27.07.2021 - 12:09 Uhr
TrabitzOberpfalz

Kindertagesstätte Trabitz setzt auf tiergestützte Pädagogik

Die Natur mit ihrer Vielfalt an Schönem und Heilsamem, die Wichtigkeit der Landwirtschaft kennen und schätzen lernen und so die Verbundenheit mit der Heimat festigen: Dieses Ziel wird in der Trabitzer Kindertagesstätte groß geschrieben.

Wer sagt, dass Esel störrisch sind? Nicht nur Stephan Müller, sondern auch die Kinder der Trabitzer Tagesstätte haben die drei freundlichen und geduldigen Esel "Luigi", "Schoki-Baby" und "Fridolin" längst in ihre Herzen geschlossen. In naher Zukunft sollen sie in die Nähe der neue Kindertagesstätte in Trabitz umziehen.
von Bernhard PiegsaProfil

Beim „Pimpinella-Zauberkraut“-Bauernhoftag auf der Gänsmühle verriet das Kindergartenteam um Leiterin Franziska Meier gemeinsam mit der Familie Scharf 22 drei- bis sechsjährigen Mädchen und Buben aus den Kita-Gruppen „Wölfe“ und „Füchse“, wie viel Gutes und Gesundes auf den heimatlichen Feld- und Waldfluren wächst.

Ob Löwenzahn, Gänsefußkraut, Schafgarbe oder Johanniskraut: In vielen Wildkräutern verbergen sich heilende Kräfte, und manche sind als Zutat für Salate, Smoothies und andere Speisen sogar ausgesprochen schmackhaft. Buchstäblich ein Kinderspiel ist auch die Herstellung wohlschmeckend würziger Kräutersalze und hübscher Schmuckstücke aus getrocknetem Salzteig und Blüten.

Nebenbei machten die kleinen Naturentdecker Bekanntschaft mit Gänsen, Hasen, Bienen, Schafen und Hühnern und natürlich mit den drei Eseln "Fridolin", "Luigi" und "Schoki-Baby". Sie sollen in nicht allzu ferner Zukunft beim neuen Trabitzer Kindergarten ein Zuhause finden.

„Die Esel und die Kinder sollen sich langsam aneinander gewöhnen“, erklärte Stephan Müller, Co-Geschäftsführer des Pädagogikdienstleisters „Learning Campus“ (LC), der seit 2019 im Auftrag der Gemeinde als Träger des Trabitzer Kindergartens fungiert: „Mal sehen die Kinder die Esel in Gänsmühle, mal besuchen die Esel Trabitz. Oder Kinder und Esel unternehmen einen gemeinsamen Streifzug durch die Trabitzer Flur. Und irgendwann kommt der Tag, an dem die drei Vierbeiner ganz nach Trabitz ziehen werden, damit die Kinder ihren altersgerechten Teil an Mitverantwortung für sie übernehmen können.“

Für die tiergestützte Pädagogik, die ein wesentliches Element des pädagogischen Konzepts von "Learning Campus" bilde und im Verbund mit anderen Naturerziehungsangeboten den verantwortungsvollen Respekt der Kinder vor der Schöpfung in all ihrer Vielfalt wecken solle, seien Esel ideal: „Sie sind intelligent, neugierig, geduldig und gelassen, und damit weit besser geeignet als Pferde“, ist Müller überzeugt.

Großen Wert lege "Learning Campus" darauf, nicht nur „Eintagsfliegen-Begegnungen mit der Natur“ – wie etwa Zooausflüge – zu bieten, sondern den bewussten Kontakt zur Natur zum „pädagogischen Alltag“ zu machen. Diesem Ziel diene auch der Kartoffelacker, den man in Gänsmühle gemeinsam mit den Buben und Mädchen angelegt habe.

Die Zusammenarbeit mit der Gänsmühle und insbesondere mit Liane Scharf als zertifizierter Kräuterführerin und erfahrener „Esels-Expertin“ sei ein Glücksfall. Dieser habe sich fast beiläufig aus einem zufälligen Gespräch zwischen der Landwirtin und Stephan Müller ergeben.

„Plötzlich stand wie von selbst die Idee im Raum: Wir betreiben einen Kindergarten, ihr habt einen Hof – was können wir gemeinsam daraus machen?“, erinnert sich der Erlebnispädagoge und „Learning-Campus“-Gründer.

Seit zwei Jahren arbeite man nun zusammen, wobei der diesjährige „Pimpinella- Zauberkraut“-Bauernhoftag coronabedingt erst der zweite seiner Art sei. Nicht nur die Mädchen und Buben des Trabitzer Kindergartens lernten auf dem Hof die heimatliche Pflanzen- und Tierwelt besser kennen, merkt Müller an: „Wir bieten diese Gelegenheit auch den Kindern unserer Waldkindergärten in Auerbach, Eschenbach, Irchenrieth und Weiden.“

„Die Natur ist gerade in unserer noch mit vielen ‚Naturinseln‘ gesegneten Region ein wichtiger Teil der Lebensqualität, und wir wünschen uns gemeinsam, dass die Kinder dies erkennen, indem sie es mit allen Sinnen erfahren“, betont auch Liane Scharf. Viele pädagogische Anregungen verdanke sie Pfarrer Sebastian Kneipp, dessen 200. Geburtstag heuer gefeiert werde.

Kein Unkraut, sondern wirksame Heilpflanzen sind Wildkräuter wie Schafgarbe oder Gänsefußkraut. Wofür sie gut sein können, erklärte Liane Scharf (Mitte) den Mädchen und Buben aus dem Trabitzer Kindergarten.

 

 

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