12.05.2021 - 14:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Über 500 Schüler aus Landkreis Tirschenreuth frisch motiviert für berufliche Zukunft

Das Netzwerk Schule-Wirtschaft Bayern und das Bayerische Wirtschaftsministerium veranstalteten einen virtuellen Motivationstag für Schüler und Eltern im Landkreis Tirschenreuth. Dabei gab es Tipps für die Bewerbung und interaktive Übungen.

Gabriele Büth und Katrin Peter vom Netzwerk Schule-Wirtschaft Bayern (oben Mitte) moderierten den Motivationstag für Schüler und Eltern. Bei der Podiumsdiskussion am Abend waren Vertreter der Schulen, Schülersprecher und der regionalen Wirtschaft dabei.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Über 700 Teilnehmer, darunter 500 Schüler, waren beim Online-Motivationstag für berufliche Bildung dabei. "Wir wissen nicht, wie viele in der Leitung sind", sagte Katrin Peter am Vormittag. Sie und ihre Kollegin Gabriele Büth moderierten die Veranstaltung für das Netzwerk Schule-Wirtschaft Bayern von München aus. Beide fanden es schade, wegen der Pandemie nicht direkt vor Ort sein zu können. Obwohl es manchmal etwas mit der Internetverbindung ruckelte, konnten die Jugendlichen im Klassenverbund oder von Zuhause aus an interaktiven Vorträgen teilnehmen.

Unter anderem konnten sie sich durch 20 Workshops von verschiedenen Unternehmen aus der Region schnuppern. Wie das Netzwerk mitteilt, waren via Live-Stream auch Betriebsbesichtigungen und der Austausch mit Auszubildenden möglich. Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und die Agentur für Arbeit gaben Tipps rund um das Thema Bewerbung. Ein Höhepunkt war die virtuelle Begegnung mit dem Motivationstrainer und früheren Tennisprofi Steffen Kirchner. Er ermutigte die Jugendlichen in einem einstündigen Vortrag, selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen.

Beruf sollte Spaß machen

Anhand von Beispielen aus seinem eigenen Leben und dem Profisport erklärte Kirchner, wie es möglich sei, sich eine glückliche Zukunft zu gestalten. "Wer erfolgreich ist, macht ein bisschen was anders." Er zeigte den Schülern sein Übertrittszeugnis für die Realschule. Nach der Grundschule ging es für ihn auf die Hauptschule. "Für das Gymnasium war ich viel zu faul", gab er zu. Über den Bildschirm teilte er die damalige Beurteilung: "Die sprachliche Begabung entspricht dem Durchschnitt."

"Heute halte ich Vorträge und ich habe eine Reichweite von über einer Millionen Menschen im Monat." Zusätzlich gründete der Niederbayer aus Vilsbiburg ein Unternehmen und schrieb Bücher. "Ich will euch zeigen, wie ihr mehr aus euch rausholt", betonte er. Kirchners Empfehlung lautete, dass der Beruf Spaß machen sollte. " Ich hatte keinen Spaß an dem Leben als Tennisprofi." Er interessierte sich mehr für Psychologie: "Also bin ich Sportpsychologe geworden."

Aber es gibt auch immer wieder Tätigkeiten, die mal keine Freude bereiten. "Wie kann man sich dafür motivieren?" Dafür brauche es Willenskraft, Disziplin und Durchhaltevermögen. "Da stecken mentale Muskeln dahinter. Die trainiert man damit, indem man etwas macht, das einem mal nicht so gefällt." Wichtig sei, sich das eigene Ziel vorzustellen. "Wie stellst du dir das Leben in fünf oder zehn Jahren vor?" Kirchner verglich die Situation mit dem Besteigen eines Berges. "Um das Ziel zu erreichen, brauche ich einen Plan und auch Etappenziele." Es sollte messbar und motivierend sein.

"Jeder hat Fähigkeiten"

Kirchner berichtete, dass seine Mutter Alkoholikerin war. "Ich stand an ihrem Krankenbett, als sie deswegen starb." Das geschah in seiner Tenniskarriere. "Dann habe ich beschlossen, dass ich Menschen erreichen will." Ihm fehlte Selbstvertrauen und er hatte Angst, vor Menschen zu reden. "Dann habe ich jeden Tag 30 Minuten einen Vortrag in eine Videokamera gesprochen." Sein Rat: "Habt den Mut, euch Dinge zu trauen. Jeder hat Fähigkeiten, nutzt das Ganze."

Katrin Peter las am Ende des Vortrags eine Frage aus dem Chat vor: "Wie fühlt es sich für dich heute an, mit solchen Dingen zu arbeiten? Hast du keine Zweifel?" Kirchner antwortete: "Ich habe vor jedem Vortrag Zweifel. Wenn es etwas Angst macht, ist es normal. Es fühlt sich aber gut an, etwas Sinnvolles zu machen." Für die Eltern ging die Veranstaltung am Nachmittag weiter. Die Organisatoren luden zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Heimat mit Zukunft?!" ein. Katrin Peter stellte verschiedene Fragen an die Teilnehmer der Diskussion.

Unter anderem wollte sie von Tim Domeyer, Schülersprecher aus der 9. Klasse der Mittelschule Kemnath, wissen: "Wie hat sich für Jugendliche die Situation im Hinblick auf die berufliche Bildung verändert?" Tim erklärte, er sei froh, im Landkreis Tirschenreuth aufgewachsen zu sein. "Auch die digitalen Ausbildungsmessen waren bei uns sehr gefragt." Diese seien aber nicht mit Präsenzveranstaltungen zu vergleichen. Er konnte noch im Herbst ein Praktikum machen, um sich zu orientieren. Anderen Mitschülern fehle diese Möglichkeit in der Coronakrise. Für Tim ist klar: "Ich möchte in meiner Heimat einen Beruf haben." Benedikt Stark sprach als Bezirksschülersprecher an den Gymnasien für die Oberpfalz. Auch bei ihm spielt Heimat eine wichtige Rolle. "Es geht für mich aufs Abitur zu. Ich möchte danach studieren. Nach dem Studium, möchte ich aber wieder zurück und hier eine Familie gründen", sagte er. "Was wünscht du dir für die Zukunft?", fragte Katrin Peter. "Alle vermissen Veranstaltungen, Feste oder in Clubs zu gehen. Ich wünsche mir, dass Jugendliche auch nach der Pandemie in Zukunft wieder Spaß haben können."

Praktika sind wichtig

"Das Feeling im Betrieb kann man digital nicht rüberbringen."

Schott-Standortleiter Stefan Rosner

Der Standortleiter der Schott AG, Stefan Rosner, hatte Verständnis für die Jugendlichen. Angebote wie digitale Schulstunden mit Lehrern und Auszubildenden in einer Schulklasse kämen gut an. Aber auch er hofft, dass die Pandemie bald vorbei ist und Präsenzveranstaltungen wie Praktika oder Betriebsbesuche wieder möglich werden. "Das Feeling im Betrieb kann man digital nicht rüberbringen." Jürgen Bayer von der Mittelschule in Tirschenreuth berichtete, wie die Berufsorientierung an seiner Schule aussieht. "Für uns ist es wichtig, auf die sich verändernden Bedingungen in der Arbeitswelt einzustellen und die Schüler dafür fit zu machen." Auch über das digitale Lernen sei es gelungen, wichtige Kompetenzen zu fördern.

Wie nehmen Schüler die Coronakrise wahr? Zwei Schülersprecher aus dem Landkreis Tirschenreuth berichten.

Tirschenreuth
Der Screenshot zeigt den Live-Stream zum Motivationstag für Schüler vom Netzwerk Schule-Wirtschaft Bayern. Rechts im Bild ist Motivationstrainer Steffen Kirchner zu sehen.
Service:

Tipp für die Berufsfindung von Motivationstrainer Steffen Kirchner

  • Steffen Kirchner rät den Schülern, eine Liste mit zwei Spalten auf ein Blatt Papier zu schreiben.
  • Spalte 1 mit Freuden: "Hier kommt alles rein, was dir Freude bereitet und für was du bereit bist, Zeit zu investieren." Beispiele: Musik hören, Filme schauen, Computerspiele.
  • Spalte 2 mit Stärken: "Was kann ich gut?" oder "Was könnte ich gut?" Beispiele: Sprachen lernen, Rechnen, Fußball spielen.
  • Bei jeder Spalte sollte man 15 bis 20 Punkte aufschreiben.
  • Die Liste muss nicht an einem Tag entstehen. "Du kannst auch mit Freunden darüber sprechen und dir Inspirationen holen", rät Kirchner.
  • Wenn man fertig ist, sollten drei Punkte auf jeder Seite eingekreist werden, die für einen selbst besonders herausstechen. "Das ist ein Hinweis auf deinen Beruf."
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