04.02.2021 - 10:16 Uhr
WaldershofOberpfalz

Garten: Mehr Mut zur Unordnung

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Soll es im Garten brummen und summen, muss der Gartenfreund etwas dafür tun. Ursula Schimmel, Vorsitzende des Gartenbauvereins Waldershof, gibt Tipps, wie das grüne Wohnzimmer eine Oase für Bienen und andere Insekten wird.

Vor allem die Wildbienen sind schützenswert. Sie sind vom Aussterben bedroht, dabei leisten sie wertvolle Dienste auch im heimischen Garten. Die Arten unterscheiden sich optisch durch Größe, Färbung oder Musterung.
von Ulla Britta BaumerProfil

Im Jahr 2019 feierten die Umweltschützer mit dem Durchsetzen des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" einen großen Erfolg. Der staatlich verordnete Appell, Insekten mehr zu schützen, ist bitter nötig: Laut Statistik gab es vor 30 Jahren fünfmal so viele Insekten als heute. Deshalb muss die Lobby für Insekten weit größer werden.

"Was bisher geschah, ist immer noch zu wenig", sagt Ursula Schimmel, Geschäftsführerin der Kreisgruppe Bund Naturschutz und Vorsitzende des Gartenbauvereins Waldershof. Im eigenen Garten tut sie alles, um es den Bienchen gemütlich zu machen. Ihre Wiese wird nach der Margeriten-Blüte zum ersten Mal gemäht und erst im September noch einmal. "Und sie wird nicht bewässert", betont Schimmel.

Sie rät im Frühling zur Pflanzung von Krokussen, Winterlingen und Schlüsselblumen. "Diese Sorten breiten sich von selbst aus." Auf mageren Boden habe sie bei sich einen hohen Wildblumensaum eingesäht, den sie mit der Sense mäht. Das Saatgut kauft die BN-Geschäftsführerin wegen der Regionalität beim Biogärtner oder Gärtner "ihres Vertrauens".

Totholzhaufen und Stümpfe

Sie schwört auf Wildsträucher. In ihrem Garten geben sich unter anderem die Kornelkirsche (Blüte im Februar bis März), Kätzchenweide und der Holunder ein harmonisches Stelldichein. Als letzte Bienennahrung im Herbst gehört für Ursula Schimmel der Efeu in die grüne Oase. "Er blüht im Oktober und November", erklärt sie. Muss ein alter Baum gefällt werden, bleibt der Baumstumpf stehen. "Der Stumpf oder ein Totholzhaufen sind für Insekten ein Eldorado."

Zum oftmals lästigen Thema "Hornissen" gibt die Fachfrau gern ihre Erfahrung weiter. 2020, erzählt sie, fand sie an der Hauswand ein Hornissennest. Es durfte bleiben. "Die Tiere waren friedlich und störten uns den ganzen Sommer nicht. Und wir hatten weniger Wespen." Wer Hornissen nicht mag, sollte unbedingt einen Fachberater anrufen. Hornissen stehen unter Artenschutz, man darf sie nicht einfach entfernen. Hornissenberater erledigen das wunderbar und gefahrlos.

Ursula Schimmel lässt regelmäßig einen Altgrasstreifen an den Sträuchern stehen. Zu ihrer Freude hat sie jetzt Glühwürmchen. "Diese Tiere brauchen drei Jahre zum Entwickeln und sind dann die allergrößten Feinde von Schnecken", stellt sie neben dem romantischen Effekt in lauen Sommernächten den Nutzen heraus.

Beim Stichwort "Bienen" denken die meisten Menschen an die Honigbiene. Sie ist gezüchtet, sucht ihr Futter in der Landschaft sowie in Gärten und wird vom Imker mit Unterkunft, Kinderstube und Winterschutz umsorgt. Weniger komfortabel hat es die Wildbiene. Sie muss sich ihr trautes Heim selbst einrichten. Da die kleinere, wilde Art sehr nützlich ist, aber leider vom Aussterben bedroht, ist sie besonders schützenswert.

"Wildbienen fliegen auch bei kühlem und feuchtem Wetter", erklärt Ursula Schimmel. Diese Hilfe beim Bestäuben der Obstbäume darf nicht unterschätzt werden. In Deutschland, weiß Schimmel, gibt es über 500 Arten von Wildbienen, die nahezu alle einzeln leben und nicht stechen. Zu Wildbienen gehören auch Hummeln. Sie bilden kleine Völker. Damit Wildbienen dem Gärtner helfen können, brauchen sie regelmäßig Futter. "Das liefern möglichst viele blühende Pflanzen und frühblühende Sträucher von Februar bis November."

Wichtig: Bienenfreunde sollten möglichst nur ungefüllte Blüten pflanzen. Die Fachfrau begründet diese Notwendigkeit damit, dass gefüllte Blüten zwar schön, aber für Insekten nutzlos sind. Dafür sind Gewürzkräuter wie Lavendel, Thymian, Oregano oder Borretsch nicht nur bienenfreundlich, sondern auch hervorragend geeignet für die regionale Küche.

Rasen etappenweise mähen

"Bitte Wildkräuter stehenlassen und die Wiese spät und selten mähen." Ein Rat, den Fans des "englischen Rasens" nicht gern hören. Ursula Schimmel appelliert deshalb zu mehr Mut zur Unordnung - was seinen ganz eigenen (Garten-)Reiz haben kann. "Man kann ein Stück Wiese in der hinteren Ecke stehen lassen oder den Rasen nur etappenweise mähen", gibt Ursula Schimmel jenen Gärtnern mit auf dem Weg, die sich langsam umgewöhnen wollen. Fürs herbstliche Blütenbild rät sie zu Arten wie Sonnenhut, Schafgarbe, Flockenblume, Fette Henne oder ungefüllte Herbstastern. Efeu sei im Frühjahr auch beliebte Nahrung für Vögel. "Aber vorsichtig bei Kindern. Er ist giftig", warnt Schimmel.

Ist alles gepflanzt, fehlt noch eine flache Wasserstelle. Als Kinderstube bekommen die Bienen morsches Holz, hohle Pflanzenstängel, Sand, offene Erde und lockere Steinhaufen. Solche wilden Ecken dienen auch als Winterquartier. Deshalb sollte der Garten im Herbst möglichst wenig aufgeräumt werden.

Fazit: Um Insekten anzulocken, muss nicht viel Aufwand betrieben werden. "Ein kleiner Hügel aus Steinen, Sand und Lehm an einer sonnigen, ungestörten Gartenecke ist schon ein gutes Insektenhotel", sagt Ursula Schimmel. Diese Aufgabe können auch die Kinder übernehmen, die sicherlich viel Spaß damit haben.

Keine exotischen Gewächse

Was Insekten gar nicht mögen: aufgeräumte Gärten, Kiesgärten, perfekte Rasenflächen, exotische Gewächse, Chemie, Mähroboter und künstliche Beleuchtung. Wer sich von solchen Gartenelementen nicht trennen kann, dem werden die Bienchen davon fliegen und in Nachbars (bienenfreundlichen) Garten auswandern.

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