18.09.2020 - 10:43 Uhr
VilseckOberpfalz

Aiwanger verspricht in Vilseck weitere Hilfen

Die größte Hoffnung der Anliegergemeinden des Truppenübungsplatzes ist, dass die USA nicht ernst machen. Aber was, wenn der Truppenabzug wirklich kommt?

Eingerahmt von Bürgermeister Edgar Knobloch (links) und Bürgermeister Hans-Martin Schertl (rechts) sprach Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zu den Vilsecker Stadträten.
von Redaktion ONETZProfil

Hoher Besuch auf Burg Dagestein: Der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) war gekommen, um sich über den geplanten Truppenabzug der US-Armee zu informieren.

Vor dem Gespräch am Donnerstag in der Burg unternahm Bürgermeister Hans-Martin Schertl zusammen mit dem Minister und seinen Begleitern eine Rundfahrt durch die Vilsecker US-Kaserne "Rose Barracks". Hier konnte sich Aiwanger über die Infrastruktur, die großen Wohngebiete, die Schulen und Kindergärten, die Verwaltungsgebäude- und Versorgungseinrichtungen sowie die militärischen Anlagen informieren.

Wirtschaftskraft von 600 Millionen

Anschließend traf man sich in der Burg mit den Vilsecker Stadträten und dem Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch zu einem Meinungsaustausch. Bürgermeister Schertl betonte, dass sich seit circa 40 Jahren in den beiden US-Standorten Vilseck und Grafenwöhr eine Monostruktur mit erheblicher wirtschaftlicher Abhängigkeit entwickelt habe. "Viele Bürger fanden einen sicheren Arbeitsplatz bei der US-Army, viele Wohnungen und Häuser wurden an US-Familien vermietet und Gastronomie, Handel und Gewerbe profitierten wesentlich von der Anwesenheit der US-Soldaten und der Familienangehörigen", sagte der Rathauschef.

Die Akzeptanz des Truppenübungsplatzes mit Schießlärm, Fluglärm, mit Staub und Manövern sei immer gegeben gewesen wegen der vielen Arbeitsplätze und der enormen Wirtschaftskraft des Truppenübungsplatzes. Die Wirtschaftskraft bezifferte Schertl mit rund 600 Millionen Euro jährlich. Der Bürgermeister betonte, dass der geplante Truppenabzug keine militärische, sondern eine politische Entscheidung sei. Sollte der Truppenabzug in der Form umgesetzt werden, dass das 2. Kavallerie-Regiment mit rund 4500 Soldaten und etwa 9000 Familienangehörigen die Stadt Vilseck verlassen muss, bräuchte die gesamte Region viele Ersatzarbeitsplätze und neue Einwohner, die dann die leeren Wohnungen und Häuser belegen.

"Wir brauchen eine Sonderwirtschaftszone, um die Folgen des Abzugs kompensieren zu können, in Form von Behördenverlagerungen oder der Neuansiedlung von vielen Betrieben, sei es mit einem Gründerzentrum oder der Ansiedlung zukunftsfähiger innovativer Firmen mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung vom Bund und der Staatsregierung", forderte Schertl.

Aiwanger zeigte sich beeindruckt von der Größe des Vilsecker US-Standortes. Seit der Ankündigung des Truppenabzuges hänge ein Damoklesschwert über der gesamten Region, sagte er. Unabhängig von dem Ausgang sollte man sich nicht von den militärischen Standorten abhängig machen, sondern sich weitere Standbeine suchen. Hier bat der Minister um konkrete Vorschläge aus der Runde. "Ihr seid bei mir ganz vorne mit am Schirm", versicherte er und sah die Notwendigkeit einer staatlichen Unterstützung.

Bundesregierung in der Pflicht

Er könne sich ein gezieltes Regionalmanagement vorstellen, das sich vor Ort um Leerstände, Firmenansiedlungen und viele weitere Themen kümmert, wie es beim Gespräch im Landratsamt mit den anderen Anliegerkommunen des Truppenübungsplatzes mit 200 000 Euro pro Jahr und Projekt vereinbart wurde. Dies sei ein erster Schritt staatlicher Hilfe. Sofern der Truppenabzug die Stadt Vilseck treffen würde, seien weitere konkrete größere staatliche Fördermaßnahmen erforderlich.

Der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch hofft nach wie vor, dass die Ankündigung des Truppenabzugs noch abgewendet werden kann. Diesbezüglich wünsche er sich intensivere Kontakte der Bundesregierung zur US-Regierung. "Wir sind eine Militärregion, deshalb könnten auch Bundeswehr und Nato-Verbände bei uns angesiedelt werden", wünschte sich Bürgermeister Knobloch.

Auch Zweiter Bürgermeister Thorsten Grädler wies auf den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen bei der US-Armee und deutschen Zuliefererfirmen hin und hofft, hier zukunftsfähige und innovative Arbeitsplätze anzusiedeln zu können. „Die Umsetzung militärischer Entscheidungen dauert meistens länger,“ betonte Dritter Bürgermeister Markus Graf. Er vertraue darauf, dass aufgrund der weltpolitischen Lage die Wichtigkeit des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr noch erkannt wird und der Standort erhalten bleibt.

Aiwanger war wegen des Themas auch schon im Landratsamt Amberg-Sulzbach zu Gast

Hohenfels
Zum Gruppenbild stellten sich alle Teilnehmer des Treffens mit dem Bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (vorne Mitte) auf.
Zum dritten Mal besuchte Wirtschaftminister Hubert Aiwanger die Burg Dagestein. Diesmal zum Austausch mit den Bürgermeistern und Stadträten zum geplanten Truppenabzug.

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