08.07.2020 - 21:23 Uhr
WaidhausOberpfalz

Waidhauser Kindergarten sucht Konzept

Was tun, wenn trotz millionenschwerer Erweiterung bereits heute feststeht: Wenn alles fertig ist, reicht der Platz wieder nicht. Der Kindergarten in Waidhaus braucht ein langfristiges Konzept.

Auf dem Spielgelände des Kindergartens bleibt vorerst alles wie es ist. Ein Anrücken der Baumaschinen ist ebenso ungewiss, wie die künftige Aufstellung der Einrichtung.
von Josef ForsterProfil

Nun gilt es, eine dauerhaftere und für alle Beteiligten verträgliche Lösung zu suchen. Gemeinsam sehen die katholische Kirchenstiftung, Pfarrer Georg Hartl und die Gemeinde das Wohl der Kinder an oberster Stelle. Auch der Zukunft des Personals gilt das Augenmerk, für das gleichfalls eine gute Lösung gefunden werden soll. Wie konnte es soweit kommen?

Architekt Rudolf Meißner aus Waldthurn hatte eine aktuelle Kostenberechnung für den geplanten Anbau der beiden Krippengruppen an die Kindertagesstätte (KiTa) "Sankt Emmeram" vorgelegt. Inzwischen liegt die Kostenberechnung bei 1,5 Millionen Euro Gesamtkosten. Davon sind aber nur rund 1 Million Euro zuwendungsfähig, woraus sich die Zuschüsse von Regierung und Diözese berechnen.

Bürgermeister Markus Bauriedl informierte den Marktrat in der Sitzung am Montagabend sofort über die aktuelle Entwicklung. Als Grund für die Kostensteigerung nannte Bauriedl die Einarbeitung des Brandschutzkonzeptes und die neuesten Änderungsvorgaben der fachpädagogischen Abteilung beim Jugendamt Neustadt/WN sowie durch die Regierung der Oberpfalz.

Zu viele Anmeldungen

Freilich gesellte sich auch noch ein völlig neuer Aspekt hinzu: Die Anmeldezahlen für das kommende Kindergartenjahr zeigen sich als dermaßen hoch, dass die KiTa überbelegt ist. Die bereits beschlossene Auslagerung in das Schulgebäude ist unabwendbar. Bis dahin schien es, als ließen sich die neuen Probleme irgendwie lösen. Dann aber wurde der Bürgermeister sehr deutlich: "Die Diözese Regensburg betreibt grundsätzlich nur Kindertagesstätten mit maximal 4 Gruppen. Ab September 2021 sind es in Waidhaus aber 5 Gruppen." Nach zusätzlichem Personal werde händeringend gesucht. Sonst können auch keine Kinder ausgelagert werden. Die Diözese habe aber nur für die Bauzeit von maximal zwei Jahren eine Übergangslösung mündlich genehmigt. Länger darf laut Bauriedl die KiTa auf keinen Fall mit 5 Gruppen betrieben werden. Die Aufnahme weiterer Kinder oder Zuzüge und der Wechsel zwischen Krippe und Regelgruppe während des Jahres ist nicht möglich. "Es wird eine Warteliste geben, der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz kann nicht erfüllt werden."

Ausbau Waidhauser Kita unbedingt nötig

Waidhaus

Nur als schwachen Trost merkte Bauriedl an, dass es in den umliegenden Gemeinden ähnlich problematisch ist. Die Ursache liegt bei den Geburtenzahlen der letzten Jahre. Daraus geht hervor, dass in absehbarer Zeit in Waidhaus jedes Jahr rund 20 Kinder geboren werden. Es dürfen nach dem Anbau in zwei Krippengruppen 26 Kinder betreut werden. Die Betriebserlaubnis sieht in den Regelgruppen eine Belegung von höchstens 54 Kindern vor. Das sind insgesamt 80 Kinder für Krippe und Regelgruppe.

An dieser Stelle seines grundlegenden Vorgangs rechnete Bauriedl nach: "Wenn man die Geburtenzahlen von 2015 bis einschließlich 2019 addiert, sind dies schon 92 Kinder. Damit ist die KiTa um 12 Kinder überbelegt. Im Jahr 2020 sind bis jetzt 15 Kinder geboren und es werden im zweiten Halbjahr mindestens noch 6 erwartet. Damit ist die Kita wieder überbelegt, da mindestens 21 geboren werden und nur 16 Kinder in die Schule kommen." In den Zahlen sei weder ein mögliches Inklusionskind berücksichtigt, noch ein eventueller Zuzug. "Demnach ist die Waidhauser KiTa insgesamt, auch nach dem Anbau der zwei Krippengruppen und der Auslagerung der Schulkindbetreuung, für die Zukunft zu klein."

Darüber hinaus ist die Auslagerung in die Schule langfristig nicht machbar, da auch die Schülerzahlen wieder steigen: "Wir kommen wieder automatisch von Kombiklassen weg und werden normale Klassen haben." Bauriedl gibt zu Bedenken, dass die Diözese langfristig die Waidhauser KiTa mit diesen Kinderzahlen nicht mehr betreiben wird. "Damit fällt die Kinderbetreuung als Pflichtaufgabe der Gemeinde zu." Gespräche zu einer eventuellen Ablöse sind mit der katholischen Kirche und mit möglichen Trägern bereits gestartet. Bauriedl empfahl den Markträten in Absprache mit der Gemeindeverwaltung vorerst, eine Vereinbarung mit der katholischen Kirchenstiftung für die Erweiterung zurückzustellen.

Langzeitkonzept für 15 Jahre

Zweiter Bürgermeister Josef Schmucker sagte: "Die Gemeinde hat jetzt ganz andere Probleme - mit einem zu erwartenden Minus durch die Corona-Krise." Dennoch sei er sicher, dass die KiTa einmal der Gemeinde zufalle. Er forderte ein Gesamtkonzept für die nächsten 15 Jahre. Zu der von Ewald Zetzl (CSU) vorgeschlagenen Erweiterung durch ein Aufstocken des Kindergartens bestätigte Bauriedl: "Das werden wir in die weitere Planung integrieren." Auf Manfred Schneiders (SPD) Bedenken wegen einer Übergangsphase beruhigte der Bürgermeister: "Wir können im September starten." Alle angemeldeten Kinder würden auch untergebracht. Ein kleiner Überhang werde geduldet. Das nächste Kindergartenjahr sei also gesichert.

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