25.04.2021 - 09:06 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Jungen Musikern fehlen die Bühnen

Junge Musiker in der Nordoberpfalz eint ein großes Problem: Es fehlen allerorts Auftrittsmöglichkeiten. Das soll sich ändern durch den Aufbau einer jungen Musikszene in der Region mit Hilfe des Verbandes für Popkultur in Bayern.

Junge Musiker in der Nordoberpfalz haben in erster Linie ein Problem: fehlende Auftrittsmöglichkeiten. Und das hat rein gar nichts mit Corona zu tun.
von Gabi EichlProfil

Ein erstes offenes Treffen per Videoschalte bringt genau das Problem auf den Punkt, das Hannes Gilch, Vorsitzender der Musikinitiative Vohenstrauß (MiVoh), vorausgesehen hat: Auf dem Land fehlen nicht die Übungsräume, sondern die Bühnen.

Die MiVoh ist seit geraumer Zeit im Gespräch mit dem Verband für Popkultur. Jetzt werden die Pläne konkret. Der Verband für Popkultur geht wie berichtet erstmals in die Provinz, um auch hier eine Musikszene aufzubauen. Die MiVoh, ein Netzwerk im Kleinen, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Corona: Aus wenig wird nichts

Andy Olschar, beim Verband für Popkultur zuständig für das Projekt „Push“, das junge und ganz junge Musiker fördern und vernetzen will, spricht gegenüber Oberpfalz-Medien auch von der Not der Musiker und Musikerinnen, in Corona-Zeiten nicht nur wenig Auftrittsmöglichkeiten in ihrer ländlichen Gegend zu haben, sondern schlicht gar keine. Und er spricht davon, was das mit den jungen Leuten und deren Leidenschaft für ihre Musik macht.

Mathias „Säm“ Wagner, Popularmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz, ergänzt, es habe sich ganz deutlich gezeigt, dass nicht die Pandemie das große Problem sei, sondern die genannten fehlenden Auftrittsmöglichkeiten. Es sei bei diesem Treffen auffallend wenig über Corona gesprochen worden. Trotzdem macht Corona den Bands und Musikern zu schaffen, daran lassen die Teilnehmer keinen Zweifel.

Live im Friedrich auch 2021

Vohenstrauß

Großes Potential in der Region

Olschar sagt, es zeige sich, dass es großes Potential in der Region gebe. Umso wichtiger sei es, diesem Raum und Stimme zu verschaffen, die Akteure miteinander zu vernetzen. Dies ganz besonders, wenn es bereits Strukturen und Vereine wie die MiVoh gebe.

Musik als Selbstverständlichkeit

Julian Moffitt appelliert, es müsse auch in den kleinen und mittelgroßen Städten Alltag werden wie in den großen, dass es Orte gebe, an denen „immer Musik ist“.

Wagner betont, dass es wichtig sei, kleine Räume für Auftritte zu haben. Die großen Hallen der Städte und Gemeinden seien zunächst nicht geeignet, um diese Form von Kultur ins Rollen zu bringen. Zur Sprache kommen an der Stelle auch die vielen Leerstände in den Städten, zum Beispiel auch in Vohenstrauß, wie Andreas Teichner sagt. Natürlich sei klar, dass man nicht einfach irgendwo ein Konzert geben könne, es sei freilich immer Rücksicht auf die Umgebung zu nehmen. Aber bisweilen seien ganz einfache Gegebenheiten schon ausreichend.

"Steht und fällt mit der Politik"

Einig sind sich die Teilnehmer dieser Runde, dass es „steht und fällt mit der Politik“. Wenn die politischen Entscheidungsträger nicht hinter dem Anliegen stünden, helfe alles nichts. Wagner sagt: „Wenn ein Bürgermeister da ist, der sagt, er will das, dann funktioniert es.“ Im Umkehrschluss heißt das: Wenn ein solcher Bürgermeister fehlt, funktioniert es nicht.

Christoph Gollwitzer bringt das Jugendzentrum (JUZ) in Weiden ins Spiel. Und er bittet, dieses als Veranstaltungsort nicht zu vergessen.

Hannes Gilch: keine Klagerunde

Hannes Gilch will diese erste Runde verstanden wissen nicht als eine Runde, die nur geklagt habe über das, was fehle, was die Pandemie alles verhindere, sondern eine, die konstruktiv überlegt habe, mit welchen Forderungen man nach draußen gehen wolle.

Hintergrund:

Musikinitiative Vohenstrauß (MiVoh)

Die MiVoh ist ein gemeinnütziger, eingetragener Verein, der ausschließlich ehrenamtlich arbeitet. Er betreibt kein Musikensemble und gibt keinen Musikunterricht, sondern versteht sich als Netzwerkverein. Zweck des Vereins ist die Förderung von Nachwuchsmusikern, Bands und Ensembles, die Ausbildung und Pflege eines musikalischen Netzwerks sowie die Bereicherung der kulturellen Vielfalt in Vohenstrauß und Umgebung.

  • Gründung im November 2008
  • 72 Mitglieder
  • 6 Vorstandsmitglieder
  • Vorstand auf 2 Jahre gewählt
  • 54 Prozent der Mitglieder kommen aus Vohenstrauß
  • 5 Musikgruppen, die im Musikzentrum Vohenstrauß proben
  • 28 Auftrittsmöglichkeiten geschaffen in 2019
  • 4 mal ausgezeichnet

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.