25.09.2020 - 15:25 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wegen Körperverletzung und Kennzeichenmissbrauch vor Gericht

Erst die Faust ins Gesicht, später die Statue an dem Kopf? Ein 25-Jähriger will es nicht gewesen sein, die Zeugenaussagen vor dem Amtsgericht Tirschenreuth sind widersprüchlich. Verurteilt wird der Angeklagte dann wegen einer anderen Sache.

Ein 25-Jähriger steht vor dem Tirschenreuther Amtsgericht wegen Kennzeichenmissbrauch und Körperverletzung.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Wegen Körperverletzung und Kennzeichenmissbrauch musste sich ein 25-Jähriger vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten. Laut Staatsanwältin Anja Benner-Tischler sei es im August 2019 vor der Wohnungstür in einer Stadt im östlichen Landkreis zu Streit gekommen. Beteiligt waren fünf Personen. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, einem 46-Jährigen mit der Faust gegen die Stirn geschlagen zu haben. Als sich das Geschehen in den Flur der Wohnung verlegte, habe der 25-Jährige eine Statue genommen und damit den Geschädigten auf dem Kopf getroffen. Zudem wird der Angeklagte beschuldigt im April diesen Jahres an zwei Autos noch nicht zugelassene Kennzeichen angebracht zu haben. Die Polizei entdeckte die beiden parkenden Pkw an einem Straßenrand.

Der Angeklagte gibt vor Gericht vor, nicht viel zu dieser Angelegenheit sagen zu können. "Ich war nicht Zuhause und habe meiner Schwester mit einem Umzug geholfen." Es seien zwar seine Autos und Kennzeichen gewesen, jedoch hätte seine Frau die Zeichen angebracht. "Eine Polizeibeamtin hat angegeben, dass sie spontan geantwortet hätten, dass sie die Kennzeichen angebracht haben", wirft Richter Thomas Weiß ein. "Ich habe das definitiv nicht geäußert", antwortet der Angeklagte.

Der Richter fährt mit den Ereignissen von August 2019 fort. Der 25-Jährige äußerte sich zu dem Vorfall, dass er dort gewesen sei, um die Rücklichter eines Autos zu reparieren. "Danach haben wir ein Bier getrunken." Ebenfalls waren seine Frau und eine Freundin von ihr mit dabei. "Das Kind der Freundin sollte ins Bett gebracht werden. Es hatte aber Angst, dass es vom Freund der Mutter geschlagen wird." Im Anschluss überschlagen sich die Ereignisse. Gemeinsam mit seiner Frau und ihrer Freundin sei man nach oben gegangen, um mit dem Mann zu sprechen. "Er wollte aber nur, dass sich hier keiner einmischt." Der Freund habe aus der Tür geschlagen, seine Frau habe den Fuß in die Tür gestellt, bevor sie geschlossen werden konnte. "Es war nur noch ein Gerangel", sagt der Angeklagte.

Richter Thomas Weiß wollte wissen, was sich mit der Statue zugetragen hat. Der Angeklagte will sie nicht dem Geschädigten an den Kopf geschlagen haben. Ebenso habe er ihn auch nicht mit der Faust ins Gesicht getroffen. Als Zeuge schildert der 46-Jährige Geschädigte seine Perspektive. "Ich war bei meiner Freundin", erklärt er. Dort habe er zwei bis drei Bier getrunken. "Ich habe mitbekommen, dass jemand aufs Klo wollte." Dann habe es geklingelt und die Frau des Angeklagten den Fuß in die Tür gesteckt. "Ich bin dann zu der Tür und dann war ein Wortgefecht", erinnert sich der Zeuge. Die Leute vor der Tür kamen schließlich in den Flur der Wohnung. "Und plötzlich habe ich auf der Stirn eine rauf bekommen." Kurze Zeit später sei er von der Statue getroffen worden, die ihm ebenfalls auf den Fuß gefallen sei. "Ich glaube, dass es vom Angeklagten kam, da er einen extremen Wortlaut hatte." Gesehen habe er das aber nicht. Die Figur sei geworfen worden.

Ebenfalls sagt die Lebensgefährtin des Geschädigten aus. Ihr gehört die Wohnung, indem sich der Streit abspielte. Die 38-Jährige habe anfangs unten bei ihrem Stiefvater und ihrer Freundin mit ihrem Mann gesessen. Sie bestätigt größtenteils die Angaben ihres Partners. "Es ist alles durcheinander gegangen", sagt sie. Alle hätten sich beleidigt und mit Worten gestritten. "Hat auch jemand zugeschlagen", fragt Richter Weiß. "Der Angeklagte hat mir der Hand den Kopf von meinem Freund getroffen." Die Zeugin weiß aber nicht, ob es eine Faust oder die flache Hand war. "Ich hatte Angst, dass noch schlimmeres passiert." Ebenfalls habe sie nicht gesehen, wer die Statue gegen den 46-Jährigen geworfen hätte.

Richter Thomas Weiß legt eine kurze Pause ein. Verteidiger Tobias Konze berät sich mit dem Angeklagten. Im Anschluss an das Gespräch zeigte sich der 25-Jährige geständig in Bezug auf den Kennzeichenmissbrauch. Die Staatsanwältin stellt wiederum das Verfahren gegen vorsätzliche Körperverletzung ein. Richter Weiß begründet die Entscheidung damit, dass das Verschulden der Tat durch den Angeklagten gering erscheint und nur eine geringe Strafe zu erwarten wäre. Im weiteren Verlauf zeigt sich, dass der Angeklagte bereits ein längeres Vorstrafenregister hat. Als der Kennzeichenmissbrauch auffiel, steckte der 25-Jährige noch mitten in seiner Bewährung.

Hier noch eine andere Verhandlung vor dem Amtsgericht tirschenreuth

Tirschenreuth

In seinem Urteil legte sich Richter Weiß auf eine Geldstrafe fest. Er muss 30 Euro zu 80 Tagessätzen bezahlen. "Sie haben eingeräumt, an den Autos die Kennzeichen angebracht zu haben. Diese standen am Straßenrand wurden aber nicht bewegt." Jedoch sei der Angeklagte einschlägig vorbestraft, der Richter rät dem 25-Jährigen: "Jetzt muss Schluss sein. Das nächste Mal führt es an einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung nicht mehr vorbei." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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