06.06.2019 - 11:32 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuther Teichpfanne: Wasser, Wald und Wildnis

„Land der tausend Teiche“, so wird die Teichpfanne im Landkreis Tirschenreuth genannt. Richtig gut sehen kann man die vielen Gewässer aber nur von oben, zum Beispiel von der Himmelsleiter aus.

Die Himmelsleiter am Vizinalbahnradweg.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Ziel unserer heutigen Wanderung ist das Naturschutzgroßprojekt „Waldnaabaue“ in der Großen Teichpfanne zwischen Tirschenreuth, Falkenberg Wiesau und Mitterteich: eine der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Ein Naturdorado, das von keinen öffentlichen Verkehrswegen durchschnitten wird, ein buntes Mosaik aus Wasser, Wald und Wildnis.

Route:

Die Tour ist mit Alternativtrasse 6,8 Kilometer lang. Man braucht dafür etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Wer nur die kurze Runde macht, ist etwa 4,4 Kilometer unterwegs und sollte eineinhalb bis zwei Stunden einplanen. Wer lieber Rad fährt, kann den Vizinalbahnradweg von Wiesau aus in Angriff nehmen. Bis zur Landesgrenze nach Bärnau sind es 28 Kilometer. Tirschenreuth liegt etwa auf halber Strecke.

Schon vor rund 1000 Jahren sind hier die ersten Fischteiche angelegt worden. Heute ist die Waldnaabaue ein Tummelplatz seltener Tiere und Pflanzen. Trotzdem sollte man nicht der Versuchung erliegen, die ausgeschilderten Routen zu verlassen. Denn auch von den Wegen aus gibt es für Tier-und Pflanzenfreunde genug zu sehen.

Attraktion am Vizinalbahnweg

Die Himmelsleiter ist die Attraktion in diesem Gebiet. Sie steht direkt am Vizinalbahnradweg, einer ehemaligen Bahntrasse zwischen Wiesau und Tirschenreuth, die zum Wander- und Radweg umgebaut worden ist. Vizinalbahnen nannte man früher in Bayern kleinere Bahnstrecken, die sehr sparsam konzipiert waren und vor allem zur Erschließung des ländlichen Raums gebaut wurden. Im November 1872 wurde die Bahn zwischen Wiesau und Tirschenreuth eröffnet. Später verlängerte man die Strecke dann auch noch bis nach Bärnau. Züge fahren hier schon lange keine mehr. 1989 wurde der Verkehr aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. 2005 kam man auf die Idee, aus der Strecke eine Freizeittrasse zu machen, schon im nächsten Jahr war Spatenstich.

Die Himmelsleiter ist immer wieder ein Motiv für faszinierende Stimmungsbilder.

Wege aus allen Himmelsrichtungen

Man kann die Himmelsleiter nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Hier hat man aber die Qual der Wahl. Aus allen Himmelsrichtungen führen schöne Wege zu diesem beliebten Ausflugsziel. Eine Karte braucht man dazu eigentlich gar nicht. Die Strecken sind gut ausgeschildert.

Wir nehmen den Weg von Tirschenreuth aus in Angriff. Am Ende der Kornbühlstraße gibt es unterhalb der Firma Hamm, einem Global Player, der in alle Welt Straßenwalzen verkauft, einen kleinen Wanderparkplatz, auf dem wir unser Auto abstellen können. Von dort führt der Spazierweg „Grüne Strecke“ steigungsfrei schnurstracks ins Naturschutzgebiet Waldnaabaue und zur Himmelsleiter. Der kurze Rundweg beträgt etwa 4,4 Kilometer. Mit der alternativen Erweiterungsrunde sind es 6,8 Kilometer. Wem das zu kurz ist: Der Rundkurs lässt sich bequem in alle Himmelsrichtungen ausdehnen.

Die Himmelsleiter kann man nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen.

Verpflegung einpacken

Gleich am Beginn der Strecke befindet sich ein kleiner Rastplatz mit Ruhebank und Tisch und einem Info-Turm. Ein guter Tipp für die Rückkehr. Denn unterwegs gibt es leider keine Einkehrmöglichkeit. Es ist also Rucksackverpflegung angesagt. Wenn man die Brotzeitpause ans Ende der Tour legt, muss man die Sachen nicht durchs ganze Naturschutzgebiet schleppen und kann sich selbst am Schluss mit kühlen Getränken aus der Kühltasche im Auto verwöhnen.

Doch erst einmal heißt es Augen auf. Basaltsteine rechts und links der wassergebundenen Oberfläche verraten immer wieder mal, dass wir auf einem alten Gleisbett unterwegs sind, dass früher hier Dampfloks unterwegs waren. Die Natur ist derzeit dabei, sich auch diese Reste des Gleisbetts zurückzuerobern.

Gastronomie:

Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Das direkt am Weg gelegene Café „Zeitlos“ gibt es leider nicht mehr. Es ist geplant, demnächst ein „Picknick-Kerwl“ für unterwegs einzuführen. Bis es soweit ist, wird zu Rucksackverpflegung geraten. In Tirschenreuth selbst gibt es zahlreiche gute Gaststätten, in denen man die Tour ausklingen lassen kann.

Brückner & Brückner: Renommierte Architekten

Dann taucht sie vor uns auf: die Himmelsleiter. Das renommierte Tirschenreuther-Würzburger Architekturbüro Brückner & Brückner hat diesen ungewöhnlichen Aussichtsturm konzipiert. Zwei Treppen führen nach oben: eine aus Richtung Tirschenreuth und eine aus Richtung Wiesau. Diese gegenläufige Anordnung von Auf- und Abstieg ergibt eine schlanke Torsituation, die zum Portal für Wanderer und Radfahrer wird. Der Weg führt direkt unter der Himmelsleiter hindurch.

Nun ja zugegeben, der Begriff Himmelsleiter ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Schließlich ist das Bauwerk mit den schmalen Stahlstützen „nur“ etwa 30 Meter hoch. Doch das reicht, um einen wunderschönen Blick über die Gewässerkette zu erhalten. Dafür wird beim Begriff „Land der tausend Teiche“ ganz schön untertrieben. Insgesamt sind es nämlich rund 4000 Teiche, die es hier gibt. Allein die große Tirschenreuther Teichpfanne umfasst circa 2500 Gewässer im Osten des Landkreises Tirschenreuth, viele davon sind uralt. Vor über 1000 Jahren begann man damit, auf dem sumpfigen Gelände künstliche Gewässer anzulegen. Experten gehen davon aus, dass dies damit die teichwirtschaftlich älteste Region Europas ist. Vor allem der Karpfen spielt eine große Rolle. Er ist der Brotfisch der Region.

Die Vielzahl der Teiche kann man nur von oben gut sehen.

Viele Info-Points

Wer mehr über das Naturschutzgebiet wissen will, wird unter der Himmelsleiter fündig. Zwischen den schlanken Stahlstützen sind nämlich Info-Points versteckt, die viel über die Tiere und Pflanzen, die Geologie und natürlich die Teichwirtschaft in der Waldnaabaue verraten.

Einige hundert Meter nach der Himmelsleiter verlassen wir am Ende der Teichkette den Vizinalbahnradweg: entweder nach rechts in nordwestliche Richtung, wenn wir noch die Alternativschleife anhängen oder nach links in südöstliche Richtung, wenn wir bereits jetzt wieder Richtung Tirschenreuth marschieren wollen. Keinesfalls sollte man aber versäumen, vorher noch ein paar Extra-Meter zu machen, um der etwa 100 Meter entfernten Heusterzbrücke am Vizinalbahnradweg einen Besuch abzustattet – dem Brücken-Pendant der Brückner-Architekten zur Himmelsleiter. Die Brücke nimmt die Wellenform des Wassers auf und erinnert doch irgendwie auch an die Zeit der Dampfloks. Und sie gewährt durch ihre ungewöhnliche Rahmenkonstruktion ganz neue Sichtweisen in die Natur.

Anfahrt:

Wer nach Tirschenreuth will, muss wohl mit dem Auto anreisen. Am schnellsten ist die Kreisstadt über die A 93 zu erreichen. Von der Ausfahrt Falkenberg aus sind es noch gut zehn Minuten in die Kreisstadt. Der Weg zum Wanderparkplatz zweigt gleich am Ortsteingang ab und ist ausgeschildert.

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