19.07.2021 - 11:28 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Stadtpfarrer Dieter Schinke verabschiedet sich in den hohen Norden

Wenn die Liebe den Lebensweg kreuzt, kommt es oft anders als man denkt. Wegen dieser Liebe verlässt nun der evangelische Stadtpfarrer Dieter Schinke das Bayernland und zieht zum Ruhestand mit viel Optimismus nach Oldenburg.

Noch ein letztes coronaconformes Armdrücken zum Abschied.
von Elisabeth DobmayerProfil

Als am Sonntagnachmittag in der evangelischen Stadtkirche mächtig Felix Mendelssohn Bartholdy`s „Allegro maestoso e vivace“ aus der Orgelsonate c-Moll mit Anna-Magdalena Bukreev erklingt, wissen die Gottesdienstteilnehmer, dass nun endgültig der Abschied ihres beliebten Stadtpfarrers Dieter Schinke naht. Die Kirchengemeindemitglieder hätten ihn gerne behalten, den sympathischen, zurückhaltenden und den Menschen zugewandten Begleiter in allen Lebenslagen.

Doch Dieter Schinke will sich nun mit dem Eintritt in den Ruhestand optimistisch einem neuen Lebensabschnitt widmen. Er ist jedenfalls nach eigenem Bekunden schon sehr gespannt und freut sich auf die bevorstehende Zeit im hohen Norden. Er wird das Bayernland in Richtung Oldenburg verlassen und hoffentlich mit seiner Lebensgefährtin Anja Mundt noch viele gemeinsame Jahre verbringen.

Viele Leute ans Herz gewachsen

Genauso wie auf dem Foto des aufgelegten Programms, auf dem sich ein älterer Herr schwungvoll am Spazierstock bewegt, stelle er sich sein Alter in zehn Jahren in der norddeutschen Ebene beim Spaziergang vor oder wenn er noch das Reststück des Jakobswegs zurücklegt. Viele Leute in Vohenstrauß sind ihm in den vergangenen knapp vier Jahren ans Herz gewachsen. Dieser Gottesdienst läute nun einen für ihn besonderen Lebensabschnitt ein. Er halte es mit dem bekannten Schlager „Mit 66 Jahren da fängt das Leben an“, denn man sei nie zu alt für Aufbrüche. Aufbruch bedeute aber immer auch Abschied von Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind. Auch wenn er nun nach Norddeutschland ziehe, werde er die Menschen hier nicht aus den Augen verlieren und sicher Kontakte pflegen, versprach der Pfarrer.

Aller Anfang

Er sprach von einem Segen, dass bei seinem Ankommen das Pfarrhaus noch nicht renoviert war und er Not gedrungen in eine Wohnung zu Gertie und Fritz Münchmeier in die Bahnhofstraße einzog. Dadurch fiel ihm der Start leicht. Die Kirchengemeinde Vohenstrauß sei eine große Diaspora mit vielen schönen Orten. Trotz der Corona-Pandemie sei es gelungen, Kontakt zu den Menschen zu halten. „Danke, dass sie mich mit offenen Armen empfangen haben.“

„Ich war gerne hier in Vohenstrauß und habe mein Leben mit ihnen geteilt.“ Dekan Thomas Guba überreichte Pfarrer Schinke die Entlassurkunde, die von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm unterzeichnet war. Dekan Alexander Hösl von der katholischen Pfarrgemeinde habe seinen evangelischen Mitbruder bei vielen gemeinsamen Unternehmungen schätzen gelernt. „Ab dem ersten Tag habe ich gemerkt, mit wie viel Empathie Sie den Menschen gegenübertreten, wie Sie zuhören können und vor allem wie Sie Wegbegleiter sein können. Deshalb sind Sie mir in gewisser Weise auch zum Vorbild geworden.“

Die Stunde des Abschieds

Selbst in der Stunde des Abschieds dachte Pfarrer Schinke noch an seine Kirchengemeinde, denn er bat um Spenden für die anstehende Kirchensanierung. Ulrike Kießling und der stellvertretende Vertrauensmann Uli Münchmeier hätten sehr gerne noch weitere Projekte mit dem Pfarrer angestoßen. Aus der vormals angedachten Kirchendachsanierung entwickelte sich ein Großprojekt zur Generalsanierung. Nachdem sich gerne noch viel mehr Menschen von ihrem Pfarrer verabschiedet hätten, was aber wegen der Corona-Bestimmungen nicht möglich war, überreichten die beiden Redner einen Film mit Gemeindemitgliedern, die dort ihre Wünsche vorbrachten. Den Gottesdienst gestalteten Christina Kölbl-Hölzl und Albert Sommer musikalisch mit. Auf dem Kirchenvorplatz wurde der Pfarrer dann noch von etlichen Wegbegleitern in Empfang genommen und mit einem Ständchen des evangelischen Posaunenchors unter Leitung von Erwin Scholz beschenkt. Durch Corona und seine Verabschiedung wird Pfarrer Schinke wohl als Vorsitzender mit der kürzesten Amtszeit in der Simultankirchenverwaltung in die Geschichte eingehen.

Mehr zum Thema Glaube aus der Oberpfalz

Waldsassen

Als der Abschied von Pfarrer Schinke feststand

Vohenstrauß
Hintergrund:

Abschied von Stadtpfarrer Dieter Schinke

  • Evangelischer Stadtpfarrer Dieter Schinke, 66 Jahre
  • Ehemals persönlicher Referent des Präsidenten des Diakonischen Werks in Deutschland
  • Auslandspfarrer in Hongkong, Peking und Taipeh
  • Dienstbeginn in Vohenstrauß im Frühjahr 2018
  • Eintritt in den Ruhestand 1. September 2021
  • Generalsanierung der evangelischen Stadtkirche auf dem Weg gebracht
  • Mit dem evangelischen Hilfsverein die Entscheidung für die Containerlösung im Haus für Kinder Gottfried Sperl getroffen

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.