Ja natürlich. Aber darüber redet man nicht. Es sind ganz viele Menschen am Telefon oder über Briefe. Oder die eine Auszeit nehmen, um aus dem Hamsterrad des Überfordertseins des Alltags auszusteigen. Vor allem jetzt im Sommer, wenn wir Seelenwellness oder die Ora-et-labora-Tage anbieten, kommen ganz viele Frauen und Männer, die das Gespräch suchen und nach dem Sinn des Lebens fragen. Auch über die Internetseite kommen viele Gebetsanliegen herein von Menschen, die Sorgen haben. Wir sind manchmal erschüttert, was für ein großes Vertrauen die Menschen in unser Gebet haben. Man sagt immer, die Menschen beten nicht mehr. Das stimmt nicht. Sie sind zwar nicht mit der Institution Kirche verbunden. Aber Glauben und Beten und den Segen: Ich erlebe es immer wieder bei Leuten, die das Gespräch suchen und ich sage: Darf ich Ihnen den Segen geben. Da hat noch niemand Nein gesagt.

ONETZ: In der Serie gibt es im Kloster eine Hund, namens "Herr Hund". Wie sieht es bei Ihnen mit Haustieren aus?

Äbtissin M.Laetitia Fech: Das ist eine nette Frage: Bei der letzten Supermission der Gemeinschaft waren Zukunftsvisionen und Wünsche ein Punkt. Unter den Jüngeren taucht eben der Wunsch nach einem Hund immer wieder auf, auch diesmal. Jetzt hat die Äbtissin das Placet dazu gegeben. Ich habe gesagt: Wenn ihr den Hund versorgt, dann dürft ihr ihn haben. Aber bitte einen kleinen Welpen, der sich an die Gemeinschaft gewöhnt. Denn die Äbtissin ist schon dreimal von einem Hund gebissen worden und hat eine Hundephobie. Meine Schwester hat mir zu meinem 50. Geburtstag damals einen Hasen geschenkt, aber der lebt leider nicht mehr.

ONETZ: Eine Schwester betreibt im Kloster Kaltenthal einen Podcast. Wie stehen Sie zu den modernen Medien?

Äbtissin M.Laetitia Fech: Zu modernen Medien sind wir absolut offen. Ich darf halt nicht abhängig sein: Inwieweit lasse ich die Welt in die Klausur rein. Es gibt eine klare Regelung: Das Internet ist im Arbeitsbereich, aber nicht in der Zelle. Wir sind aber grundsätzlich offen - ob das Instagram ist oder Facebook. Einen Podcast haben wir jetzt noch nicht, aber könnte auch noch werden. Die Mitschwestern sind da sehr offen, und ich unterstütze das auch. Wobei ich mich da schwerer tue, da brauche ich die Jungen dazu.

ONETZ: Generell: Ist so ein Unterhaltungsformat wie "Um Himmels Willen" für das Leben im Kloster eine gute Werbung?

Äbtissin M.Laetitia Fech: Ja, ist es auf jeden Fall. Es wird ein positives Bild des Klosters vermittelt, das gefällt mir an der Serie. Auch wenn ich bei manchen Dingen völlig anderer Meinung bin. Aber es ist eine Unterhaltungssendung. Vieles wird da idealisiert. Grundsätzlich wird ein Kloster positiv dargestellt. Das finde ich schon einmal gut, wo man heute der Kirche gegenüber so kritisch ist.

Die Äbtissin Laetitia Fech im Video

Jutta Speidel zu Besuch bei Äbtissin Laetitia Fech

Zur Person:

Äbtissin M.Laetitia Fech

  • Laetitia (Agathe) Fech (Jahrgang 1957) kam 1994 vom Kloster Lichtenthal nach Waldsassen. Hier sollte die junge Ordensschwester eine Paramentenstickerei aufbauen.
  • Am 26. August 1995 wurde Sr. M. Laetitia zur vierten Äbtissin gewählt – zur damals jüngsten im Orden weltweit. Die Benediktion (Äbtissinnenweihe) folgte am 3. Oktober. Ihr Wahlspruch lautet: „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft.“ (Jesaja 40,31)
  • Bald darauf nahm sie die Mammutaufgabe in Angriff – die Generalsanierung der Klostergebäude sowie die innere und äußere Erneuerung der Zisterzienserinnenabtei.
  • Äbtissin Laetitia Fech ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden, darunter mit dem Bayerischen Verdienstorden und dem Bundesverdienstkreuz.
  • Das 25. Weihejubiläum ist vergangenes Jahr mit einem Gottesdienst und einer Feierstunde im Freien gewürdigt worden. Außerdem erschien eine Festschrift, die das Wirken der Äbtissin im vergangenen Vierteljahrhundert dokumentiert.

 

 

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