Ein kleines Schmuckstück: Andacht an der Marienkapelle in Trevesenhammer

Im kleinen Ort Trevesenhammer entdeckt man ein wunderbares Kleinod, eine Marienkapelle, versteckt zwischen zwei gewaltigen Bäumen, erbaut im Jahr 1736. Bei diesem Schmuckstück mit seiner langen Geschichte fand nun eine Andacht statt.

Pfarrer Josef Waleszczuk feierte die Marienandacht in Trevesenhammer, rechts Kirchenpflegerin Gabi Hawranek
von Autor TWGProfil

In Zeiten von Corona entdeckt man immer mehr herrliche Plätze in der näheren Umgebung, die eine genauere Betrachtung verdienen. Im Fremdenführer des Naturparks Fichtelgebirge kann man einige Geheimtipps ausfindig machen, zu denen auch die Marienkapelle in Trevesenhammer in der Gemeinde Pullenreuth gehört.

Die in Vergessenheit geratene und fast bis auf die Grundmauern verschwundene Kapelle wurde 1989/1990 durch Spendengelder wieder aufgebaut. Doch ihre Geschichte ist noch weitaus interessanter und es steckt beträchtliche Arbeit und viel Herzblut in dem Prachtstück.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der 1980er Jahre war die denkmalgeschützte Marienkapelle dem Verfall preisgegeben. Erst als der frühere, sehr bekannte und erfolgreiche Bauunternehmer Otto Busch senior aus Neusorg sich dem kleinen Gotteshaus, früher auch als „Marienhaus“ bezeichnet, annahm, nahm die Geschichte im Jahr 1988 eine Wende.

Otto Busch machte dem ersten Vorsitzenden der Steinwaldia Pullenreuth, Norbert Reger, einen Vorschlag. Reger bezeichnet dies heute noch als ein Wunder. Der Bauunternehmer schlug vor, die Kapelle von Grund auf zu sanieren, falls er sich auf die Mithilfe der Steinwaldia verlassen könnte. Die beiden Herren einigten sich sofort für die gemeinsame Sache.

Busch übernahm die bautechnische Leitung und leistete finanzielle Hilfe. Die Steinwaldia kümmerte sich um die nötigen geschichtlichen Forschungen, alle schriftlichen Arbeiten und Zuschussanträge, die Baugenehmigung und die Klärung der Grundstücksfragen. Die Mitglieder der Gesellschaft Steinwaldia hatten einstimmig beschlossen, umfangreich ehrenamtlich mitzuhelfen. Nach mehreren Gesprächen mit dem Besitzer, der Familie Weiß, der Kirchenverwaltung, der Gemeinde und den zuständigen Behörden wurden die Bauanträge eingereicht und genehmigt.

Als "magischer Augenblick" ist Norbert Reger der Termin mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Innenraum der ruinösen Kapelle im Gedächtnis geblieben. Nur drei Stunden später stürzten die Dachteile des Kirchleins in den Innenraum.

Bereits im Herbst 1989 konnte der erste Bauabschnitt abgeschlossen werden, nachdem zahlreiche Helfer der Steinwaldia und wichtige Mitarbeiter aus Trevesen die Maurerarbeiten unter der Leitung von „Motor“ Otto Busch erledigt hatten. Im Winter setzte man sich an die Planung der Innengestaltung und im Frühjahr 1990 wurden der aufwändig und meisterhaft gebaute Dachstuhl sowie das Blechdach fertiggestellt.

Am künstlerisch wertvollem Gesimse aus Sandstein mussten rund 80 Prozent des Materials in der Steinfachschule Wunsiedel ersetzt bzw. repariert werden. Die Außenanlagen der Kapelle wurden gemeinsam von der Firma Busch und den zahlreichen Helfern fertiggestellt. 1992 wurde ein Deckengemälde unter dem Namen „Himmelfahrt Mariens“ von der Malerin R. Langhammer aus Pressath angebracht, in Seccomalerei.

Die Einweihung am Festtag „Maria Himmelfahrt“ im Jahre 1990 war ein großes und denkwürdiges Fest für Trevesenhammer und Trevesen sowie für die ganze Gemeinde Pullenreuth. Domkapitular Prälat Edmund Stauffer aus Regensburg und der damalige Pfarrer von Pullenreuth, Wolfgang Häupl, zelebrierten den Festgottesdienst. Seither feiert die Gesellschaft Steinwaldia, jährlich Maiandachten und seit 2015 Marienandachten an der Kapelle in Trevesenhammer. In diesem Jahr mussten die Planungen abgesagt werden, ein größeres Fest zum 30-jährigen Bestehen musste der Corona-Krise zum Opfer fallen.

Mit angemessenem Abstand feierten die Mitglieder der Steinwaldia mit Pfarrer Josef Waleszczuk eine feierliche Marienandacht, musikalisch umrahmt von Claudia Lippert, Irmi Weiß und Luzia Rickauer. Ulrike Weiß und Gabi Hawranek beteiligten sich an der Mitgestaltung der Andacht. Pfarrer Waleszczuk, der auch als Marienverehrer bekannt ist, sagte den Anwesenden, dass er einen besonderen Bezug zur Marienkapelle in Trevesenhammer pflege. Seine erste Tätigkeit als neuer Pfarrer in Pullenreuth, vor 20 Jahren, war die Feier der Andacht in der Marienkapelle. Der Vorsitzende der Steinwaldia, Norbert Reger, ließ die Geschichte und die Sanierung des kostbaren Schmuckstückes in Trevesenhammer für die Gäste Revue passieren und zeigte eine Fotoausstellung, bei der so mancher staunte, welche Meisterleistungen hier vollbracht wurden.

Seit der Renovierung der Marienkapelle weist diese Kostbarkeit keinerlei Bauschäden auf. Die Naturdenkmale, der Ahornbaum und die Linde, welche das Kleinod einrahmen, wurden im Juni 2015 baumpflegerisch behandelt. Im vergangenen Jahr wurden der Außen- und der Innenbereich einer Farbauffrischung unterzogen. Für die liebevolle Pflege der Außenanlagen dankte Norbert Reger den Familien Weiß und Legat, die sich seither darum kümmern.

Musikalisch wurde die Andacht von Claudia Lippert, Irmi Weiß und Luzia Rickauer (von links) umrahmt, die im beeindruckenden Innenraum der Kapelle Platz genommen hatten.
Zahlreiche Pfarrangehörige waren gekommen, um das 30-jährige Jubiläum an der Marienkapelle in Trevesenhammer zu feiern.
Dieses kleine Juwel befindet sich in Trevesenhammer in der Gemeinde Pullenreuth.
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