28.12.2020 - 16:56 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Musikinitiative Vohenstrauß will Kultur im ländlichen Raum stärken

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Die Musikinitiative Vohenstrauß möchte sich dem Verband für Popkultur in Bayern anschließen. Neben einer besseren Vernetzung können sich dadurch noch viele weitere Vorteile für die Künstler in der Region ergeben.

Die Musikinitiative Vohenstrauß (MiVoh) will sich dem Verband für Popkultur in Bayern anschließen, um unter anderem Nachwuchsbands die Möglichkeit zu bieten, aufzutreten. Heuer waren Konzerte wie hier von "Granny Is Back" im Garten der Friedrichsburg wegen Corona eine Seltenheit.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Die Musikinitiative Vohenstrauß (MiVoh) um Vorsitzenden Hannes Gilch ist seit zwölf Jahren selbst ein Netzwerk für Künstler unterschiedlicher Genres und hat sich in der Zeit einen guten Namen gemacht. Einen so guten, dass nun auch der Verband für Popkultur in Bayern anklopft. Dessen Verantwortliche "sind in Verbindung mit dem 'Sündikat' Weiden auf die MiVoh aufmerksam geworden", freut sich Gilch.

Unkomplizierte Zusammenarbeit

Der Verein "das Sündikat" gehört seit etwa vier Jahren dem Verband an und hat 2017 sogar den Preis für Popkultur im Bereich Innovation für das Projekt "Die Sünde" erhalten, informiert Lukas Höllerer. Seine Erfahrungen sind durchwegs positiv. "Die Vorteile für einen Kulturverein sind neben der generellen Vernetzung die Teilnahme an Workshops zu verschiedenen Themen oder die Förderung für Nachwuchsbands. Da ist dann schon auch mal eine Gage drin." Die Zusammenarbeit mit dem Verband ist unkompliziert, der Ton freundschaftlich.

Davon will auch die MiVoh profitieren. "Der Verband will Musikern und Kulturschaffenden helfen, sich besser zu organisieren", weiß Gilch. Dazu gehört auch die Initiative "Push", die "schon erfolgreich in Niederbayern läuft". Hauptsächlich geht es darum, junge Musiker im ländlichen Raum regional und bayernweit zu vernetzen sowie sie bei Vermarktung oder Selbstorganisation zu unterstützen. Weiter gehören unter anderem das Veranstalten von Konzerten oder Workshops dazu.

"Wir haben deutlich weniger Einnahmen als in den Vorjahren. Aber schlimmer ist das kulturelle Defizit, dass jetzt da ist."

MiVoh-Vorsitzender Hannes Gilch

"Push" soll nun auch auf die Oberpfalz ausgeweitet werden. Mit an Bord will neben MiVoh und "Sündikat" auch die "Schaltlücke" Vohenstrauß sein. Erste Gespräche und Videokonferenzen hat es schon gegeben. "Alle haben unisono betont, wie wichtig gegenseitiger Austausch für die Jugend- und Kulturszene ist – gerade während und nach Corona. Besonders durch unser Musikzentrum sind wir natürlich als Netzwerkverein eine sehr gute Adresse für Vernetzungsprojekte oder auch für Workshops, wie wir sie teilweise schon veranstaltet haben. Wir freuen uns jedenfalls auf den Start der Initiative in der Oberpfalz, sind gerne mit an Bord und offen für gemeinsame Projekte", betont Gilch.

Am Ende sollen Musiker in ganz Bayern vernetzt werden, erklärt "Push"-Beauftragter Andreas Olschar. Seine Kollegin Marion Schmid ergänzt, dass der Verband für Popkultur "die Strukturen vor Ort nutzen will, um die Dinge noch weiter voranzutreiben".

Anpacken statt Verträge ausfüllen

Ein großes Ziel auf lokaler Ebene ist daher, "die Aufmerksamkeit für die Kultur im ländlichen Raum zu steigern und das regionale Image immer weiter zu verbessern", erläutert Gilch. Außerdem hofft er, "dass die MiVoh den Bands im Netzwerk den Mehrwert weitergeben kann", den der Anschluss an den Verband mit sich bringt. Ein Mitgliedsbeitrag wird nicht fällig, der MiVoh-Chef bezeichnet das Ganze als "lose, unbürokratische Kulturförderung". Denn: "Leute, die sich engagieren, wollen anpacken statt Verträge ausfüllen."

Wann die Kooperation beginnt, steht noch nicht fest. "Aber wir könnten morgen loslegen, wenn es erlaubt wäre." Jedoch spielt Corona nicht mit. Die Pandemie trifft die MiVoh "auf zwei Ebenen: Wir haben deutlich weniger Einnahmen als in den Vorjahren. Aber schlimmer ist das kulturelle Defizit, dass jetzt da ist", bedauert Gilch.

"Livemusik geht nicht ohne Publikum"

"Die Leute haben weiter Lieder produziert, waren im Studio und haben auch Videos im Netz übertragen. Am Anfang war das alles schön und gut, aber irgendwann hat sich herausgestellt: Es geht nicht ohne soziale Elemente in der Kultur. Livemusik geht nicht ohne Bühne und Publikum", findet Gilch. Zwar muss keiner der Musiker im Netzwerk mit seiner Tätigkeit Geld verdienen. Aber es hängt noch vieles mehr daran bei der Vorbereitung für Konzerte, Gilch nennt nur das Catering als ein Beispiel. "Ich hoffe, dass viele so lange wie möglich durchhalten."

Besuch von Mathias "Säm" Wagner, Popularmusikbeauftragter des Bezirks, in Vohenstrauß

Vohenstrauß

Hilfe könnte vom Bezirk kommen. Popularmusikbeauftragter Mathias "Säm" Wagner, der vor kurzem seinen Antrittsbesuch in Vohenstrauß absolviert hatte, sagt: "Wir versuchen, die Veranstalter nächstes Jahr zu unterstützen, wo es nur geht." Über die Art und Weise sowie die Höhe möglicher Zuschüsse muss aber erst die Politik entscheiden.

Die Musikinitiative Vohenstrauß (MiVoh) will sich dem Verband für Popkultur in Bayern anschließen, um unter anderem jungen Talenten die Möglichkeit zu bieten, aufzutreten. Heuer waren Konzerte wie hier von Laura Heller im Garten der Friedrichsburg wegen Corona eine Seltenheit.
Veranstaltungen der Musikinitiative Vohenstrauß mussten 2020 corona-konform ablaufen.
Hintergrund:

Verband für Popkultur in Bayern

  • Gegründet 1989 als Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen, besser bekannt als "Rock.Büro SÜD"; Mai 2011 Umbenennung in Verband für Popkultur in Bayern
  • Seit 2003 in der Bayerischen Musikakademie in Schloss Alteglofsheim bei Regensburg angesiedelt
  • Netzwerk aus über 170 bayerischen Szeneförderern wie Veranstaltern, Clubs, Open-Airs, Musikinitiativen oder Kommunen
  • Fördermittel aus dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
  • Jahresetat von rund 530.000 Euro

Internet: www.popkultur.bayern

 

 

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