24.02.2020 - 17:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Verbale Ausraster bringen junge Frau vor den Richter

Eine 19-Jährige aus dem Landkreis Tirschenreuth soll ein gleichgeschlechtliches Paar in zwei Fällen beleidigt haben. Es sollen anfällige Worte gegen deren Homosexualität gefallen sein. Auch zwei Polizisten soll sie beleidigt haben.

Eine 19-Jährige aus dem Landkreis Tirschenreuth ist wegen Beleidigung in drei Fällen angeklagt. Anfang März soll das Urteil fallen.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Der Angeklagten wird Beleidigung in drei Fällen vorgeworfen. Eine 19-Jährige aus dem Landkreis Tirschenreuth soll im Juli 2019 eine Frau und ihre Lebensgefährtin aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verbal angegriffen haben. Das beschäftigt nun den Tirschenreuther Richter.

Die Angeklagte war gegen 1 Uhr in der Nacht zu Besuch bei einer Freundin. Beide sollen sich in deren Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Marktredwitz aufgehalten haben. Dabei sollen sie gelärmt, die Türen zugeschlagen und sich rücksichtslos verhalten haben. Richter Wolfgang Höreth kümmert sich um den Fall des Jugendschöffengerichts und muss nun herausfinden, welche Worte wirklich gefallen sind.

Wegen Sexualität beleidigt

Im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses soll es zur ersten Beleidigung gekommen sein. Die Nachbarin und ihre Lebensgefährtin hätten dort die junge Frau wegen des Lärms zur Rede stellen wollen und darauf hinweisen, dass sie schlafen wollten. "Wenn du die Polizei rufst, zeigt euch Homoschlampen auch gleich wegen Lesbizität an", soll die Angeklagte daraufhin zu der Nachbarin und der Lebensgefährtin gesagt haben. Und auch "du Lesbensau" soll die junge Frau gerufen haben. Eine der Geschädigten, die als Zeugin geladen war, schilderte ihren Standpunkt: "In der Wohnung der Nachbarin meiner Lebensgefährtin war es ewig laut. Wir wollten uns bei der Frau beschweren." Dann sei die 19-Jährige die Treppe heraufgekommen und habe das Paar beleidigt. Daraufhin habe man die Polizei gerufen.

Warum die Beleidigung gefallen sei, erklärte die 19-Jährige so: "Wir waren sauer, dass sie nicht erst zu uns gekommen sind. Sie hätten bei uns klingeln und uns bitten können, die Musik leiser zu drehen." Und gab zu: "Es kann schon sein, dass ich wegen der Homosexualität ein bisschen zu viel gesagt habe." Sie und ihre Freundin sollen in der Tatnacht auch Alkohol konsumiert haben. Die Angeklagte gab zu, dass sie zwei Flaschen Wein an einer Tankstelle gekauft hätten. Diese hätten sie in der Wohnung der Freundin getrunken. Den Alkoholpegel der Angeklagten bemerkte auch die Geschädigte: "Die junge Frau schien schon etwas angetrunken zu sein. Sie war sehr hibbelig, total aufgeregt und hat ständig gelacht", schilderte eine der beiden Frauen, die beleidigt wurden.

"Sehr unkooperativ"

Als zwei Polizisten am Tatort eintrafen, soll die 19-Jährige auch gegenüber ihnen ausfällig geworden sein. "Sie hat die Polizei als Wichser tituliert", erinnert sich die Zeugin. Das bestätigte auch einer der beiden Polizisten in der Verhandlung.

Entgegen der Behauptungen der jungen Frau, sie erinnere sich wegen ihres Alkoholkonsums an kaum etwas von der Tatnacht, sagte der Polizeikommissar: "Die junge Frau war noch bei Sinnen. Sie war nur etwas angeheitert und hatte keine starken Ausfallerscheinungen." Weiter sei die Angeklagte "sehr aufgedreht gewesen" und habe sich "sehr unkooperativ gezeigt". Auch daran, dass die Angeklagte "so etwas wie ihr scheiß Lesben" gesagt haben soll, erinnert sich der Polizist.

Auch der zweite Polizeibeamte schilderte als Zeuge seine Eindrücke: "Ich habe im Flur bereits laute Schreie gehört. Die Angeklagte war leicht alkoholisiert. Sie war aggressiv und weinerlich." Er vermutet, dass die junge Frau auch Betäubungsmittel konsumiert haben könnte. "Was wollt ihr denn mit den scheiß Wichsern", so der Polizeibeamte, habe die junge Frau "sehr laut und überzeugend" zu seinem Kollegen und ihm gesagt. Auf Nachfrage des Richters, ob sich die Angeklagte bei den Polizisten vor Ort entschuldigt habe, sagte der Beamte: "Eine eindeutige Entschuldigung habe ich nicht erkennen können."

Urteil im März erwartet

Zu einer dritten Beleidigung soll es im September gekommen sein. Die 19-Jährige sei wieder bei ihrer Freundin im Mehrfamilienhaus gewesen. Sie soll vom Fenster aus dem Paar zugerufen haben: "Du dumme Schlampe, ich fick' deine Mutter." Ob diese Worte tatsächlich gefallen sind, muss noch geklärt werden. Da die betroffene Zeugin am Tag der Verhandlung wegen Krankheit abgesagt hatte, gibt es einen weiteren Verhandlungstermin. Anfang März soll das Urteil fallen.

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