03.08.2020 - 14:24 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Abt Marianus Bieber: Heilige verbinden Himmel und Erde

Seit Beginn der Hochphase der Corona-Pandemie in Deutschland wird in der Basilika täglich zu den Heiligen Leibern gebetet. Deren Bedeutung für die Gläubigen unterstrich jetzt auch Abt Marianus Bieber von der Benediktinerabtei Niederaltaich.

Benediktinerabt Marianus Bieber bei der Gabenbereitung.
von Konrad RosnerProfil

"Schön, dass wir diesen alten Festtag noch feiern", sagte Stadtpfarrer Thomas Vogl am Sonntag zum Beginn des Gottesdienstes zum "Heilige-Leiber-Fest" in der Basilika. Dieser Festtag, gefeiert jeweils am ersten August-Sonntag, gehe auf die Zisterzienser zurück. Weiter rief der Stadtpfarrer in Erinnerung, dass seit dem 17. März dieses Jahres täglich zu den Heiligen Leibern gebetet werde, im Vertrauen darauf, vor der Pandemie verschont zu bleiben. "Die Nachrichten machen uns bewusst, dass die Not noch nicht beendet ist", betonte Vogl.

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Waldsassen

Besonders willkommen zum Gottesdienst hieß er neben den Gläubigen von nah und fern besonders den Schwesternkonvent mit Äbtissin Laetitia Fech an der Spitze, Pater John sowie den Hauptzelebranten und Prediger, Abt Marianus Bieber von der Benediktinerabtei Niederaltaich (Niederbayern).

In seiner Predigt erinnerte der Abt daran, dass er schon vor einem Jahr die Einladung zu diesem Fest erhalten habe. "Damals haben wir noch an eine ganz andere Feier gedacht." Marianus Bieber verwies darauf, dass es in keiner anderen Kirche nördlich der Alpen mehr Heilige gebe als in Waldsassen. Zehn römische Heilige sind hier zu finden, in Niederalteich sind es sechs.

Verstörend und befremdlich

Das Verständnis für die traditionelle Heiligenverehrung sei nicht mehr so stark vorhanden wie früher. Für viele Menschen heute sei dies verstörend und befremdlich. Tote würden aktuell nur noch in den Medien zur Schau gestellt, so der Prediger weiter. Dabei hänge die starke Kultur der Wallfahrt vor allem mit den Heiligen zusammen. Als Beispiele nannte er Altötting und Santiago de Compostela. Nach Santiago de Compostela zögen viele Menschen wegen des Jakobsweges - und dieser habe sicher seine Bedeutung. Er diene häufig als Läuterungs- und Heilungsweg. Doch das eigentliche Ziel sei die Reliquie im Wallfahrtsort. Deshalb habe man wohl auch die römischen Märtyrer ins Stiftland, nach Waldsassen, gebracht, vermutete der Abt. Der Grund dafür sei wohl die leibhaftige Verehrung der Heiligen gewesen.

Für viele Gläubige sei wichtig, ob diese Heiligen ihm jetzt helfen können. Wie sie hingegen gelebt haben, das wisse man nicht. Überhaupt sei von den Heiligen in Waldsassen nur sehr wenig bekannt. "Wichtig ist, ob sie jetzt unser Gebet erhören", sagte Marianus Bieber. Die Heiligen seien Menschen, die vor dem Throne Gottes stünden, aber mit dem Leib noch auf der Erde seien. "Heilige verbinden den Himmel und die Erde, sie sind nahe bei Gott."

Starke Fürsprecher

Er wisse, so der Abt, dass viele dies für ein abstraktes Gottesbild hielten. Vielen Menschen von heute fehle die Konkretheit. Dabei stehe der Glaube für die Gemeinschaft, für die Kirche. Die Kirche sei die untergründige Verbindung zu Rom, zu den Aposteln. Waldsassen sei deshalb ein Ausdruck der Verbindung zu Rom und zu ganz oben, zu den Heiligen. "Wir dürfen teilhaben an der Kraft der Heiligen", sagte der Abt. Sie seien starke Fürsprecher. "Wir dürfen die Kraft der Heiligen im Leben erfahren. Wir haben Jesus Christus, der stets gegenwärtig ist. Deshalb stehen wir vor dem Altar und feiern die Eucharistie."

Musikalisch gestaltet wurde der Festgottesdienst von Andreas Sagstetter an der Orgel und den Waldsassener Blechbläsern.

Die Waldsassener Blechbläser gestalteten den Festgottesdienst musikalisch.
Stadtpfarrer Thomas Vogl legte das Evangelienbuch vor einem Altar der Heiligen Leiber ab.
Zur Person:

Abt Marianus Bieber

Abt Marianus Bieber wurde 1958 in Aschaffenburg geboren. Nach dem Abitur studierte er Religionsphilosophie, katholische Theologie und Germanistik in Frankfurt/Main. 1989 trat er der Abtei Niederaltaich bei. Nach dem Noviziat war er zwei Jahre Erzieher im Internat der Abtei, anschließend studierte er Theologie an der Uni Passau und wurde im September 1995 vom Linzer Bischof Maximilian Aichern zum Priester geweiht. Es folgten weitere Studien in Bossey bei Genf und in Bamberg. Im Mai 2001 wurde Marianus Bieber zum Abt gewählt, am Fest Mariä Geburt wurde er benediziert.

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