27.11.2020 - 11:46 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Adventsgedanken von Stadtpfarrer Thomas Vogl: "Zukunft und Hoffnung geben"

„Der andere Advent“ tituliert der Waldsassener Stadtpfarrer Thomas Vogl seine Gedanken zum Advent. Der Dekan sieht die Chance, gewohnte Wege zu verlassen.

Dekan Thomas Vogl ist Stadtpfarrer in Waldsassen. Er ist 51 Jahre alt.
von Externer BeitragProfil

Seit über 20 Jahren gibt der ökumenische Verein „Andere Zeiten e.V.“ einen besonderen Adventskalender mit diesem Titel heraus. Er erfreut sich großer Beliebtheit. Hunderttausende Menschen wählen ihn als Begleiter für die Zeit vom 1. Advent bis Dreikönig. Das ist schon „anders“, dass er nicht mit dem 24. Dezember endet. Es steckt auch keine Schokolade in ihm, sondern Gedanken, Bilder und Geschichten. Manchmal auch Kleinigkeiten, die man rausnehmen, aufhängen oder verschenken kann. Ich selbst freue mich jedes Jahr auf diesen Adventskalender und staune immer wieder über die originellen und kreativen Ideen. Sie regen wirklich zu „anderen“ Gedanken an und helfen mir, dem manchmal allzu gewohnten Advent einen anderen Klang, ein anderes Gesicht, eine andere Richtung zu geben.

Wirkliche "staade Zeit"

Der „andere“ Advent 2020 – so wird sicherlich diese vor uns liegende Adventszeit 2020 sein und in Erinnerung bleiben. Es wird ein ganz anderer Advent als sonst werden, auch ein ganz anderes Weihnachten. Was ist deswegen nicht schon alles diskutiert, überlegt, neu geplant, organisiert und auch bedauert worden? Vieles wird unter den gegebenen Bedingungen einfach schwierig bis unmöglich sein. Leider! Anderes hingegen bekommt neue Formen, wird kreativ weiterentwickelt und vielleicht ja auch neu entdeckt. „Das könnte mal wieder ein richtiger Advent werden.“ – höre ich manchmal. Gemeint ist wohl, wirklich eine „staade Zeit“, wie sie sonst eher klischeehaft benannt wird. Wirklich eine besinnliche Zeit, wesentlicher als sonst. Wer weiß?

So oder so liegt es ja an mir, was ich aus jeder Zeit und eben auch aus dieser mache. Darum: Was wird mir fehlen und was nicht? Vielleicht bekommt ja so manches, das sonst eher stressig, mühsam oder gar lästig ist, einen neuen Wert? Wenn denn so manches ausfällt beziehungsweise nicht möglich ist, wie gehe ich dann mit diesen neuen Spielräumen um, für mich selbst, meine Beziehungen, für Familie und Freunde, für Gott?

Advent verändert

Der Advent ist immer schon eine „andere“ Zeit, jedes Jahr neu. Diese Wochen auf Weihnachten hin werden auch „geprägte Zeit“ genannt. Vielleicht müsste man eher sagen „prägende“ Zeit, denn ihr ganz eigener Charakter will uns prägen und verändern. Was kaum mehr bewusst ist: die Adventszeit ist auch eine „Fastenzeit“. Verzichten können, sich neu ausrichten und wesentlich werden, bedeutet das. Aber zwingt uns nicht diese zweite Phase der Corona-Pandemie schon genug an Verzicht auf?

Es betrifft bestimmte und liebgewordene Gewohnheiten, unsere Kontakte mit anderen Menschen oder, mit dem Beruf verbunden, vielleicht sogar existentielle Herausforderungen? Wir haben uns alle diese Zeit nicht ausgesucht, aber wir sollten alle versuchen, das Beste daraus zu machen.

Ganz anders der Advent: Gott zwingt mir in dieser Zeit und auch sonst nichts auf. Aber er hat einen Wunsch, eine Sehnsucht: Er will mich. Und er will für mich, dass mein Leben vorankommt durch mein Nachdenken, Entscheiden und Handeln, durch mein Vertrauen in ihn und in mich selbst.

Anders – mit Hoffnung!

„Der andere Advent“ hat in diesem Jahr das Motto „Hoffnung“. Das Titelbild zeigt eine Lichtinstallation des Schweizer Lichtkünstlers Gerry Hofstetter am Matterhorn (siehe www.anderezeiten.de). Das englische Wort „#hope“ fließt gleichsam vom Matterhorn herab. Hoffnung, die in das Leben kommen will und im Alltag Raum finden möchte. Davon ist diese Zeit ja geprägt: Hoffentlich gesund bleiben! Hoffentlich kommen wir gut durch diese Zeit!

Aber auch hoffentlich verbunden bleiben in Solidarität und Verantwortung füreinander. Hoffnung ist die Perspektive, dass es nicht nur anders, sondern gut wird. Gott schenkt diesen Weitblick. Vertrauen wir unseren Möglichkeiten und vor allem auch ihm selbst, weil er wirklich Wort hält: „Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe – Spruch des Herrn – , Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.“ (Jer 29,11)

Bis Weihnachten wird sich an jedem Wochenende ein anderer Geistlicher aus dem Landkreis Tirschenreuth seine Gedanken zum Advent machen.

Im April machten sich Geistliche aus dem Landkreis Tirschenreuth auch Gedanken zum Sonntag

Erbendorf

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