14.05.2021 - 14:56 Uhr
VorbachOberpfalz

Gemeinderat Vorbach: Funkloch Oberbibrach soll beseitigt werden

Die Planungen für den Bau eines Mobilfunkmastes bei Oberbibrach befeuern im Gemeinderat das Thema der elektromagnetischen Strahlung von Funkmasten und Mobiltelefonen

Auf der Suche nach einem Funkmast-Standort für Oberbibrach fand sich für den Gemeinderat und die Projektanten ein guter Platz zirka 400 Meter nord-westlich des Ortsrandes in der Nähe dr Radwegverbindung Oberbibrach-Vorbach und der Kreisstraße (unser Bild)
von Robert DotzauerProfil

Laut einer Umfrage ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung überzeugt, dass Mobilfunk gesundheitsschädlich ist. Der Strahlung von Handys und Sendemasten werden die unterschiedlichsten Wirkungen auf die Gesundheit nachgesagt – von Kopfschmerzen und Herzrasen über Tinnitus bis hin zu Schlafstörungen und Krebs. Aber macht Mobilfunk wirklich krank? Jörg Räbel, Projektmanager der Firma "whitespot", im Auftrag der Telekom tätig, bestreitet diese Behauptung energisch. In der Gemeinderatssitzung im großen Saal des Gemeindezentrums online zugeschaltet, versuchte der Experte, die Spreu von Falschmeldungen über gesundheitliche Beeinträchtigungen vom Weizen der Vorteile zu trennen.

Weißer Fleck in Oberbibrach

Die Funkbelastung der Bevölkerung durch Sender sei im Gegensatz zum Sendeempfang am Handy äußerst gering, betonte Räbel, der zudem auf die Überwachung der Funkmastenbetreiber und der Grenzwerte der Sendeleistungen durch die Bundesnetzagentur verwies. Hintergrund der Diskussion sind die Planungen des Mobilfunkriesen Telekom, im Rahmen eines Förderprogrammes mitzuhelfen, die letzten deutschen Funklöcher zu schließen und ein deutschlandweit flächendeckendes und qualitativ hohes Mobilfunkangebot aufzubauen. Mit den sogenannten "White Spots", den weißen Flecken, will die Telekom aufräumen. Einen der noch vielen Tausend weißen Flecken entdeckte der Mobilfunkanbieter im Gebiet Oberbibrach. Im Spannungsverhältnis zwischen Gemeinde und Mobilfunkbetreiber war auch der Vorbacher Gemeinderat in einige Standortvorschläge für einen Mobilfunkmasten im Bereich Oberbibrach eingebunden.

Standort außerhalb der Ortschaft

Eine Kontaktaufnahme, die in nichtöffentlicher Sitzung des Gemeinderates in den Vorschlag der Firma „whitespot“ mündete, in der Verlängerung der Mautstraße in Oberbibrach einen Funkmast zu errichten. Mitten im Ort ein Unding, wie Bürgermeister und Rat befanden. Ein Alternativstandort war für das Gremium rasch außerhalb der Ortschaft und zirka 400 Meter vom Ortsrand entfernt in nordwestlicher Richtung in der Nähe des Radweges nach Vorbach gefunden.

Ein Kompromissstandort in exponierter Höhenlage, wie auch Räbel vorbehaltlich einer Funksimulation anmerkte. Der Projektmanager rechnet mit einer Sendeleistung von etwa 50 Watt. Die Masthöhe soll 30 bis 40 Meter betragen. Als Leistungs-Standard für das Gebiet um Oberbibrach versprach er eine 4G-Blütezeit mit LTE-Ausrichtung. Eine 5G-Technik werde es allerdings „noch nicht“ geben, stellte Räbel klar. Die 5G-Mobilfunkgeneration mit noch höheren Netzgeschwindigkeiten und Echtzeit-Kommunikationsmöglichkeiten werde auf dem flachen Land erst nach der Versorgung der Ballungszentren eingerichtet.

Bevölkerung fragen

In der folgenden Diskussion, an der sich auch Besucher der Gemeinderatssitzung beteiligten, erteilte der Experte der Mitnutzung eines künftigen Sendemastes der Deutschen Funkturm GmbH bei Haselhof eine Absage. „Für Oberbibrach ist der Sender schon zu weit entfernt“. „Bedenken“ äußerte Gabi Fraunholz. Sie habe ein ungutes Gefühl. Man solle erst Gespräche mit den Einwohnern führen, auch wenn die Möglichkeit der Einflussnahme auf das Projekt gering sei. Auch Dominik Eckert empfahl den Schulterschluss mit den Oberbibrachern. „Wir dürfen uns nicht wie Schulbuben abspeisen lassen“. Dieser Ansicht widersprach Bürgermeister Alexander Goller. „Die Gemeinde hat nur ein bedingtes Mitspracherecht“. Wenn sich der Anbieter mit einem privaten Grundstückseigentümer arrangiere, sei das rechtlich nicht zu verhindern. Goller plädierte deshalb für die im Gemeinderat bereits favorisierte Standortoption. „Dann sind wir raus aus dem Dorf“.

Telefonieren kontra Elektrosmog

Eine Lösung, die auch bei weiteren Gemeinderäten Gefallen fand. „Jeder will telefonieren und auch die Rettungsdienste brauchen die moderne Funktechnik“, mahnte Tobias Lautner. Thematisiert wurde schließlich die Strahlenbelastung. „Es gibt viele Geschichten über Elektrosmog“, gab Manfred Plößner zu bedenken um gleichzeitig festzustellen: „Wir brauchen diese Technik der Zukunft“.

Martin Kräml zeigte sich „eher skeptisch“ und wünschte sich ein Meinungsbild der Bevölkerung. In einem weiteren Debattenbeitrag hieß es aus der Zuhörerschaft: "Es funktioniert doch schon alles, warum also noch etwas verbessern?“ während Sebastian Pittner empfahl, Emotionen herauszunehmen und in die Bürgerschaft hineinzuhorchen. Umfassend informieren, debattieren und abwägen hieß es in weiteren Diskussionsbeiträgen, schriftlich untermauert von der FWG-Fraktion.

Eine Abwägung, die der Bürgermeister bereits mit der erfolgreichen Suche nach einem besser geeigneten Mast-Standort als erfüllt sah. „Wir haben im Gemeinderat für diesen Standort weg von der Ortschaft erfolgreich gerungen“, bilanzierte Goller und Vizebürgermeisterin Irmi Bauer urteilte: „Ein besseren Platz gibt es nicht“. Gleichzeitig warnte sie vor einer Verhinderungstaktik. Eine gute Netzverbindung sei für künftige berufliche und gesellschaftliche Herausforderungen unabdingbar. Zudem trage die gute Sendeleistung eines Funkmastes dazu bei, die Handy- und Smartphonestrahlung zu verringern.

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