22.07.2021 - 09:34 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Durchblick in der zünftigen Kartenrunde

Zu den beliebtesten Kartenspielen in der Oberpfalz gehört sicher der Schafkopf. Damit der Kartenabend auch für Anfänger und Außenstehende Spaß bringt, das Wichtigste zusammengefasst.

Alle Acht in einer Hand.
von Josef SchmaußerProfil

Ein zünftiger Schafkopfabend ist für viele schönste Unterhaltung und lockerste Entspannung. Manchmal kann es aber auch sehr lebhaft oder gar laut zugehen, doch an den meisten Tischen begleiten Humor und kleine Neckereien die Spiele. Wenn die richtigen Drei für einen „Trispanner“ (ein Schafkopf zu dritt) oder die richtigen Vier für den üblichen Schafkopf beieinander sind, dann ist der Abend gerettet. Ist das „Schoufkopfa“ überhaupt erlernbar? Routinierte Spieler sagen gern: „Der kann nu a poar Joaha spüln, der lernt’s nie!“

„Döin ma ebba oan?“ – „Wej spüil’ma denn?“

Wie läuft so ein Kartenabend an? Entweder es haben sich schon die richtigen Drei oder Vier „z’ammg’sagt“ oder man sitzt bei einem Seidl Bier zusammen und plaudert. Plötzlich sagt einer: „Na, wos is? Döin ma ebba oan?“ „Host ebba a poar Euro zum Vaspüin? Oiso, nou pack’ mas! Nou döin ma hoit an Rehma umi!“ (Begriff aus der Landwirtschaft: Der Treibriemen wird um die Welle am Motor gelegt). „Gejh Wirt, gieb uns a moi a Bladdl! Owa a frisch’! Niert so a Oogriffas wej als letzte Mol! Hoit! Bring a glei veja Schisserln mit!“

Zuerst müssen sich die Spieler über Modalitäten einigen. Meist geht es zuerst um die Preise: „20/10“ bedeutet: Das einfache Spiel kostet 10 Cent. „Schneider“ (der Spieler hat unter 30 Augen) verdoppelt den Preis. „Schwarz“ oder Durch“ (kein Stich) und jeder Ober (falls man drei oder mehr hat) kosten nochmals je 10 Cent. Der Trumpf-Solo, die Dame (oder der Geier) oder der Wenz kosten 20 Cent.

In den vergangenen Jahrzehnten ist auch die „Hochzeit“ üblich geworden. Hat ein Spieler nur einen Trumpf, legt er ihn verdeckt auf den Tisch. Nimmt ein Spieler dieses Blatt und gibt ein anderes zurück, dann gehören diese beiden Spieler zusammen. Diese Spiel kostet meist 30 Cent. Ein Solo geht aber vor. Wird ein „Solo tout“ (aus dem Französischem „tout“ = ganzes Spiel) angesagt, dann muss der Spieler alle Stiche machen, sonst hat er verloren.

Kleine Regelkunde

  • Das normale Rufspiel: Normalerweise ruft ein Spieler mit zirka vier Trümpfen einen Partner. Er nennt die Farbe und der Mitspieler, der das passende Ass dazu hat, wird für dieses Spiel der Partner. Mit 61 Augen hat die „spielende“ Partei, mit 60 Augen der Gegner gewonnen. Mit 31 Augen ist man „aus dem Schneider“, der Gegner benötigt wiederum nur 30 Augen. Im Spiel sind also 120 Augen. Die Ass hat einen Wert von elf Augen, der König zum Beispiel vier usw.
  • Das Solo (von lat. solus = allein): Im Grunde gibt es drei Arten von Solo. Das Farbensolo, also entweder in der Farbe Eichel, Grün, Herz oder Schelle oder die Dame (meist „Geier“ oder „an Hacht’n“ genannt), dann sind die vier Ober die Haupttrümpfe und der Wenz (die Unter sind dann die Haupttrümpfe).
    Der Alleinspieler kann das Solo sogar zum „Solo tout“ erhöhen. Die Ansage des „Tout“ bedeutet, dass sich der Spieler verpflichtet, alle Stiche zu machen. Geht auch nur ein Stich weg, ist der „Tout“ verloren. Der „Tout“ kostet automatisch das Doppelte. Im Idealfall müssten dann, wie bei anderen Spielen auch, alle „acht Bauern“, vier Ober und vier Unter, bezahlt werden.
  • „Dauerleger“ oder „Anschaffen“: Wichtig ist auch die Frage, ob ein „Dauerleger“ gespielt wird. Jeder Spieler kann dann reihum das Spiel verdoppeln, wenn er „rauslegt“, das heißt eine Münze aus seinem Schüsserl nimmt und meist recht geräuschvoll daneben legt. In manchen Wirtshäusern und an manchen Tischen wird aber vereinbart, dass nur nach einem Solo eine Runde „angeschafft“ wird. Das bedeutet dann, dass die nächsten Spiele durch eine „Legerrunde“, eine Bock- oder gar Doppelbockrunde oder einen „Goaßbock“ ersetzt werden.
    Beim „Goaßbock“ gehören die sich diagonal gegenüber sitzenden Spieler automatisch für vier Spiele zusammen. Bei dieser Runde kann das jeweilige Spiel durch „Schläge“, Contra, Re, Sub verteuert werden. Die ganz „Scharfen“ spielen gar eine „Goaßdoppelbock-Pumperer“. Dann wird’s aber richtig teuer und bei derartigen „scharfen Runden“ ist der Streit meist vorprogrammiert. Denn beim Geld hört bekanntlich der Spaß auf.
  • Der „Drei-Bauern-Schieber“: Ganz abgekommen ist der „Drei-Bauern-Schieber“. Eine Runde lang erhält jeder Mitspieler von vorneherein die drei höchsten Ober und muss versuchen, das Beste daraus zu machen oder die Karten weiterzugeben. Der letzte Spieler schiebt seine drei Karten, die er zu viel bekommen hat weiter. Die nächsten Spieler verfahren ebenso.
  • Ein „Kurzer“ oder ein „Langer“: Das Spiel mit dem kurzen Blatt (6 Karten ohne 6er, 7er, 8er) ist heute normal. Beim „Zusammenwerfen“, das heißt, kein Spiel hat ein geeignetes Blatt zum Spielen, wird „zusammengeworfen“ und das nächste Spiel kostet das Doppelte.

Ohne Sprüche geht gar nichts

Schafkopfspielen lebt von der Originalität und dem Humor der Mitspieler. „Tipferln“ und „Nachkarten“ ist nicht beliebt. Meist kennt man die Sprüche eines jeden Mitspielers.

  • Geben („geem“): „Wer gibt?“ „Ollererweil der, der froagt!“
  • Mischen („misch’n“): „Du derfst amoi assi gejh und dir die Hend wasch’n!“ „Es hot se schou amoi oaner z’Doud g’mischt!“
  • Abheben („oo’heem“): „So, red niert lang! Heb oo, zejch dei Bladl an und soch, ob’st wos host!“
  • Ansagen („ansogn“): „Pass’n!“ (von lat. pasare = vorbeigehen lassen) oder „Weida!“ Das heißt: Ich habe kein passendes Blatt für ein Spiel oder ich bin gesperrt. Sagt ein Spieler „Spüin!“ bedeutet das, dass er ein normales Ruf- oder Farbenspiel hat. Hat ein anderer Spieler ein Solo, bekommt er das Spiel, weil er das höhere Gebot abgeben konnte.
  • „Verdoppeln“ („Schpritz’n“): Eine „Schpritz’n“ wird gegeben, wenn man glaubt, dass man das bessere Blatt hat und das Spiel gewinnen kann. Theatralisch wird an das Blatt geschnalzt, damit Gegner und Mitspieler „Bescheid wissen“. „Du traust da wos!“, entgegnet der Gegner. Er kann, wenn er glaubt, dass er doch das bessere Blatt hat, ein „Contra“ geben. Manchmal „patscht“ es ein drittes Mal und es gibt ein „Re“. Bei jedem „Schlag“ verdoppelt sich der Preis des Spieles.
  • Ausspielen („Assa!“): „Assa! Bring die richtig Foab!“ „Bring hid die Rouf (die Ruffarbe)!“ „Wos liegt, des picht!“ (Ein ausgespieltes Blatt darf nicht zurückgenommen werden.) Wenn einer keinen Trumpf mehr spielt: „Iatz gejht er schou iwa Derfa!“
  • Schmieren („Schiern“): „Dou mou i a bisserl mei Beileid beileg’n!“ wird gesagt, wenn man „seinen Freund“ „schmieren“, das heißt ein Blatt mit möglichst vielen „Augen“ beilegen kann. „Schmiern! Sog’n derma nix!“ „Schmier, wos schwaar is!“
  • Stechen: „Iatz sticht der den! Des is ja schlimma als Gamischheferisch“ („Du spielst ja schlimmer als in Gärbershof gespielt wird.“) „Hax af!“ („Stich doch!“)
  • Auszahlen („Zoihn!“): „Iatz moan i, i hob an Dreeg an Neindl gebm!“ („Ich glaube, ich habe mit der Wahl meines Spielpartners daneben gegriffen!“) „Oh heilig’s Kreiz vom Berch anna!“ „Des is heia a schlecht’s Koartnjoaha!“ „Iatz schaut’s owa finsta aana, von da Lejha!“ („Ein Gewitter kommt“) „Aszohl’n!“ „Oh wejala! Des reißt eini in die kloan Heisa!“ „Waar i doch dahoam blieb’n und hejt ins Bett!“

Karten-Namen

  • Eichel: die Eichelsau, d’Oit’, „Mit da Oit’n (soll ma’s hoitn!)“, „da Oichlbaua“, „Da Oit sticht am End’ aa nu!“
  • Grün: „Grün is gern hün!“ Das bedeutet, wenn einer einen Grün-Solo oder mit „der Blauen“ oder mit „der Gros’n“ spielt, wird diese Farbe „gerne“ zusammengestochen.
  • Herz: „Herz sticht!“ „Dann moust zum Dokta gejh!“ „Af a Herz, dou g’hert a Grüine!“ „Herzlich lacht die Tante!“ „A Herz hot a jeda Mensch!“
  • Schelle: „Schöll’n is a Schulzeich!“, die „Pumpl“, „Da Hund hockt draf!“ „Du bist doch dimma wej d’Schöllnsau!“

Weitere Sprüche und Begriffe rund ums Koart’nspüin

  • „Mucken“: Andeuten, falsch spielen
  • Fehlfarbe: „Fahlblaadl“, „a Fahl“
  • „Faarbl’n“: Keinen Trumpf, eine Farbe spielen.
  • „A Bod, a Bodl“ (eine Partie, ein Spiel)
  • „Mit a ram Unta, gejht ma niert unat!“ (Lieber mit einem Unter als mit einem Farbblatt stechen)
  • „I hob von an jedem Dorf an Hund!“ (Ich bin mit jeder Farbe bestückt)

Das Kulturgut Schafkopf - ein Interview mit Autor Erich Rohrmayer

Schierling
Der Traum eines jeden Kartenspielers. Oft lassen die Spieler dann sogar die Karten rahmen und hängen sie als Erinnerung im Wirtshaus auf.
Hintergrund:

Schafkopf oder Schaffkopf?

  • Schafkopf: Die Spieler erhielten für ein gewonnenes Spiel kein Geld sondern zeichneten stattdessen jeweils einen Teil eines Schafkopfs mit Kreide auf den Tisch: Nase, Maul, Augen, Ohren und Backen – bis der Kopf des Tieres vollständig abgebildet war.
  • Schaffkopf: Früher wurde in Wirtshäusern auf Fässern, damals noch „Schaffen“ genannt, Karten gespielt. Zum Spielen sagte man „koffern“ oder „kobern“. Aus den beiden Begriffen „Schaffen“ und „koffern“ soll das Wort „Schaffkopf“, später „Schafkopf“ entstanden sein. (schß)
Hintergrund:

Der Engel des Herrn wird geläutet

Wie verwurzelt noch vor 45 Jahren Religion und Alltagsleben auf den Dörfern waren, zeigt ein Brauch, der noch zu Lebzeiten des Wirtes Georg Hirsch (1912 bis 1971) in fast allen Wirtshäusern und auch beim „Hirsch’n“ üblich war. Wenn das Gebetläuten zu hören war, nahm jeder Mann seinen Hut ab und betete still den „Engel des Herrn“. Der Wirt Georg Hirsch achtete streng darauf, dass auch die Schafkopfspieler ihr Blatt ruhen ließen und die Gebetspause einhielten. Und wehe einer von den Jungen nahm schnell noch einen Stich mit oder spielte ein Blatt aus, dann wies ihn der Wirt zurecht: „Hejert’s ebba niert, dass ma as Gebet leit?“ Und dann war’s für ein paar Minuten während des Läutens wirklich „mucksmeiserlstaad“ in der Wirtsstube. Nach dem letzten Glockenschlag sagte der Wirt: „Gut’n Abmd!“ und alle Gäste erwiderten den Gruß „Gut’n n’Abmd!“. Die Alten setzten wieder ihre Hüte auf und dann erst ging der Wirtshausbetrieb weiter. Ja, so war das damals. (schß)

 

 

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