18.11.2020 - 13:34 Uhr
VilseckOberpfalz

Rätselraten um Lola Montez bleibt

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So einfach lassen sich die Vilsecker „ihre“ Lola nicht nehmen. Obwohl auch die neueste Biografie keinen Hinweis dafür liefert, dass sich Lola Montez einst tatsächlich in der Oberpfalz versteckte, hält man an der schönen Legende fest.

Über Lola Montez gibt es einige Geschichten und Rätsel. Fest steht, dass sie die Geliebte des Bayernkönigs Ludwig I war. Die Vilsecker sind noch heute überzeugt, dass sie einige Zeit in ihrem Ort verbrachte.
von Anke SchäferProfil

In der neuen, rechtzeitig zum 200.Geburtstag im Februar 2021 erschienenen Biografie „Ich habe dem starken Geschlecht überall den Fehdehandschuh hingeworfen“ begleitet die Augsburger Professorin Marita Krauss die unsterbliche Tänzerin und Femme Fatale Lola Montez durch ein bewegtes Leben. Fakten für den sagenumwobenen Aufenthalt in Vilseck seien ihr dabei allerdings nicht untergekommen, konstatiert sie kurz und knapp im Interview mit der Oberpfalz-Medien-Kulturredaktion. Macht nichts, findet die Vilsecker Kulturamtsleiterin und Lola-Montez-Kennerin Adolfine Nitschke:

ONETZ: Frau Nitschke, der wissenschaftliche Befund ist niederschmetternd. Dürfte sich Frau Professor Krauss in Vilseck überhaupt noch blicken lassen?

Adolfine Nitschke: Aber natürlich. Wir würden uns freuen, die Historikerin in unserer schönen, gastfreundlichen Stadt willkommen heißen zu dürfen. Sie wäre sicher überrascht vom Anblick des Geburtshauses von Elias Peißner mit dem Lola-Montez-Erker.

ONETZ: Was sagt man jetzt in Vilseck dazu, dass ein knappes „Nein“ auf die Frage nach der Legende von der feschen Lola im Vilsecker Versteck den Garaus gemacht hat?

Das sehen wir ganz gelassen. Die Lola-Legende lebt weiter. Dieses „Nein“ ist für uns nichts Neues. Solange uns keiner das Gegenteil beweisen kann, verlassen wir uns weiterhin auf die mündliche Überlieferung von Vilsecker Bürgern und etwas gesunden Menschenverstand. Die Beziehung zwischen Lola und Elias ist ja unumstritten. In einem Brief vom 21. Dezember 1848 gesteht der junge Student, nach mehreren Anfragen, dem eifersüchtigen Monarchen endlich, dass er „den Lockungen der Sirene gefolgt“ sei.

ONETZ: Wie sieht die überlieferte Flucht-Variante denn eigentlich aus?

Elias Peißner soll Lola Montez 1848 in seinem Geburtshaus versteckt haben. Wann genau und ob überhaupt wird ein Rätsel bleiben. Vermutlich im März, denn da fragte sich ganz Bayern „Wo ist Lola Montez?“ Die Paparazzi verloren zwischendurch die Spur.
Sie soll nachts, als Student verkleidet, in Begleitung von Elias in Vilseck aufgetaucht sein. Gern gesehen war sie hier sicher nicht, die provokante Mätresse des Königs. Das könnte erklären, warum ihr Aufenthalt verheimlicht wurde und es keine schriftlichen Unterlagen gibt.

ONETZ: Der berühmte Sohn der Stadt war also in jedem Fall in die Aktion involviert?

Elias Peißner war Senior des Studentenkorps „Alemannia“, der Leibgarde Lolas. Er unterstützte Lola auf der Flucht zum Schloss Blutenburg und in die Schweiz. Immer unter den Argusaugen der Presse. Es ist verständlich, dass Lola versucht hat, die Verfolger abzuschütteln. Nach dem 2. März in Bern wird die Berichterstattung ungenauer. Am 9. März wurde sie von zwei Gendarmen unter dem Sofa von Caroline Wegner in München hervorgezerrt - in Männerkleidern und falschem Bart. Am 14. tauchte sie in Karlsruhe und Heidelberg auf. Und am 19. März verbrachte sie einige Tage mit Elias in Frankfurt am Main. König Ludwig I. fiel auf, dass etwas nicht stimmen konnte. Im Brief vom 20. März an „Mia muy querida Lolitta“ schreibt er: „Er (Lolas Brief) ist vom 16. aus Frankfurt, zur selben Zeit als die Leute meinten, daß Du hier wärest. Es befremdet mich, daß mir Baron Meller am 15. aus Bern geschrieben hat, daß Du dort angekommen wärest. Dein Brief beweist mir, daß er mir eine Lüge geschrieben hat.“ Wo also war Lola Montez?

ONETZ: Gibt es Indizien, die für die Vilsecker Version sprechen?

Der 23-jährige Elias bekam von Ludwig I. 600 Gulden, damit er sein Studium außerhalb Bayerns in Gießen beenden und danach inkognito in die Vereinigten Staaten ausreisen konnte. Am 3. Juli 1849 kam er in New York an. Erstaunlicherweise stieg sein Vater Jakob durch Lolas Fürsprache noch vor dem Thronverzicht König Ludwig I. am 20. März 1848 zum Ministeriumsboten in München auf. Da stellt sich doch die Frage, warum der König den Peißners so wohlgesonnen war. Immerhin war Elias sein Nebenbuhler.

ONETZ: Und dann ist da ja noch das elegante Kleid, das im Türmermuseum zu bestaunen ist. Was wird nun damit?

Keine Sorge! Das rätselhafte Kleid kann weiterhin dort bestaunt werden. Die ehemalige Besitzerin des Geburtshauses von Elias schenkte es dem Museum. Sie berichtete glaubhaft, es sei 1848 von Lola Montez zurückgelassen worden und werde seither in einem Schrank verwahrt. Eine Expertin im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg hat es genau untersucht.

ONETZ: Kommen wir zurück zur neuen Biografie und den Folgen: Muss das eigens für die Burgfestspiele verfasste Theaterstück „Lola Montez – Die falsche Spanierin“ jetzt eigentlich eingestampft werden und wird sich der damals aus der Taufe gehobene Theaterverein „Lolamannen“ einen anderen Namen suchen?

Auf keinen Fall, denn die Burgfestspiele waren ein großer Erfolg. Die Liebesgeschichte von Lola und Elias ging immerhin in die Geschichte ein. Und der Theaterverein „Stadtbühne Lolamannen Vilseck“ hat den Spitznamen der anderen Münchner Studenten ganz bewusst gewählt - mit einem gewissen Augenzwinkern und frei nach Lolas Motto „Ich lieb die Bühne. Ihr Männer, ihr könnt mir alle gestohlen bleiben. Das Einzige, was ich brauche, ist eine Bühne.“

ONETZ: Mit welchem Ergebnis?

Das Untersuchungsergebnis war erstaunlich. Das Kleid ließ sich tatsächlich in die Spätbiedermeierzeit datieren. Verwunderlich war nur, dass kostbare Maulbeerseide zu einem Reisekleid geschneidert wurde und nicht zu einem Festtagsgewand. Ein derartiges Kleidungsstück konnte nur einer höhergestellten Frau gehören. Zweiteilige Kleider aus Rock und Schoßjäckchen erschienen seit 1847 häufiger in den Modejournalen. Im „Berliner Modespiegel“ war braun die Modefarbe des Sommers 1847. Für die modebewusste Lola könnte das Kleid im darauffolgenden Jahr schon „out“ gewesen sein. Vielleicht hat sie es deshalb zurückgelassen? Oder war es zu auffallend auf der Flucht? Vielleicht reizte es sie auch, in die Studentenrolle mit Männerhosen und Studentenkappe zu schlüpfen?

ONETZ: Und Ihr Fazit aus der ganzen Geschichte?

Lola Montez hätte es sicher amüsiert, dass wir sogar noch an ihrem 200. Geburtstag damit beschäftigt sind, Rätsel um ihr skandalumwittertes Leben zu knacken.

Die Vilsecker Flucht-Episode fand keine Bestätigung

Deutschland & Welt
Von Lola Montez zurückgelassen? Das Rätsel um das im Türmermuseum zu besichtigende Kleid ist noch nicht gelöst.
Elias Peißners Geburtshaus mit dem sagenumwobenen Lola-Montez-Erker.
Info:

Zur Biografie

Die Biografie "Ich habe dem starken Geschlecht überall den Fehdehandschuh hingeworfen - Das Leben der Lola Montez" von Marita Krauss, Hardcover, 343 Seiten mit 42 Abbildungen, ist im C.H.Beck Verlag erschienen und kostet 24 Euro.

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