05.03.2020 - 17:46 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Totes Baby in Tirschenreuth: Erinnerungen an den Fall Lea werden wach

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Großes Entsetzen herrscht in der Region nach dem Tod des drei Monate alten Babys in Tirschenreuth. Schon vor zehn Jahren sorgte ein Kindstod in der Kreisstadt für Aufregung.

Nach einem Notruf war am Mittwoch, 26. Februar, in einer Wohnung in der Kreisstadt Tirschenreuth der unterernährte Leichnam eines Mädchens gefunden worden.
von Martin Maier Kontakt Profil

Nur wenige neue Erkenntnisse gibt es zum Tod des Säuglings. Fest steht aber: Es bestand keinerlei Kontakt zum Jugendamt. "Der Fall war dem Jugendamt nicht bekannt. Und auch die Familie wurde nicht durch das Jugendamt betreut", erklärte Wolfgang Fenzl, Sachgebietsleiter der Hauptverwaltung, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Damit können Parallelen zum Fall Lea ausgeschlossen werden: Vor zehn Jahren starb in Tirschenreuth die zweijährige Lea, weil sie vernachlässigt wurde. Damals hatte das Jugendamt Versäumnisse eingeräumt, da trotz Hinweis kein Hausbesuch durch die Behörde erfolgt war (Hintergrund).

Zu dem aktuellen Fall machte das Polizeipräsidium Oberpfalz am Donnerstag auf Nachfrage kaum neue Angaben. Sprecher Florian Beck erklärte, dass das Baby in der Oberpfalz geboren wurde. "Und meines Wissens gab es nach der Geburt auch noch Kontakt zu einer Hebamme." Trotzdem kam es zu der unvorstellbaren Entwicklung.

Am Mittwoch, 26. Februar, war nach einem Notruf in einer Wohnung in Tirschenreuth der unterernährte Leichnam eines Mädchens gefunden worden. Seither ermitteln Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Weiden gegen die 25-jährige Mutter wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt. Der Säugling war unterversorgt und dehydriert. Es stehen noch Ergebnisse einer feingeweblichen Untersuchung aus. "Nach unseren Erfahrungswerten dauert es zwischen drei und sechs Wochen, bis diese vorliegen", so Beck. Die Ermittler erhoffen sich davon Erkenntnisse über die genaue Todesursache.

Gegen die 25-Jährige ist Haftbefehl erlassen. Sie ist aufgrund "psychischer Beeinträchtigung" in einer Fachklinik untergebracht. Über die Spanisch sprechende Frau hat die Polizei bisher nicht mehr Angaben veröffentlicht.

Erster Bericht zum Tod des drei Monate alten Babys:

Tirschenreuth
Hintergrund:

Schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen

Ende März 2010 sorgte der Fall Lea für Entsetzen in der Region. Das zweijährige Mädchen starb in Tirschenreuth, weil es vernachlässigt wurde. Erst als die kleine Lea leblos in ihrem Bett lag, rief die 21-jährige Mutter den Notarzt. Bei der Obduktion der Leiche stellten die Mediziner Unterernährung, Flüssigkeitsmangel und diverse Erkrankungen fest. In der Vergangenheit hatte sie bereits eine Hirnhautentzündung, die ebenso wie die später tödliche Lungenentzündung nicht behandelt wurde. Bei ihrem Tod wog das Mädchen gerade einmal 8,2 Kilogramm, normal wären etwa 14 Kilo gewesen.

Die Mutter des Mädchens musste für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Die 1. Jugendkammer des Landgerichts Weiden verurteilte im September 2010 die junge Frau wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen, Verletzung der Fürsorgepflicht und gefährlicher Körperverletzung. Damals geriet auch das Jugendamt ins Kreuzfeuer: Nachbarn hatten die Behörde bereits ein halbes Jahr vor dem Tod Leas auf mögliche Probleme in der Familie hingewiesen, doch den fälligen Kontrollbesuch unterließ die Behörde. Das zuständige Landratsamt räumte den Fehler ein. Der Besuch sei "aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen" unterblieben, hieß es in einer drei Tage nach Leas Tod veröffentlichten Erklärung. Das Landratsamt Tirschenreuth ahndete die Versäumnisse intern mit Abmahnungen. (rti)

Bericht zum Fall Lea

Gerichtsurteil im Fall Lea

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.