30.05.2021 - 11:13 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Erstes Open Air nach Corona: Premiere für den Applaus

Es war ein ungewohntes Geräusch, das aus dem Geviert des Michlbauernhofes in Stockau nach draußen drang. Monatelang war es vermisst worden. Die Pandemie geht und der Applaus kehrt zurück – beim ersten Open Air nach den Corona-Lockerungen.

Im Michlbauernhof in Stockau hatte der Applaus Premiere. Am Samstagabend ging dort das erste Freiluftkonzert nach den Corona-Lockerungen in der Region über die Bühne.
von Autor (gri)Profil

Endlich wieder Musik vor vielen Zuhörern, endlich wieder Applaus: Wastl Meier, der Bio-Landwirt, Musikant und Instrumentenbauer aus Stockau, wollte nicht länger warten und die Entwicklung der Infektionszahlen spielte ihm in die Hände. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Schirin Oeding - bekannt aus der Landfrauenküche des Bayerischen Fernsehens - hatte er für Samstag ein Gastspiel von "G.Rag und den Landlergschwistern" auf seinem Hof organisiert. 50 Gäste auf Abstand waren zugelassen. Jeder brachte einen Klappstuhl und eine Decke mit und schon stand einem Konzerterlebnis eigentlich nur noch der Hofhund im Weg.

Der Hund war dann allerdings recht brav, verzog sich in ein Eck neben der Haustür. In seine Hütte traute er sich nicht, denn direkt daneben hatten unter einem Dachvorsprung die elf Musiker Platz genommen, die vor allem in München daheim sind, ein bisschen aber auch in Stockau, denn ihr Tubist ist niemand anderer als der Michlbauer selbst. Und so verwundert es nicht, dass die Band gleich zu Beginn mit Oberpfälzer Bairischen ein Statement setzte, das dem alten Mühlbauern aus Stockau zur Ehre gereicht hätte. Der 1980 im Alter von 93 Jahren verstorbene Josef Neger, genannt "der Mühlbauer" aus Stockau, hatte mit seiner meist fünfköpfigen "Kapelle Mühlbauer" über Jahrzehnte das Musikleben in der Region geprägt. Und genau solche Bairische waren einst sein Markenzeichen.

In Stockau lebt von jeher die Volksmusik: immer tänzerisch, immer ein bisschen schräg, etwas neben den Notenzeilen oder am besten ganz ohne schriftliche Hilfsmittel, natürlich mit improvisiertem Gesang und Zwischenrufen. Dem alten "Mühlbauern"-Style eifern "G.Rag und die Landlergschwister" ordentlich nach, auch wenn sie es bei den Gesangspassagen mit dem Megafon ein bisschen übertreiben. Die Anmutung, hier werde eine Schellackplatte auf einem Grammophon abgespielt, ist wirklich witzig. Der Witz aber nützt sich, wenn er dann mal draußen ist, auf Dauer ab. Der Magie dieses besonderen Konzertabends nach der dritten Corona-Welle konnte das allerdings nichts anhaben. "G.Rag und die Landlergschwister" haben der Pandemie den Marsch geblasen und das Virus hinausgespielt, so wie Josef Neger früher den letzten Gast.

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Amberg
Sebastian Meier, der Michlbauer, an der Tuba inmitten seiner elfköpfigen Band.
Konzert unter dem Dachvorsprung: G.Rag und die Landlergschwister bei ihrem Gastspiel auf dem Michlbauern-Hof in Stockau.

 

 

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