28.05.2019 - 15:05 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Ein wahres Schmuckstück

Der Heilige Nepomuk bewacht nicht nur Brücken, auch viele Kirchen tragen seinen Namen. Ein Kleinod ist die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johannes von Nepomuk in Waldeck.

Reich geschmückt: Hauptaltar und die Nebenaltäre der Pfarr- und Wallfahrtskirche in Waldeck.
von Rainer ChristophProfil

Bald nach der Heiligsprechung Nepomuks 1729 durch Papst Benedikt XIII. breitete sich im frühen 18. Jahrhundert in Bayern der Kult um den "neuen Heiligen" aus.

Neben den vielfältigen Brückenfiguren des böhmischen Nationalheiligen, gibt es auch Kirchen mit seinem Namen. In loser Reihenfolge stellen wir einige der Patronatskirchen vor. Offiziell tragen in Bayern 170 Kirchen seinen Namen, dazu kommen unzählige Kapellen. Die Oberpfalz weist 17 Kirchen auf, alleine in den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/WN stehen fünf Kirchen, In Waldeck bei Kemnath befindet sich an der Fichtelnaab eine der ausdrucksstärksten Kirchen. Als im Jahre 1707 die dem St. Ägidius geweihte Schlosskirche - zugleich Pfarrkirche zerstört wurde, machte die Kirchenführung die St.-Anna-Kapelle zur Pfarrkirche. Die ungewöhnliche Häuseranordnung von Waldeck ist Folge eines verheerenden Brandes im Jahr 1794 bei dem Burg, Kirche und Ort in Schutt und Asche zerfielen. In der Not schenkte Franz Anton von Oexle, Reichsgraf von Friedenfels, die vom Schlossberg abgelegene Wallfahrtskapelle St. Nepomuk der Gemeinde als Pfarrkirche. Um sie herum wurde der heutige Ort neu aufgebaut. Diese Kapelle ließ Freiherr Ignaz Anton von Otten, der aus einem reichsritterlichen und reichsfreiheitlichen Adelsgeschlecht aus der Nähe von Paderborn stammte, 1730 zur Kirche erweitern. Otten hatte in Salzburg, Würzburg und Heidelberg Jura studiert. 1696 trat er in die Dienste des kurmainzlichen Bischofs. In Wetzlar heiratete er 1691 Euphrasia (1658 bis 1730). Tätig war er als Landrichter im kurpfälzischen Amt Kemnath-Waldeck. Er war außerdem Reichstagsdirektor und Gesandter des Erzbischofs von Mainz beim immerwährenden Reichstag zu Regensburg.

Mit der Stiftung der Nepomuk-Kirche ist eine traurige Geschichte verbunden. So setzte er mit dem Ausbau "den letzten Wunsch seiner geliebten, schwer kranken Frau Euphrasia", eine große Verehrerin des Brückenheiligen, um, nachdem sie 1730 verstarb. Am 11. Mai 1735 wurde das Kirchlein durch den Regensburger Weihbischof Gottfried Langwerth von Simmern zusammen mit den Franziskanern aus Kemnath eingeweiht.

Otten konnte den Ausbau selbst nicht mehr durchführen, er verstarb 1737 in Regensburg. Die Baumaßnahme hatte sein Sohn Philipp Carl, Nachfolger als Landrichter in Kemnath-Waldeck, übernommen. Bereits 1738 traf er erste Vorbereitungen für die Erweiterung, die Wallfahrer wurden immer mehr. Die vollständige Einrichtung der Kirche konnte aber erst 1749 abgeschlossen werden. Gegenüber entstanden ein Haus für den Pfarrer und eine Wohnung für den Mesner. Um die Wallfahrten zur neuen Kirche zu fördern, gründete Philipp Carl 1750 mit Genehmigung des Bischofs in Regensburg eine "Johann-Nepomuk-Bruderschaft". 36 Bruderschaften gab es einst in Bayern.

Bereits beim Eintritt erlebt der Besucher die Kirche als ein "Schmuckstück des Rokoko", eine Saalkirche, durch ein Muldengewölbe abgeschlossen. Das Gewölbe wird durch reichlich Stuck auf weißen Grund fantasievoll überzogen mit Blumenranken und Bandwerk.

Der Hochaltar mit seinem Rentabel von gewundenen Säulen lässt ihn in die Nähe eines Akanthusaltar rücken. Sein Dekor besteht aus Muschelkalk und vergoldete Akkanthus-Ranken. Mitten drin ist die lebensgroße Statue des Kirchenpatrons Johannes von Nepomuk mit seinen Attributen: Kreuz, Märtyrer-Palme und Kranz. Ernst, fast feierlich blickt er auf die Besucher. Daneben befinden sich zwei Figuren: der Apostel Petrus, ausgestattet mit Bibel und Himmelsschlüssel, sowie Paul, mit Bibel und Schwert.

Der rechte Seitenaltar zeigt als Altarbild aus dem 19. Jahrhundert die Heilige Anna mit ihrer Tochter Maria in einem prächtigen Rokokorahmen. Darunter ein weiterer Rahmen mit dem Bildnis " Maria vom Trost". Im oberen Teil des Altars ist ein Bild des Heiligen Francisco de Xavier. Die Seitenfiguren stellen den Heiligen Augustinus und dessen Mutter, die Heilige Monika, dar. Der linke Seitenaltar ist ein sogenannter Kreuzaltar mit der Darstellung des Leidens Christi. Anstelle eines Tabernakels befindet sich in einem Glasschrein die Figur des Heilandes an der Geiselsäule, die im 18. Jahrhundert sehr verehrt wurde. Die kraftvoll, in der Komposition ausgewogen gemalten Deckengemälde im "Asam-Stil" stammen von dem Regensburger Maler Otto Gebhard. Gezeigt wird im Chorraum der böhmische Heilige "in der Glorie". Im Schiff die Verurteilung des standhaften Priesters durch König Wenzel, vier weitere Rundbilder berichten über die Beichte der Königin Johanna, Martyrium und Auffindung des Toten an der Moldau in der Nähe des Agnes-Klosters.

Wenn die vier Glocken von St. Nepomuk in Waldeck läuten, dann erfolgt das in fein abgestimmter Harmonie mit der Glocke der St.-Ägidius-Kapelle auf dem Schlossberg. Im Februar 2018 schloss die Stadt Kemnath, zu der auch Waldeck gehört, eine Städtepartnerschaft mit der tschechischen Stadt Nepomuk. Die dem Heiligen gewidmete barocke Kirche entstand 1736 unter Leitung von Kilian Ignaz Dientzenhofer.

Wer die Kirche nur von außen sieht, ahnt nicht, wie prächtig geschmückt ihr Innenraum ist.
Der Blick nach oben lohnt.

Mehr zum Heiligen Nepomuk:

Oberpfalz
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.