25.09.2020 - 20:54 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Kulturgenuss mit Hygiene und Abstand

Tragisch und komisch zugleich geht es auf der Bühne der Stadthalle Vohenstrauß zu: Das Landestheater Oberpfalz probt für „Cyrano de Bergerac“, der am 8. Oktober Premiere feiert. Trotz Corona soll es ein schauspielerischer Hochgenuss werden.

Der "Sicherheitsabstand" zwischen den Bühnenakteuren (von links) Johannes Lukas, Mona Fischer und Claudia Lohmann bleibt bei "Cyrano" definitiv gewahrt.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Um dies überhaupt Realität werden zu lassen, bedarf es eines klaren Hygienekonzeptes. „Hier haben wir alles getan und organisiert, was möglich ist“, verspricht Wolfgang Meidenbauer, Geschäftsführer des LTO. Der Kulturherbst, der zum zweiten Mal in Vohenstrauß stattfindet, werde sich deutlich unterscheiden von der Premiere im vergangenen Jahr. „280 Sitzplätze pro Veranstaltung hatten wir 2019, nun sind es maximal 80“, berichtet Meidenbauer.

Die Sitzreihen sind im Abstand von mindestens 1,50 Metern aufgestellt, Stühle werden es etwa 180 sein. Das heißt konkret, dass viele Plätze natürlich freibleiben, es allerdings auch einen Spielraum beim Platzieren der Zuschauer geben wird. „Denn es gibt keine Platzkarten, allen Besucher werden – je nachdem, ob sie als Gruppe, als Pärchen oder einzeln kommen – beim Betreten der Halle feste Plätze zugewiesen“, so Meidenbauer. Daran erkenne man schon, dass es eines deutlich stärkeren Personaleinsatzes bedarf als in „normalen“ Zeiten.

Das gehe aber auch schon damit los, dass man die ankommenden Besucher auch „lotse“, wie und wo sie die Halle betreten und darauf schaue, dass die Abstände eingehalten werden. Zwar gibt es auch unmissverständliche Plakate, auf denen die wichtigsten Regeln abgedruckt sind. „Aber es gibt nichts Besseres als die persönliche Ansprache“, sagt der LTO-Geschäftsführer. Das alles bedeutet einen enormen Aufwand, um auch in Corona-Zeiten Theaterunterhaltung auf die Beine zu stellen. Ergänzt wird dies noch durch die schon selbstverständlichen Desinfektionsmittelspender in hoher Anzahl, Plexiglasscheiben bei der Einlasskontrolle, zusätzliche Putzmittel und unzählige Meter Absperrband. „Der Mehraufwand lässt sich schwer in Zahlen fassen“, so Meidenbauer. Vieles, was mit Hygienemaßnahmen zusammenhänge, könne man aber auch mit entsprechenden Fördergeldern abdecken.

Die Anzahl von maximal 80 Zuschauern pro Veranstaltung löst bei Meidenbauer freilich keine absoluten Glückgefühle aus. „Die Kulturbranche läuft aber Gefahr, dass sie versandet, wenn nichts angeboten wird“, betont der LTO-Geschäftsführer. Es sei schon so, dass es sich in den vergangenen Monaten viele zu Hause auch „eingerichtet“ hätten und erst wieder motiviert werden müssen, über einen Theaterbesuch wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. „Ich bin ganz ehrlich: Bis Mitte November haben wir 25 Veranstaltungen, aktuell ist etwa ein Viertel der Tickets gebucht“, so Meidenbauer.

„Cyrano de Bergerac“, das Schauspiel von Edmond Rostand, in einer Bearbeitung von Jo Roets und Greet Vissers, wird von Till Rickelt in Szene gesetzt. Auf der Bühne stehen maximal vier Personen. „Cyrano ist ein sprachmächtiges Stück“, betont der Regisseur. Man komme sich dabei über Worte nahe, das Agieren miteinander funktioniere bei diesem Stück auch über Distanz. Und dennoch, betont Rickelt, sei es schon eine spannende und etwas seltsame Zeit, um Theater zu machen. „Man lernt aber auch, mit den Hürden umzugehen“, sagt der Regisseur.

Auch für die vier Akteure auf der Bühne – Claudia Lohmann, Mona Fischer, Johannes Lukas und Ole Bosse – ist es eine ungewohnte Situation. „Aber es ist schön, dass wir überhaupt wieder spielen können“, so Lukas. Man arrangiere sich mit den geltenden Abstands- und Hygieneregeln. „Und man hofft, dass die Premiere dann auch wirklich stattfindet“, sagt Lohmann. Allen Mitwirkenden sei bewusst, dass man in gewisser Weise „auf Sicht“ fahre und eben noch nicht wisse, wie sich das Infektionsgeschehen und die daraus möglicherweise resultierenden Einschränkungen weiterentwickle. Für LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer gilt jedenfalls eine klare Maxime: „Ich würde keine Veranstaltung durchführen, zu der ich nicht selbst guten Gewissens hingehen würde!“

LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer an der "Hygieneschleuse" im Eingangsbereich der Stadthalle Vohenstrauß
Info:

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Karten und Termine beim NT/AZ/SRZ- Ticketservice unter 0961/85-550, 09621/306-230, 09661/87290 sowie unter www.nt-ticket.de; Weitere Infos: www.landestheater-oberpfalz.de

Regisseur Till Rickelt: "Cyrano funktioniert über die Macht der Sprache" .
Sollte tatsächlich jemand seinen Mund-Nasen-Schutz vergessen: Das LTO hat vorgesorgt.
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