20.08.2020 - 14:38 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Nach 33 Jahren letztes Chodauer Heimattreffen gefeiert

Der 33. Chodauer Heimattag fand heuer zum zweiten Mal in der Waldsassener Partnerstadt Chodov statt. Es war gleichzeitig das letzte organisierte Heimattreffen der ehemaligen Egerländer. Was bleibt sind die geschaffenen Verbindungen.

Der 33. Chodauer Heimattag war gleichzeitig der letzte. Im Bild (von links): Josef Moder, Vorsitzender des Chodauer Heimatausschusses, Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer, Chodovs Bürgermeister Patrick Pinzinger und sein Stellvertreter Ludek Soukoup.
von hmrProfil

Bereits im Mittelalter gab es durch die Besitztümer des Klosters Waldsassen im Egerland enge historische Verbindungen zwischen Waldsassen und Chodau. Nach der Vertreibung der Egerländer aus ihrer Heimat 1945 fanden viele Vertriebene Unterstützung in der Klosterstadt. So entwickelte sich eine enge Verbundenheit. Am 21. Juli 1956 übernahm die Stadt Waldsassen schließlich die Patenschaft über die tschechische Stadt Chodov. Damals kamen mehrere Tausend Egerländer zum ersten Treffen nach Waldsassen. Sogar eine kleine Festschrift wurde zu diesem Anlass herausgegeben.

"Erlebnisgeneration" fehlt

Seither fand alle zwei Jahre der Chodauer Heimattag mit dem Grenzlandtreffen der Egerländer statt. Bis 2016 war immer die Stadt Waldsassen Austragungsort und organisierte gemeinsam mit der Eghalanda Gmoi die regelmäßigen Veranstaltungen für die Heimatvertriebenen. 2018 fand die Traditionsveranstaltung erstmals in Chodov statt. Nachdem immer weniger ehemalige Bewohner zu den Treffen kamen und somit sowohl die sogenannte "Erlebnisgeneration" fehlt und auch die jüngeren Aktiven in die Jahre gekommen sind, entschieden sich die Verantwortlichen, die Heimattage nach 64 Jahren heuer das letzte Mal durchzuführen.

Aufgrund der Corona-Vorschriften nahm vonseiten der Stadt Waldsassen nur Bürgermeister Bernd Sommer am Heimattreffen teil. Beim offiziellen Auftakt dankte Sommer den Chodauern für den mutigen Schritt, die letzten Chodauer Heimattage in der tschechischen Partnerstadt abzuhalten. "Alles hat seine Zeit. Die Chodauer haben damit ein besonderes Zeichen der Versöhnung gesetzt und den Blick für die jungen Generationen in die Zukunft gerichtet", so Sommer.

Den Festgottesdienst mit der Wiederbeisetzung des ehemaligen Bürgermeisters von Chodov, Karl Fenkl, in der restaurierten Familiengruft zelebrierte Bischof Tomas Holub. Weil in Waldsassen gleichzeitig die Trauerfeier für den verstorbenen Heimatpfleger Robert Treml stattfand, konnte beim Festgottesdienst kein Vertreter der Stadt Waldsassen dabei sein.

Größe Bestürzung löste im April 2020 der Tod von Robert Treml aus:

Waldsassen

Viele Verbindungen geschaffen

Auch auf kultureller Ebene trug die Städtepartnerschaft Früchte. So gibt es seit 1958 eine Chodauer Straße in Waldsassen. 1962 entstand die Chodauer Heimatstube, die dann in das Stiftlandmuseum integriert wurde. Später folgten der Heimatbrunnen in der Grünanlage beim früheren Bahnhof mit den Wappen von Waldsassen sowie den beiden Partnerstädten Chodau und Marcoussis sowie ein Gedenkstein in der Chodauer Straße. Beim Chodauer Heimattag 1988 wurde die neue Standarte als Symbol der Patenschaft feierlich geweiht.

Feuerwehren besuchen sich

Mit der Grenzöffnung 1990 und dem Beitritt Tschechiens zur EU 2004 ergaben sich völlig neue Möglichkeiten zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. So fand am 27. November 2012 auf Wunsch der Stadt Chodov nach einer engeren Zusammenarbeit ein "Kennenlern-Treffen" von Vertretern der beiden Stadtparlamente und weiterer Interessenten statt. Zum 60-jährigen Bestehen der Städtepatenschaft 2016 stand eine Sonderausstellung im Stiftlandmuseum auf dem Festprogramm. Wesentlichen Anteil an der Organisation der wiederkehrenden Heimattreffen hatte jeweils der kürzlich in den Ruhestand getretene Geschäftsführer der Stadt Waldsassen, Karl-Hans Hofmann.

Das Chodauer Heimattreffen fand 2018 zum ersten Mal in Codov statt

Waldsassen

Besonders unter dem derzeit amtierenden und gut deutsch sprechenden Chodover Bürgermeister Patrick Pinzinger eröffneten sich in den vergangenen Jahren neue Verbindungen, wie etwa gegenseitige Besuche der Feuerwehren. Aufgrund der langjährigen vertrauensvollen Zusammenarbeit entschlossen sich die beiden Städte zu einer förmlichen Partnerschaft, die am 17. Januar 2015 schließlich offiziell besiegelt wurde.

Vom Ende der offiziellen Heimattage unberührt bleibt der Besuch des alljährlichen Chodover Laurentiusfestes. Gleichwohl hoffen die Chodauer weiterhin auf Besucher in ihrer Geburtsheimat.

Der ehemalige Bürgermeister von Chodov, Karl Fenkl, wurde im Rahmen des 33. Chodauer Heimattreffens in der restaurierten Familiengruft feierlich wieder beigesetzt. Im Hintergrund die 1988 geweihte Standarte.
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