27.11.2020 - 09:45 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Bauausschuss in Vohenstrauß gegen Stützmauer für therapeutischen Garten

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Zwei Ergotherapeutinnen wollen in ihrer neu errichteten Praxis in Vohenstrauß mit Hilfe einer Stützmauer auch den Garten therapeutisch nutzen. Der Bauausschuss lehnt ihren Antrag nun aber zum zweiten Mal ab.

Um die Grünfläche hin zur Straße besser nutzen zu können, würden die beiden Ergotherapeutinnen Stephanie Beierl und Birgit Prem gern das abfallende Gelände auffüllen und eine Stützmauer mit Gartenzaun errichten. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer bietet den Antragstellerinnen stattdessen einen Streifen des angrenzenden, freien Grundstücks (im Vordergrund) zum Kauf oder zur Pacht an.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die beiden Freiberuflerinnen Stephanie Beierl und Birgit Prem würden auf ihrem großen Praxisgrundstück am Veilchenring im Baugebiet "Sommerwiesen" gern eine Stützmauer mit Gartenzaun errichten. Dazu brauchen sie aber eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans. Am Mittwoch scheiterten sie im Bauausschuss - und das bereits zum zweiten Mal. Der Tagesordnungspunkt hatte bei den sieben Ausschussmitgliedern und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer eine Grundsatzdiskussion ausgelöst. Am Ende unterstützte aber nur Michael Gösl (FDP/UW) den Plan der beiden Frauen und stimmte als Einziger gegen die Ablehnung.

Die Enttäuschung ist Beierl und Prem einen Tag später bei einer Nachfrage von Oberpfalz-Medien anzumerken. "Ich habe gedacht, wir handeln ja im Sinne der Bevölkerung, wenn wir den Antrag ein zweites Mal stellen. Wir wollen hier einfach nur gute Arbeit machen. Das hat nichts mit privaten Belangen zu tun. Es geht um unsere Patienten." Hintergrund ist, dass die beiden Ergotherapeutinnen allein für den Neubau ihrer Praxis zahlreiche bauliche Vorgaben erfüllen mussten. Barrierefreiheit, so erklärt Beierl, sei zum Beispiel ein Muss für den einwandfreien Betrieb einer Ergotherapie-Praxis.

Barfuß-Pfad und Trampolin

Ihre Patienten sollten nun auch den Garten nutzen können. "Wir wollen dort einen Barfuß-Pfad und ein Hochbeet errichten. Für die Kinder würden wir gern ein Trampolin aufstellen", erläutert Prem. Voraussetzung hierfür sei eine möglichst ebene Fläche. Das abfallende Gelände müsse also aufgefüllt und mit einer Stützmauer und einem Zaun abgesichert werden. Selbst in der kalten Jahreszeit könne man bei schönem Wetter vor allem mit kleinen Patienten den Garten durchaus nutzen. Der Zaun sei angesichts des Durchgangsverkehrs unverzichtbar.

Stützmauer-Antrag erster Versuch

Vohenstrauß

Der erste Antrag für die 94 Zentimeter hohe Stützmauer sei im September laut Prem und Beierl vom Bauausschuss mit dem Verweis auf den bestehenden Bebauungsplan abgelehnt worden. Geländeauffüllungen seien demnach nur bis zu einem halben Meter zulässig und eine Stützmauer gar nicht erlaubt. Kleintiere müssten die Grundstücke einfach passieren können.

Der Bürgermeister sah am Mittwoch keine neue Situation vorliegen. Er informierte die Ausschussmitglieder darüber, dass er den Antragstellerinnen in der Zwischenzeit den Kauf einer Teilfläche des Nachbargrundstücks angeboten habe, um mehr Platz zur Entschärfung der Hanglange zu gewinnen. Dies sei jedoch aus finanziellen Gründen abgelehnt worden. Wutzlhofer und einige Ausschussmitglieder betonten mehrmals, dass man sich trotz allen Verständnisses an den Bebauungsplan zu halten habe. Michael Gösl schlug vor, die Lage bei einem Ortstermin näher zu betrachten. Der Sitzungsleiter sah hierfür jedoch keine Notwendigkeit.

Mehrere illegale Stützmauern

Einen wichtigen Punkt brachte Florian Meißner (CSU) in die Debatte ein: In dem Baugebiet gebe es offenbar mehrere Grundstücke, auf denen illegale Stützmauern errichtet worden sind. "Das kann ja nicht sein. Für was haben wir denn dann eigentlich einen Bebauungsplan?", schimpfte Josef Maier (CSU). Michael Karl (CSU) zeigte sich zwiegespalten: "Ich bin dafür, dass man sich an den Bebauungsplan halten muss. Aber wer hier den offiziellen Weg geht, ist der Depp." Wutzlhofer entgegnete, dass man von Seiten der Stadt gegen diese illegalen Bauten nichts unternehmen könne, solange sich niemand daran störe.

"Ich bin dafür, dass man sich an den Bebauungsplan halten muss. Aber wer hier den offiziellen Weg geht, ist der Depp."

Stadtrat Michael Karl (CSU)

Beierl will nicht über andere Stützmauern spekulieren: "Es kann sein, dass es manche einfach so gemacht haben. Diesen Weg wollten wir aber nicht gehen. Wenn man ein Geschäft hat, kann man sich das nicht erlauben. Wir wollen das korrekt machen. Stellen Sie sich vor, wir müssen das alles dann hinterher wieder zurückbauen. Das können wir uns einfach nicht leisten."

Bürgermeister sucht das Gespräch

In der Diskussion im Ausschuss erläuterte der Bürgermeister, dass er den Antragstellerinnen - gerade weil es sich um ein junges Unternehmen handle - gern entgegenkommen würde. Er werde noch einmal das Gespräch mit ihnen suchen. Mit dem Ankauf oder Pacht einer Teilfläche eines angrenzenden Grundstücks, das sich noch im Besitz der Stadt befinde, könnten die Praxisbetreiber eine Stützmauer vermeiden. Beierl und Prem sind sich auf Anfrage von Oberpfalz-Medien einig, dass sie dieses Angebot nicht nur aus finanziellen Gründen nicht annehmen könnten. "Das Grundproblem bleibt trotzdem bestehen. Es ändert sich ja nichts an dem Gefälle. Das Gelände muss trotzdem aufgefüllt werden", betont Prem. Die beiden Frauen wollen nun den schriftlichen Beschluss des Bauausschusses abwarten und dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Sie hoffen darauf, dass die Tür noch nicht ganz zugeschlagen ist: "Vielleicht kann man ja doch bei einem Ortstermin hier bei uns gemeinsam eine kreative Lösung finden."

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