15.01.2021 - 16:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Überraschung zum 250. Geburtstag: Maurus-Fuchs-Altarbild aus Versenkung geholt

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Vor 250 Jahren wurde Kirchenmaler Maurus Fuchs in Tirschenreuth geboren. Passend dazu ist in Griesbach ein verschollen geglaubtes Werk des Künstlers aufgetaucht.

Kirchenpfleger Gerhard Hecht (im Bild) und Thomas Sporrer entdeckten das Altarbild des Maurus Fuchs auf dem Dachboden der Griesbacher Kirche. Den heilige Martin als Bischof hatte der Künstler Fuchs 1801 gemalt.
von tspProfil

1969 kam es an der Spitze der Pfarrgemeinde Griesbach zu einem einschneidenden Wechsel: Auf Pfarrer Johannes Seidl, ein Mann des Volkes, folgte der eher in sich gekehrte Kleriker Max Schultes. Seidl, der in und mit seinen Schäflein in Griesbach lebte, stand dort mitten im Leben: Er hat die CSU im Landkreis mitbegründet, war als deren Wahlkämpfer unterwegs, hat den SV Griesbach aus der Taufe gehoben, als Theaterregisseur gearbeitet, war nicht nur Pfarrer, sondern Freund der Griesbacher. Tote Dinge wie die Bausubstanz seiner Kirche und des Pfarrhofes spielten für ihn wohl weniger eine Rolle.

Max Schultes hingegen spürte seine Profession in der Schriftstellerei, am wohlsten fühlte er sich an seinem Schreibtisch. In seiner Gemeinde richtete sich sein Hauptaugenmerk über Jahrzehnte auf die Kirchenrenovierung.

Radikale Renovierung

Die war tatsächlich dringend notwendig und nicht einfach zu bewältigen: An Fassade und Dach musste massiv eingegriffen werden, um das höchstgelegenste Gotteshaus der Oberpfalz zu sanieren. Leider ging Schultes auch brachial in der Innenrenovierung vor. Da wurden Erinnerungstafeln verstorbener Griesbacher Krieger von der Wand gemeißelt, das alte Gestühl gnadenlos entsorgt und letztendlich 2007 auch die alten Hauptbilder vom Altar und den Seitenaltären ausgewechselt.

Gerade Letzteres hat aber auch viel Kopfschütteln hervorgerufen, zumal die neuen Altarbilder zwar schön bunt, aber doch wohl eher der schlichteren Art sind. Gemalen hat sie übrigens der Kunstmaler Reinhold Schultes, ein Bruder des Pfarrers. Was Schultes damals wahrscheinlich nicht wusste und was ihn vermutlich auch gar nicht interessierte: Er hat dabei unter anderem eines der ältesten erhaltenen Bilder des großen Stiftländer Kirchenmalers Maurus Fuchs entfernt: Sankt Martin als zentrales Altarbild der Griesbacher Kirche.

Das Bild hat er aber zum Glück nicht zerstören oder verkaufen lassen, sondern ins "Depot" gestellt. Und genau diesen alten Meister haben wir (Thomas Sporrer und Kirchenpfleger Gerhard Hecht) im Dezember 2020 unter dem Kirchendach wiederentdeckt - aber nicht nur: Angeregt durch einen Bericht über die Griesbacher Kirche im "Neuen Tag" und einer Replik von mir, einem ehemaligen Griesbacher, kam Kirchenpfleger Hecht ins Grübeln. Er nahm über meinen Bruder Kontakt zu mir auf, schließlich machten wir uns im Dezember auf die Suche nach den abgeschobenen Altarbildern.

Es geht unters Kirchendach

Der Weg ins "Depot" führte zunächst durch die Kirche, durch eine niedrige Tür in die Sakristei. Vor 50 Jahren habe ich dort meinen Dienst als Ministrant versehen. Über eine knarrende Treppe hinter einer hölzernen Türe ging es hinauf auf den Dachboden. Im ersten Stock war viel Krimskrams, wie Fahnen, Taufkessel und Kerzen, aber der Weg führte uns weiter nach oben, bis unters Dach. Dort oben ist es dunkel und kühl, nur ein kleines Dachfenster lässt Licht in den Raum, zwischen den Dachbalken ist keinerlei Dämmung erkennbar. An der Wand zum Kirchenschiff mit dem Rücken zum Betrachter lehnten auch einige große Rahmen, erkennen konnte man noch nichts: Sie waren abgedeckt mit einer dünnen Plastikfolie.

Vorsichtig zogen wir die Folie weg und klappen die leinwandbestückten Rahmen langsam um. Und tatsächlich: Der Sankt Martin von Maurus Fuchs war noch da. Er hat auf uns gewartet, über 13 Jahre lang. 1801 gemalt, wird das Kunstwerk heuer genau 220 Jahre alt.

Maurus Fuchs, damals gerade 30 Jahre alt, hat es in der frühen, ersten Schaffensphase, seiner "Stiftländer Zeit", gemalt. Das Bild ist etwa 2 Meter hoch und 1,20 Meter breit. Es stellt den heiligen Martin als Bischof ohne Mitra dar. Ein Engel über ihn deutet mit dem Finger nach oben, wahrscheinlich soll er in den Himmel aufgenommen werden. Dafür spricht auch das kleine, unscheinbare Fenster im Bild auf der linken Seite, das seine bekannteste Tat zeigt: Die Teilung des Mantels mit dem Bettler. Martin selbst deutet mit dem Zeigefinger der linken Hand nach unten auf den vor ihm liegenden Bettler, blickt aber auch in den Himmel, als wolle er sagen: "Und wer kümmert sich jetzt um die Armen?"

Restaurierung nötig

Das ist typisch für den Maler Maurus Fuchs: die verklärten Blicke des Heiligen und zweier Bettler im Vordergrund. Dort zu sehen sind auch Schüsseln der Bettler, die sonst beim Maler oft üblichen Krüge wären hier wohl fehl am Platz. Das Bild ist auf der Vorderseite nicht signiert, die Hinterseite kann leider nicht begutachtet werden, da die Leinwand bei einer unbekannten, früheren Kirchenrenovierung auf eine etwa zwei Zentimeter starke Sperrholzplatte aufgeklebt worden ist. Ein Umstand, der bei einer hoffentlich bald folgenden, durchaus notwendigen Restaurierung sicher noch eine Rolle spielen wird.

Aber noch eine Überraschung wartete auf uns "Kirchen-Forscher": Auch die beiden großen Bilder der Seitenaltäre sind noch da, der heilige Josef und die Gottesmutter Maria. Die wurden zwar "erst" 1892 von dem Tirschenreuther Maler I. Aichlmayr gemalt, sind aber auch schon fast 130 Jahre alt.

Der Zustand der Bilder ist nicht besonders gut, aber auch nicht so schlecht, wie der Fundort vermuten lässt. Das Bild der heiligen Maria ist stärker betroffen, es lehnte an der Innenwand und wurde so wahrscheinlich schlechter belüftet. Detailaufnahmen lassen starke Schäden auch auf der Rückseite erkennen.

Highlight der Ausstellung

Auf dem Weg nach unten machten wir eine weitere Entdeckung: Ich wollte unbedingt das Bild an der Kanzeltür fotografieren. Die Tür selbst war etwas sperrig, denn sie wird auch kaum mehr benutzt. Aber sie ging dann doch auf. Auf der Holztür ist ein Bild, das Maurus Fuchs besonders liebte und auch oft gemalt hat: "Jesus als der gute Hirte". Es strahlt einem in einer sehr schönen und ausdrucksstarken Fassung entgegen. Das Bild selbst ist vom Kirchenschiff nicht vollständig einsehbar, um die ganze Schönheit zu erfassen, muss man schon auf der Kanzel stehen.

Wie geht es jetzt mit diesen Bildern weiter? Gerhard Hecht möchte sie zunächst gerne restaurieren lassen und dann diese Schätze wieder an alter Stelle in der Kirche an den Altären installieren, zugänglich für alle Besucher. Er ist davon überzeugt, dass die weiteren Verantwortlichen in Griesbach dem zustimmen würden. Zunächst will er Kontakt zur Denkmalpflege aufnehmen, um zu klären, wie und wo dies vonstattengehen und ob man auch Zuschüsse generieren kann.

Sollte es möglich sein, würde der Kirchenpfleger das Altarbild des Maurus Fuchs auch gerne in der Ausstellung zum 250. Geburtstag von Maurus Fuchs in Tirschenreuth sehen. Es wäre das Highlight der Ausstellung, die von Juni bis August 2021 laufen soll. Ein Doppeljubiläum sozusagen: der Meister wird 250, sein Frühwerk 220 Jahre.

Hintergrund:

Das Leben des Kirchenmalers Maurus Fuchs

  • Wolfgang Maurus Fuchs, genannt Maurus Fuchs, wurde am 16. Januar 1771 in Tirschenreuth geboren.
  • Fuchs war der Sohn des Malers Vitus (Fux) Fuchs und erlernte bei seinem Vater das Handwerk der Malerei. Schwerpunkt der gemeinsamen Tätigkeit war das Stiftland.
  • Später ging Fuchs ins Egerland, wo er zahlreiche Fresken schuf, darunter 1816 im Stift Tepl und 1827 im Franziskanerkloster Tachau.
  • Maurus Fuchs ist am 27. Juni 1848 in Tirschenreuth gestorben.

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