30.12.2020 - 11:48 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Kontaktloses Sternsingen im Lockdown

Wegen der Coronakrise müssen die Waldecker Sternsinger dieses Mal zu Hause bleiben. Auf den Segen braucht trotzdem keiner verzichten. Spenden können direkt im Pfarramt oder auch online abgegeben werden.

von Christa VoglProfil

Im Pfarrhaus in Waldeck befindet sich im Erdgeschoss ein Versammlungsraum. Und dort, gleich hinter der Eingangstür, steht ein großer mehrteiliger Kleiderschrank. Kaum einer der Besucher nimmt von ihm Notiz und kaum einer weiß, was er in seinem Inneren verbirgt. Doch jedes Jahr zur Adventszeit öffnet Luise Konrad den Schrank und holt behutsam die Schätze heraus, die darin eng aneinander gepresst die vergangenen zehn Monate verbracht haben: Kleider in kräftigen Farben, Beduinentücher, Umhänge mit aufwändigen Schärpen und Kordeln, prächtige Kopfbedeckungen, Königskronen, Turbane mit goldenen Borten. Es sind die Gewänder der Heiligen Drei Könige, der Sternsinger. Doch anders als die Jahre zuvor bleibt dieses Jahr der Schrank verschlossen.

„Dieses Jahr ist alles anders“, sagt Luise Konrad, die seit fast 24 Jahren in Waldeck als Pfarrhaushälterin tätig ist, und in ihre Stimme mischt sich leises Bedauern, als sie hinzufügt: „Die Sternsinger-Aktion fällt heuer aus.“ Also zumindest so, wie sie traditionell in den vergangenen Jahrzehnte in der Pfarrei abgelaufen ist: keine vorweihnachtliche Lied- und Gewänderprobe, kein Schminken der Ministranten am Morgen des 6. Januars, kein Einkleiden, kein Kindergelächter im Pfarrheim, kein farbenprächtiges Gruppenfoto, kein gemeinsamer Einzug der Sternsinger in die Kirche, keine feierliche Aussendung nach dem Gottesdienst. Und somit auch keine Spenden.

„Dieses Jahr ist alles anders.“

Luise Konrad

Denn die Sternsinger gehen nicht nur in die Häuser und Wohnungen, um den Segen an die Türen zu schreiben oder um die Botschaft von Jesu Geburt zu den Menschen zu bringen, sondern auch, um Spenden zu sammeln. Bei der Aktion Dreikönigssingen 2020 kamen in Deutschland immerhin 49 Millionen Euro an Spenden zusammen, das Bistum Regensburg konnte dabei ein Sammelergebnis von 2,2 Millionen Euro vorweisen. Organisiert wird diese „Aktion Dreikönigssingen“ vom Kindermissionswerk "Die Sternsinger". Es unterstützt nach eigenen Angaben mehr als 1000 Projekte für Not leidende Kinder in über 100 Ländern. Neben Projekten gegen Kinderarbeit werden mit den Spenden aber auch Programme zum Thema Umwelt, Bildung, Kinderrechte, Gesundheit und Flucht gefördert.

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Damit diese Spenden durch den fehlenden Besuch der Sternsinger an der Haustür nicht völlig wegbrechen, sind die Pfarreien aufgerufen, kreativ zu werden. Die Rede ist von „kontaktlosem Sternsingen“. In ihrer Pfarrei in Waldeck, so erklärt Luise Konrad, werde zum Beispiel ein Segenspaket mit Aufkleber und einer Spendentüte versendet, die man dann im Pfarramt abgeben oder einwerfen könne. Wahrscheinlich werde dadurch zwar nicht so viel Geld wie in den Vorjahren „zusammenkommen“, befürchtet die 45-Jährige, „aber besser als nichts“. Das Kindermissionswerk schlägt auf seiner Internetseite außer dem Segenspaket auch digitale Spendenaktionen, digitale Sternsingerbesuche, einen Online-Segen oder auch ganz einfach das Aufstellen von Spendendosen beim Bäcker oder in Supermärkten vor.

Der Kleiderschrank im Waldecker Pfarrhaus mit den prunkvollen Gewändern der Sterndeuter, der Weisen und der Könige jedenfalls bleibt dieses Jahr verschlossen. Auf den Straßen werden keine fröhlichen Sternsingergruppen unterwegs sein.

Hintergrund:

Spenden, Segen, Hilfswerk

Spenden können auf das Konto Pax-Bank eG, IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31, BIC: GENODED1PAX einbezahlt werden.

  • Spenden können auf das Konto Pax-Bank eG, IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31, BIC: GENODED1PAX einbezahlt werden.
  • Der Segen "20*C+M+B+20", den die Könige mit Kreide an die Haustür schreiben, steht nicht für die Namen der Könige "Caspar, Melchior und Balthasar". Das ist die lateinische Abkürzung für "Christus mansionem benedicat", was auf Deutsch "Christus segne dieses Haus" heißt.
  • Der Stern steht für den Stern von Bethlehem, dem die Sterndeuter auf dem Weg zur Krippe gefolgt sind.
    Die drei Kreuze sind Zeichen für den Segen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die Zahlen zeigen das jeweilige Jahr an.
  • Die Gründung des Kindermissionswerks: Am 2. Februar 1846 wurde das Hilfswerk in Aachen gegründet. Den Anstoß gab den Angaben zufolge Auguste von Sartorius, ein 15-jähriges Mädchen, das von der Not der Kinder in China erfahren hatte. Unter dem damaligen Namen «Verein der heiligen Kindheit» nahm demnach die Hilfe für Mädchen und Jungen in aller Welt unter dem Leitgedanken «Kinder helfen Kindern!» ihren Anfang. Im Januar 1959 fand die erste überregionale Aktion Dreikönigssingen offiziell statt. Wegen Corona entfallen 2021 die Besuche von Haus zu Haus.
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