10.03.2021 - 12:07 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wartezeiten beim Impfen mit Kunst verkürzen

Der Kunstverein Tirschenreuth gestaltet die Impfstation im Kettelerhaus in Tirschenreuth mit Werken der Mitglieder. Die Idee dazu stammt von der KVT-Vorsitzenden Petra Schicker.

von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn die Leute nicht zur Kunst kommen können, kommt die Kunst eben zu den Leuten: Diese Redewendung hat sich der Kunstverein Tirschenreuth in Zeiten der Pandemie zu Herzen genommen.

Praktisch ausgeführt wurde das im Kettelerhaus, wo neun Künstlerinnen und Künstler aus dem Verein vor einigen Tagen Malereien an Stellwände installiert haben. Der Aktion, die dem Bürgermeister sofort zusprach, ging eine Anregung der KVT-Vorsitzenden Petra Schicker voraus. "Ich habe das in den Fernsehnachrichten gesehen, wo von Kunstwerken in einem Impfzentrum in Oberbayern die Rede war", erzählt Petra Schicker.

Sie habe die Idee an die Mitglieder weitergegeben und viel positive Resonanz bekommen, da es so gut wie keine Gelegenheit gibt aktuell, Kunst zu präsentieren. Danach war nur ein kurzer Amtsweg per Telefon zum Rathaus erforderlich, um von Franz Stahl grünes Licht zu bekommen. Keinerlei Einwände zu dieser Idee hatte auch das BRK, das im Impfzentrum die Verantwortung hat. Mit wenig Aufwand und natürlich unter strikter Einhaltung der Hygienebestimmungen konnten die Arbeiten der Künstler problemlos an die Stellwände des Museumsquartier angebracht werden.

Am Montagnachmittag schauten sich Stahl, Schicker, Markus Bergauer, Geschäftsführer der Stadtverwaltung, und Sven Lehner, stellvertretender Geschäftsführer des BRK, das Ergebnis an. Alle Beteiligten waren hochzufrieden mit diesem gemeinsamen Kulturbeitrag des "Dreigestirns BRK, Stadt und Kunstverein", wie es Stahl nannte.

Einfallsreicher Kunstverein

Das Stadtoberhaupt bedauerte es, dass die Kunst- und Kulturszene unter der Coronakrise leiden müsse und erinnerte an die Jahresausstellung 2020 des Kunstvereins, die aufgrund der Schließung des MQ niemand besichtigen konnte. Diese habe man wenigstens digital auf der Stadt-Homepage präsentieren können. "Aber es werden bei uns immer wieder Möglichkeiten gesucht, Kunst zu präsentieren", sagte er, stolz auf den Kunstverein seiner Stadt, dem immer wieder etwas einfalle, um die Werke seiner Mitglieder zu zeigen.

"Damit werden die Wartezeiten der Bürger, die hier aufs Impfen warten, gestaltet und verkürzt. Und die Künstler können sich wieder ein wenig zeigen", so Stahl. Er dankte der KVT-Vorsitzenden und nahm ihr Werk mit dem Titel "Wir waren jetzt doch noch in New York" zum Anlass, auf einige Themen der unterschiedlichen Werke einzugehen. Denn nach New York oder anderswo hinreisen, da waren sich alle Anwesenden einig, wolle jeder wieder einmal gern. Stahl dankte auch dem MQ-Team für die Mithilfe und insbesondere dem BRK für die Einrichtung und Betreuung des Impfzentrums im Kettelerhaus.

Werke von neun Künstlern

"Damit haben unsere Senioren nun kürzere Wege zum Impfen", nannte er nur einen Vorteil der neuen Einrichtung. Petra Schicker erklärte, dass sich immerhin neun Künstler Zeit genommen haben, das Impfzentrum mit ihren Exponaten dekorativ zu verschönern. "Wir Künstler sitzen jetzt auch nur noch in unseren Kammern und malen nur für uns allein", bedauerte sie ebenfalls den momentanen Zustand. Sie gebe die Hoffnung auf die geplante Mai-Ausstellung im Museumsquartier gemeinsam mit dem Kunstverein Lauf aber nicht auf.

Eine weitere Aktion des Kunstvereins

Tirschenreuth

Sehr schön fand auch Sven Lehner die Kunstwände in der Impfstation. Jetzt bekämen die Impfanwärter und die Impfteams Kunstgenuss zusätzlich, meinte er. Lehner sah die Idee der Tirschenreuther als Anregung für die weiteren Impfstationen im Landkreis, sich auch entsprechend kulturell darzustellen. Nicht nur die Impfanwärter haben etwas von den Malereien, die dem großen Kettelerhaussaal Farbe verleihen und ein wenig Wohlfühlatmosphäre schaffen. Stahl wies darauf hin, dass auch regelmäßig im Kettelerhaus Stadtrats- oder Ausschusssitzungen stattfinden. Die Werke der neun Künstler sind keinem Thema unterworfen, sondern wurden bunt gemixt ausgewählt. Zu sehen sind unter anderem Aquarelle, Öl- und Acrylmalereien, Mischtechnik und Collagen. Die nächsten Impfanwärter können sich die Zeit mit Betrachten der Bilder am 16. März vertreiben. Der gestalterische Beitrag der Künstler soll voraussichtlich bis 28. April im Kettelerhaus verbleiben. Gezeigt werden Werke von Petra Schicker, Rudolf Jäger, Anton Eichinger, Gislinde Ernst, Petra Gering, Kerstin Rumswinkel, Angelika Sticht, Ulla Britta Baumer und Tom Brankovic.

Brigitte Demmel widmet sich einer besonderen Art der schönen Künste: Der Kalligraphie.

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