13.07.2021 - 14:50 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Bayern weiß nichts über Franco A.s Schießübungen in Vohenstrauß

Beim Prozess gegen den unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehr-Offizier Franco A. geht es auch um dessen Verbindungen in die Oberpfalz. Bayerische Behörden wissen nichts über seine Schießübungen in der Region. Dabei waren sie illegal.

Der Angeklagte Franco A. spricht im Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts Frankfurt mit seinen Verteidigern.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der Schießstand des Schützenvereins in Vohenstrauß (Kreis Neustadt/WN) ist nur für bestimmte Waffen zugelassen. Das Sturmgewehr G3 gehört nicht dazu. Dennoch hat der als Rechtsterrorist angeklagte Oberleutnant Franco A. mit einer Waffe dieses Typs dort geschossen. Von einer entsprechenden Zeugenaussage berichtete ein Beamter des Bundeskriminalamts vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt.

Der Oberleutnant muss sich vor dem Oberlandesgericht unter anderem wegen der Vorbereitung eine schweren staatsgefährdenden Straftat verantworten. Was er bestreitet. Seine Verhaftung im Februar 2017 hatte ein Beben ausgelöst, in der Bundeswehr und auch in Vohenstrauß. Denn im Zuge der Ermittlungen waren seine Besuche auf dem Schießstand der Schützengesellschaft 1565 e.V. bekannt geworden.

Für weiteren Waffenhändler aus Oberpfalz interessiert

Laut den Berichten der Prozessbeobachtern von NSU-Watch hat der Angeklagte bisher nicht erklärt, wozu die Schießübungen in Vohenstrauß gedient haben. Die Beobachter der Initiative sind bei jedem Verhandlungstermin in Frankfurt im Gerichtssaal. Anschließend veröffentlichen sie auf der Seite von NSU-Watch im Internet Berichte zu den jeweiligen Verhandlungstagen.

Daraus geht hervor, dass Franco A. vor fünf Jahren nicht nur Kontakt zu einem Waffenhändler in Vohenstrauß gesucht hat, sondern sich auch für die Produkte eines weiteren Waffenhändlers aus der Oberpfalz interessiert hat. Davon berichtet laut NSU-Watch der Beamte des Bundeskriminalamtes. Der Waffenhändler aus Vohenstrauß und der heute 32-jährige Soldat hätten sich in einem Chat über Waffenteile des anderen Händlers unterhalten. Dabei fiel auch dessen Name. Darauf angesprochen, sagte der betroffene Händler aus der westlichen Oberpfalz zu Oberpfalz-Medien, davon habe er noch nie gehört. Er habe keinen Kontakt zu Franco A. gehabt, dieser sei kein Kunde.

Kauf eines Zielfernrohrs

Dagegen hatte der Angeklagte zeitweise engen Kontakt zum Vohenstraußer Waffenhändler. Über diese Kontakte berichtete der Mann von sich aus den Sicherheitsbehörden. Der Händler sei zur Polizei gegangen und habe angegeben, dass Franco A "in seinem Waffengeschäft gewesen sei, um eine Montageschiene für ein Zielfernrohr für ein Gewehr G3 zu kaufen“, zitiert NSU-Watch die Aussage des BKA-Beamten. Der Angeklagte habe bar bezahlt und habe nicht auf der Rechnung auftauchen wollen. Franco A. sprach im Gerichtsaal vom Kauf eines Zielfernrohrs, wie es für Softair-Waffen genutzt werde. Er habe 200 Euro bezahlt.

Im Prozess kamen auch die Schießübungen des Angeklagten in Vohenstrauß zur Sprache. Demnach habe Franco A. am 26. Juli 2016 im Schützenhaus mit einem Sturmgewehr G3 und einer Pistole 7,65mm Browning geschossen. Das von Heckler und Koch hergestellte G3 war über Jahrzehnte die Standradwaffe der Bundeswehr. Zu den Schießübungen habe der Angeklagte Waffen und Munition selbst mitgebracht, berichtete der BKA-Mann. Der Geschäftspartner des Händlers habe dies bestätigt.

Schießübung mit G3 in Schützenhaus illegal

"Den bayerischen Sicherheitsbehörden liegen keine Erkenntnisse über Schießübungen von Franco A. mit einem Sturmgewehr G3 im Schützenhaus Vohenstrauß vor", teilte das Innenministerium in München Ende Juni auf eine Anfrage der Landtagsfraktion der Grünen mit. Zugleich betont das Ministerium in seiner Antwort, dass die Schießstätte der Schützengesellschaft 1565 e.V. Vohenstrauß für "das Schießen mit Repetiergewehren und halbautomatischen Gewehren mit einer maximalen Bewegungsenergie der Projektile von 7000 Joule bei einer Schießentfernung von 50 Metern zugelassen ist. Das G3-Sturmgewehr ist ein vollautomatisches Gewehr, das dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegt. Schießübungen mit diesem Gewehr im Schützenhaus von Vohenstrauß wären illegal."

Der Verbleib des Sturmgewehrs G3 ist weiter unklar. Laut dem Bericht von NSU-Watch räumte Franco A. am fünften Verhandlungstag den „zeitlich begrenzten Besitz“ eines Sturmgewehrs G3, eines Gewehrs des Herstellers Landmann-Preetz und einer weiteren Pistole vom Kaliber 7,65 Millimeter Browning ein. Die Waffen habe er nicht beim Vohenstraußer Händler erworben. Später habe er sich der Waffen entledigt, die nicht bei ihm gefunden worden seien. Wo sagte er bislang nicht. Offen ist weiter, warum Franco A. auf den Vohenstraußer Händler aufmerksam geworden war. Möglicherweise lag es an dessen Sortiment.

Mitglied der Chatgruppe Süd von "Hannibal"

Der Angeklagte hatte laut Aussage des BKA-Beamten dem Betreiber des Telegram-Kanals „Gruppe Süd“ sogar empfohlen den Waffenhändler in die Chatgruppe aufzunehmen. Die Ermittlungsbehörden waren nach Auswertung des Mobiltelefons von Franco A. auf die von „Hannibal“ geleitete Chatgruppe gestoßen. Der inzwischen aus der Bundeswehr ausgeschiedene KSK-Soldat André S. ist Gründer des Vereins Uniter. Er stand im Zentrum verschiedener Chats in denen sich Extremisten auf einen vermeintlichen „Tag X“ vorbereiteten, etwa das angebliche Überrennen des Landes durch Geflüchtete.

Der Angeklagte war Teil dieses Netzes. Er war im Februar 2017 auf dem Flughafen Wien-Schwechat festgenommen worden, als versucht hatte er eine Pistole aus einem Versteck zu holen. In der Folge war unter anderem sein Versteckspiel als vermeintlicher syrischer Asylbewerber bekannt geworden. Franco A. räumte vor Gericht ein, unter falschem Namen einen Asylantrag gestellt zu haben. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Soldaten vor, sich die falsche Identität zugelegt zu haben, um die geplanten Anschläge als Terrorakte eines Asylbewerbers darzustellen – und so das Vertrauen in die Asylpolitik zu erschüttern. Franco A. gab dagegen an, er habe Missstände aufdecken wollen.

Darum geht es beim Prozess

Vohenstrauß

Das G3-Sturmgewehr ist ein vollautomatisches Gewehr, das dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegt. Schießübungen mit diesem Gewehr im Schützenhaus von Vohenstrauß wären illegal.

Bayerisches Staatsministerium des Innern auf eine Anfrage der Grünen zum Fall Franco A.

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