28.04.2021 - 16:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Testpflicht, Distanzunterricht und Abitur: Die Coronakrise aus Sicht der Schüler

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Corona hat dieses Schuljahr enorm geprägt. Benedikt Stark und Tristan Hagspiel sind Schülersprecher am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth und erzählen Oberpfalz-Medien von ihren Erfahrungen und was sie sich für die Zukunft wünschen.

Benedikt Stark (Q11, links) und Tristan Hagspiel (Q12) stehen vor dem Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth. Beide sind froh, dass wieder Präsenzunterricht stattfinden kann.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

"Als ich hörte, dass wir wieder in den Präsenzunterricht zurück dürfen, habe ich direkt Luftsprünge gemacht", sagt Erster Schülersprecher Benedikt Stark vom Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth. Genauso erging es seinem Stellvertreter Tristan Hagspiel: "Ich habe mich richtig auf die Schule gefreut", sagt er. Beide sprechen mit Oberpfalz-Medien über ihre Wahrnehmung auf die aktuelle Coronasituation und erzählen, wie es ihnen in den vergangenen Wochen und Monate in der Oberstufe ergangen ist.

Prüfungen ein Privileg

Tristan ist im Abschlussjahrgang der Q12. Wegen Corona mussten er und seine Mitschüler in diesem Jahr auf viele Dinge verzichten: keine Abifahrt oder Q-Feten. "Vermutlich wird es auch keine große Verabschiedung nach dem Abi geben." Das alles seien für ihn aber kleine Probleme. Der 19-Jährige aus Krummennaab empfindet es als Privileg, überhaupt an den Abschlussprüfungen teilnehmen zu können. "Wenn wir den Abschluss ohne Prüfung gemacht hätten, wäre unser Jahrgang, glaube ich, nicht mehr für voll genommen worden." Am 12. Mai geht es los mit dem Deutsch-Abitur. "Ich wünsche mir faire Prüfungen und, dass der Abschluss genauso anerkannt wird wie andere Abis davor." Für das Abi selbst fühlt sich Tristan gut vorbereitet. Nach der Schule wird er ein Jahr zur Bundeswehr gehen.

Der 17-jährige Benedikt aus Waldsassen schreibt die Prüfungen erst im nächsten Jahr. Nach dem Abi will er Jurist werden. Er erklärt: "In manchen Sachen kommt man mit, in anderen gibt es Schwierigkeiten." So seien Fächer wie Mathe schwer über den Online-Unterricht zu verstehen. "Rechenwege können nicht auf die gleiche Weise gemeinsam erarbeitet werden wie in Präsenz", sagt er. Im Distanzunterricht fehlten den Schülern am meisten die sozialen Kontakte. "Man sieht seine Freunde sonst fünf Tage die Woche und dann sind sie auf einmal weg", sagt Benedikt.

Schule hat eigenes Programm

Er und Tristan bescheinigen, dass der Online-Unterricht seitens des Gymnasiums gut funktioniert habe. "Die Fächer hatten wir fast alle nach dem regulären Stundenplan. Arbeitsmaterialien gab es online", sagt Tristan. Benedikt ergänzt: "Lehrer standen für Fragen zur Verfügung, und waren 24 Stunden an 7 Tagen der Woche erreichbar. Das ist schon wertzuschätzen."

Die meisten Lehrer hätten auf die Notengebung in dieser Zeit verzichtet. Benedikt besucht den Theaterkurs. "Wir hatten eine Onlineprüfung. In einer Gruppe von vier Leuten haben wir einen Text in eine Szene umgesetzt." Lehrer und Datenschutzbeauftragter Martin Putzlocher hat für die Schüler sogar eine eigene Lernplattform erstellt. "Updates dafür wurden zum Teil um 3 Uhr in der Nacht aufgespielt", weiß Benedikt. Die Schule hat einen eigenen Server eingerichtet. "Schon nach der ersten Schulschließung hat das Programm funktioniert." Auf einem Tablet zeigt Tristan, wie sich darin die Kurse auswählen lassen, wo Materialien hinterlegt sind. Für Schüler gibt es einen Chat und ein personalisierter Kalender zeigt Termine an. Benedikt ist überzeugt, dass das Programm auch nach der Pandemie noch weiter Verwendung finden wird. "Man braucht hier keine Angst haben, dass etwas gehakt wird."

Die Schule nutzt "BigBlueButton" für Videokonferenzen. "Ich habe von Freunden mitbekommen, dass andere Schulen auf Mebis zurückgreifen. Das Programm ist sehr instabil." Selbst bei Wechselunterricht könne bei "BigBlueButton" problemlos von der Klasse der Unterricht in die Kinderzimmer der Mitschüler gestreamt werden, falls jemand in Quarantäne muss. "Eine Lehrerin von uns ist schwanger. Sie wird uns von zu Hause in die Schule zugeschaltet. Das funktioniert super", sagt Benedikt. Ein Problem beim Online-Unterricht sei jedoch das lange Sitzen vor dem Bildschirm. "Im Winter saß man zum Teil von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang vor dem Computer." Der Rückzugsort Jugend- oder Kinderzimmer war nicht mehr privat, sondern wurde zum Arbeitsplatz.

Gefahr von Burnout

Benedikt geht hier auch auf eine aktuelle Pressemitteilung des Landesschülerrats Bayern zum Thema Gesundheitsschutz und Chancengleichheit ein. "Ich hoffe, dass es bald mehr Hilfe von der Regierung für Schüler mit psychischen Problemen gibt." So fordert der Landesschülerrat, dass ausreichend Maßnahmen zur Unterstützung bei pandemiebedingten Lernrückständen und psychosozialen Belastungen nicht nur angekündigt, sondern auch umgesetzt werden. "Wenn nicht geholfen wird, besteht bei manchen Schülern die Gefahr von Burnout", sagt Benedikt.

Beide Gymnasiasten bestätigen, dass es im Distanzlernen häufig anstrengend war, immer auf den Bildschirm zu schauen. "Manchmal hatte man auch einfach nicht mehr die Energie für den Unterricht", erklärt Benedikt. Tristan, der in seiner Freizeit auch Computerspiele zockt, hatte nach dem Lernen am PC häufig keine Lust mehr auf sein Hobby. "Man ist schlechter drauf und das bremst einen aus." Da es nicht viele Angebote zur Abwechslung gab, zog es die Schüler vermehrt raus in die Natur zum Wandern oder Spazieren gehen.

"Lehrer standen für Fragen zur Verfügung, und waren 24 Stunden an 7 Tagen der Woche erreichbar. Das ist schon wertzuschätzen."

Benedikt Stark, Erster Schülersprecher am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth

Seit den Osterferien herrscht in Bayern Testpflicht für Schüler. Das finden Benedikt und Tristan richtig. "Man testet sich für sein Umfeld, Freunde und Familie", sagt er. Gerade in Hinblick auf die Busse gebe es immer noch ein hohes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Seit die Inzidenz im Landkreis Tirschenreuth unter 100 ist, dürfen Schüler aus allen Jahrgängen wieder direkt in die Einrichtungen. Am Stiftland-Gymnasium herrscht Wechselunterricht. Doch je mehr Schüler es werden, desto weniger sei es möglich, im öffentlichen Nahverkehr Abstand zu halten. "Es müsste täglich und am Wochenende getestet werden", findet Benedikt. Nur dann könne auch das Busfahren sicher werden. "Es gibt Schüler, die Eltern oder Großeltern haben, die noch nicht geimpft sind." So haben einige Angst, Familienmitglieder anzustecken. "Es muss jedes Risiko vermieden werden", betont Benedikt.

Tristan zeigt auf einem Tablet, wie die Online-Plattform des Stiftland-Gymnasiums aussieht.
Lehrer und Datenschutzbeauftragter Martin Putzlocher vom Stiftland-Gymnasium zeigt die Technik in den Klassenzimmern: Darunter Laptop, Mikrofon und auch ein digitales Lesegerät für Arbeitsblätter.

 

 

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