30.06.2020 - 19:38 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Vor dem Verfall gerettet

Am Donnerstag fiel der Startschuss zur denkmalgerechten Sanierung der Arkaden. Auch das angrenzende Weinmann- und Prockl-Haus werden im gleichen Zug saniert. Im Sommer 2021 soll alles fertig sein.

Die Sanierung für Prockl- und Weinmann-Anwesen am Marktplatz sowie die Kaltsanierung der Arkaden werden gleichzeitig in Angriff genommen. Am Dienstag war Baubeginn am Gebäude-Komplex. Dabei waren Privatinvestor Bernhard Schön, Helmut Wolfrum von der Volks- und Raiffeisenbank Nordoberpfalz, Bürgermeister Franz Stahl, Stadtbaumeister Andreas Ockl, Architekt Peter Troppmann, Regina Harrer von der Regierung Oberpfalz und Kämmerer August Trißl (von links).
von Lena Schulze Kontakt Profil

"Dieser Gebäudekomplex hat über die Jahre für viel Diskussionsstoff gesorgt", erinnert sich Bürgermeister Franz Stahl. Viele verschiedene Eigentümer und Nutzer machten eine Entwicklung der historischen Bausubstanzen des Weinmann- und Prockl-Anwesens mit samt der Arkaden schwierig. Um den Baubeginn für die Sanierung zu ermöglichen seien viele intensive und unkonventionelle Gespräche nötig gewesen, sagt Stahl. Ursprünglich gehörte das gesamte Areal der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz. Die Stadt erwarb nach jahrelanger Diskussion die Arkaden, ein Privatinvestor die Anwesen Maximilianplatz 33 und 33a.

Sanierung nur zum Erhalt

In den 90ern habe es sogar schon einen Beschluss des Stadtrats gegeben, die Arkaden abzureißen, berichtet Stahl. "Ich bin froh, dass es nicht so gekommen ist." Die Stadt habe die Prämisse, kulturhistorische Bauwerke zu erhalten. Für die Arkaden steht nun eine Kaltsanierung an. Das bedeutet, dass sie nachher nicht genutzt werden können, die Sanierung dient nur dem Erhalt. Der Bürgermeister könne sich jedoch vorstellen, dass sie als Kulisse für historische Stadtführungen dient. Eine andere Nutzung sei schon allein wegen der niedrigen Deckenhöhe von 1,40 Metern schwierig.

In den Bögen der ehemaligen Gerberei seien Felle zum Trocknen aufgespannt worden. Im 18. und 19. Jahrhundert färbte die Tuchfabrik Mehler dort ihre Stoffe. Ein Drittel der Arkaden gehört noch Hausnummer Maximilianplatz 33, zwei Drittel erwarb die Stadt. Diese saniert allerdings das ganze Bauwerk für insgesamt 600 000 Euro. Die Maßnahme wird zu 90 Prozent von der Förderoffensive Nordostbayern bezuschusst.

2,2 Millionen für beide Gebäude

Das Prockl- und das Weinmann-Haus erwarb ein Privatinvestor von der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz. Der Investor saniert beide Anwesen. Im Erdgeschoss vergrößert sich Brunner-Café im denkmalgeschützten Prockl-Anwesen hinein in das Weinmann-Gebäude. Im Prockl-Haus entstehen im ersten Stock vier Wohnungen, im Weinmann-Gebäude Büroräume. Dafür greift der Investor tief in die Tasche. Die Kosten für das Prockl-Haus belaufen sich auf 900 000 Euro. Die Stadt zahlt 70 000 Euro dazu, Förderungen von der Bayerischen Landesstiftung, dem Bezirk und dem Landkreis gibt es in Höhe von 80 000 Euro.

Der Leerstand Weinmann-Anwesen ist kostenintensiver, weil das Baudenkmal erhebliche Schäden in der Substanz aufweist. 1,3 Millionen kostet die Sanierung. Auch hier gibt die Stadt 70 000 Euro dazu, weitere Förderungen in Höhe von 97 000 Euro seien beantragt. Die Planungen des gesamten Gebäudekomplexes übernahm das Büro "ost3-Architekten" aus Nürnberg. Die Arbeiten beginnen laut Architekt Peter Troppmann an allen drei Bauwerken gleichzeitig.

An den Arkaden müssen zunächst die Säulen und Stützen freigelegt und mit einem Betongurt stabilisiert werden. Die Stützbalken, die die Fassade des Bauwerks zusammenhalten, wurden in den 90er Jahren angebracht und sind teils schon morsch. Erst wenn die Statik der Arkaden gesichert ist, gehen die Arbeiten am Dachstuhl des sogenannten Frackdachs los.

"Wir möchten so viel Historisches erhalten wie möglich", sagt Troppmann über die Arbeiten am Weinmann-Anwesen. Der Kern des Ackerbürgerhauses stammt aus dem 16. Jahrhundert, der Rest aus dem 17. Jahrhundert. Zuletzt fand sich im denkmalgeschützten Gebäude der Schreibwarenladen Weinmann. Dann verkam das Anwesen zum Leerstand. Zwar müsste an dem Dachstuhl aus dem 18. Jahrhundert einiges ausgebessert werden, dafür sollen alte Dielenböden, Stuckdecken und Kellergewölbe erhalten bleiben.

Für die Maßnahmen im Prockl-Gebäude steht den Bauarbeitern nur ein kurzes Zeitfenster von sechs bis acht Wochen zur Verfügung. Der Bäckereibetrieb soll nur so kurz wie möglich geschlossen bleiben. Das Café und der Verkaufsraum werden ebenso neu gestaltet. Auch Balken am Dachstuhl werden ausgebessert und das Dach neu eingedeckt.

Nur ein Jahr Bauzeit

Bei schlechtem Wetter sollen die Arbeiten in den Innenbereich verlegt werden: Dort werden im Weinmann-Haus Zwischenwände eingezogen und die Versorgungsleitungen für Technik, Heizung, Lüftung und Sanitär komplett erneuert. Die Baufirmen für die Maßnahmen stammen alle aus der Region, betont Troppmann. Die Fertigstellung soll bereits im Sommer 2021 abgeschlossen sein, sind die Planer optimistisch. Ebenfalls soll der Platz zwischen Prockl-Haus, den Arkaden und der Marketingagentur C 3 - die Fläche gehört der Volksbank Raiffeisenbank - attraktiv gestaltet werden. Auch eine spätere Sanierung des Mehler-Stodls ist angedacht.

Vor einem Jahr entschied der Bauausschuss über die Revitalisierung des Weinmann-Anwesen

Tirschenreuth

Bei den historischen Arkaden steht eine Kaltsanierung an

Tirschenreuth
Architekt Peter Troppmann (links) vom Büro "ost3" aus Nürnberg erläutert die Baupläne für den Gebäudekomplex in der Tirschenreuther Altstadt. Bürgermeister Franz Stahl hört interessiert zu.
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