12.07.2021 - 12:51 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wasser sparen, auch wenn Regen fällt

Eigentlich ist der Landkreis Tirschenreuth mit Wasser sehr gut versorgt. Doch der Rückgang des Grundwasserspiegels bereitet Sorgen. Daran ändern auch die Regenfälle der vergangenen Wochen nicht viel.

Das Gießen des Gartens und das Bewässern des Rasens sind bei der aktuellen Wetterlage zwar nicht so dringend nötig. Doch grundsätzlich sollte dafür kein wertvolles Trinkwasser geopfert werden.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

"(Grund)Wasserversorgung im Landkreis Tirschenreuth" war jetzt ein Thema im Kreistag Tirschenreuth. Max Wiederer vom Wasserwirtschaftsamt Weiden machte eindringlich darauf aufmerksam, wie wichtig der sorgsame Umgang auch in Zeiten stärkerer Niederschläge ist: "Wasser ist ein Geschenk der Natur. Aber man muss sich drum kümmern."

Im Landkreis Tirschenreuth setze man historisch bedingt auf Quellen. 290 davon würden für die öffentliche Wasserversorgung genutzt. "Das ist wahnsinnig viel", verdeutlichte Wiederer. Die geschützte Lage in Wäldern sorge für eine "Top-Qualität" mit meist wenig Einträgen von Pflanzenschutzmitteln. Quellen hätten allerdings den Nachteil, je nach hydrogeologischen Bedingungen mehr oder weniger Wasser zu schütten. "Wenn es weniger Niederschläge gibt, kann es sein, dass sie trocken fallen."

Dürreperioden nehmen zu

Das sei besonders ungünstig in den verbrauchsintensiven Sommermonaten. Zwar könne man das Defizit durch Entnahme von Grundwasser ausgleichen. "Aber neue Brunnen zu bohren, ist gar nicht so einfach. Wir dürfen nicht mehr rausholen, als oben reingeht", sprach er das Prinzip der Nachhaltigkeit an.

Wie sehr sich der Rückgang der Niederschläge schon auswirkt, zeigte Max Wiederer mit aktuellen Daten: Zwischen 1971 und 2000 betrug die Wassermenge in der Oberpfalz pro Jahr im Schnitt 793 Millimeter. Ein Rückgang von 11 Prozent sei allein zwischen 2016 und 2020 zu verzeichnen. "Die Wissenschaft ist sich einig, dass starke Niederschläge nicht viel helfen. Dürreperioden, die den Quellen wehtun, nehmen zu."

Neue Hochbehälter

Diese Entwicklung untermauerte der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes mit Daten zur Grundwasserneubildung aus Niederschlag. Oberpfalzweit gab es demnach einen Rückgang um 24 Prozent, im Landkreis Tirschenreuth teilweise sogar um 50 Prozent. "Bei 97 Quellen im Landkreis hatten wir vergangenes Jahr die niedrigsten Werte seit 2000. Da tut sich was." Der momentane Regen tue zwar der Vegetation gut, doch für die Neubildung von Grundwasser seien hauptsächlich die Wintermonate wichtig. Und da schaue es 2020/21 bis auf den Januar schlecht aus.

Max Wiederer mahnte zum sparsamen Umgang mit dem wichtigsten Lebensmittel, zum Beispiel beim Autowaschen, Sportplatz-Bewässern oder Toilettenspülen. "Und englischer Rasen – ob das so zukunftsträchtig ist?" Dringend empfohlen seien der Bau von Zisternen und die Schaffung von Rückhaltemöglichkeiten. Neben der Sicherung der Ressource Wasser gelte es, neue Verbindungsleitungen und Hochbehälter zu schaffen. Der Schulung des Personals vor Ort komme große Bedeutung zu.

Mehr Starkregenereignisse

Der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes empfahl den Kommunen dringend, sich auch um die teilweise über 100 Jahre alten Rohre zu kümmern. "Die Starkregenereignisse nehmen zu, das wird sich nicht ändern", kündigte er mit Blick auf Überschwemmungen wie kürzlich im Raum Kemnath und Kastl ein Sturzflut-Management mit Ermittlung der neuralgischen Punkte und entsprechenden Fördermöglichkeiten an.

Werner Ott (FDP) folgerte nach dem Vortrag: "Jeder Hausbauer sollte sich eine Zisterne richten." Ely Eibisch (Freie Wähler) sah die verantwortungsbewusste Arbeit der Landwirte durch die Qualität des Grundwassers bestätigt. Und Josef Schmidt (Grüne) sah den Klimawandel als zentrales Thema bestätigt. Eine große Aufgabe sei es, mehr Oberflächenwasser im System zu halten.

Uli Roth (SPD) sah beim Thema Wasserversorgung auch wichtige Anknüpfungspunkte für einen Klimaschutzmanager. Bernd Sommer (CSU) brachte als Vergleich die Bierpreise ins Spiel und stellte fest: "Beim Wasser wird immer um ein paar Cent diskutiert." Markus Remold (ÖDP) widersprach Matthias Grundler (Zukunftsliste), der für mehr Pragmatismus geworben und die bisherigen Erfolge bei der Wasserversorgung auch in der interkommunalen Zusammenarbeit herausgestellt hatte: "Es geht nicht um Panikmache, wenn man die Bürger auf die Folgen ihres Handelns hinweist."

In der Oberpfalz herrscht zunehmende Trockenheit

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Das ist Quell- und Grundwasser

  • Oberflächenwasser wie Regen sucht sich seinen Weg durch die Erd- und Gesteinsschichten, bis es auf eine undurchdringliche Schicht wie Lehm trifft. Dort sammelt sich das Wasser, bahnt sich seinen Weg an die Oberfläche zurück und tritt als Quelle aus dem Berg aus.
  • Grundwasser ist unterirdisches Wasser, das die Hohlräume (Poren, Klüfte, Höhlen) der Erdrinde zusammenhängend ausfüllt. Zur Gewinnung werden Brunnen genutzt, die das Wasser aus tieferen Schichten zu Tage fördern. Die Versorgungsunternehmen dürfen aber nicht beliebig viel entnehmen.
  • Der Einsatz von Chemikalien in Industrie und Haushalt, die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln und nitratreichem Dünger in der Landwirtschaft gefährden zunehmend das Grund- und Oberflächenwasser. (Quelle: Gesundheitsamt Tirschenreuth auf www.kreis-tir.de)
  • Im Landkreis Tirschenreuth wird als Trinkwasser ausschließlich Quell- und Grundwasser verwendet.

"Wasser ist ein Geschenk der Natur. Aber man muss sich drum kümmern."

Max Wiederer vom Wasserwirtschaftsamt Weiden

Max Wiederer vom Wasserwirtschaftsamt Weiden

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.