28.03.2021 - 08:38 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Süd-Ost-Link: Bedenken in Tirschenreuth nicht ausgeräumt

Zwei Tennet-Vertreter informierten in der Sitzung des Stadtrates Tirschenreuth über den aktuellen Planungsstand in Sachen Süd-Ost-Link. Zwar erhielten die Räte Antworten auf ihre Fragen, zufrieden waren sie damit aber nicht.

Der Süd-Ost-Link verläuft von Mitterteich kommend östlich an der Kreisstadt vorbei. Bei Zeidlweid finden aktuell Probebohrungen statt (Bohrmaschine beim Gebäude). Mitarbeiter von Tennet stellten sich in der Stadtratssitzung am Donnerstag den Fragen des Gremiums.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Als Tennet angeboten hatte, im Stadtrat Tirschenreuth über den aktuellen Planungsstand zum Süd-Ost-Link zu informieren, sagte Bürgermeister Franz Stahl direkt zu. Die Trasse für die Höchstspannungs-Gleichstrom-Leitung tangiere die Kreisstadt an mehreren Punkten. Die Stadt habe bereits fünf Mal Einwände gegen das Vorhaben eingereicht, jedoch nie Rückmeldung erhalten, klagte Stahl. Deshalb war er froh, dass sich Torsten Grampp, Referent für Bürgerbeteiligung, und Thomas Arnold, Teilprojektleiter für den Planungsabschnitt C 2 von Marktredwitz bis Pfreimd, den Fragen des Gremiums am Donnerstagabend stellten, beide nahmen per Video-Schalte teil.

Schwenk nach Osten unerklärlich

Grampp erläuterte zunächst noch einmal den Trassenverlauf und wie die Erdverkabelung vonstattengeht (siehe Hintergrund). Stahl kritisierte, dass es schwer zu verstehen sei, warum die Trasse so einen gewaltigen Schwenk nach Osten um Tirschenreuth macht. Eine Trassenführung an der A 93 wäre seines Erachtens sinnvoller. Weiter würde die Leitung die Wasserreservoirs bei Rosall/Wondreb, die die Stadt versorgen, durchschneiden. Besonders auch die Weiterentwicklung der Ortschaften Klein- und Großklenau sah der Bürgermeister gefährdet. Beim Fischhofpark und Lohnsitz seien wertvolle Naturschutzflächen betroffen, sowohl die Waldnaab- als auch Mühlbachauen seien tangiert, bei Lodermühle die geplante Umgehungsstraße. „Ich bin skeptisch, dass beide Vorhaben miteinander zu vereinbaren sind“, sagte Stahl.

Zu dem Schwenk nach Osten erklärte Grampp, dass sich im Westen der Stadt großflächig Wald- und Teichgebiet befindet – für ein Erdkabelprojekt unvorteilhaft. Ein Verlauf an der A 93 sei nicht möglich. Diese Route wurde von Anfang an mit überprüft und intensiv untersucht. Eine Vielzahl von Gründen spreche dagegen: Es gebe zu viele Siedlungs-, Gewerbe- und Naturschutzgebiete. Es wären immense Umwege, um diesen auszuweichen. Den Seitenstreifen selbst zu nutzen, dafür erteilte der Bund als Betreiber der Autobahn keine Freigabe. Und: „Den Korridor jetzt im laufenden Genehmigungsverfahren zu verschieben, ist nicht mehr möglich“, sagte der Referent.

Konrad Schedl, Fraktionssprecher Grüne/SPD, wollte die Begründung, dass der Bund die Erdkabel nicht im Seitenstreifen haben wolle, nicht gelten lassen. Grampp gab an, dass dies teils technisch nicht umzusetzen sei, denn das Kabel wiege pro laufendem Meter 50 Kilogramm. Diese in Brücken zu verlegen, sei oft nicht realisierbar, nannte der Referent als Beispiel.

Zu den Wasserreservoirs gab Teilprojektleiter Arnold an, dass die Trasse nur die Zuflüsse der Reservoirs quere, das Wasserschutzgebiet selbst sei nicht betroffen. Die Wasserversorgung würde durch die Leitung nicht gefährdet, die Rohre unterhalb verlegt. Auch die Waldnaab und der Mühlbach würden „geschlossen gequert“, also untertunnelt. Die Oberfläche werde nicht berührt.

Absprachen zwecks Ortsumgehung

Zum Punkt Umgehungsstraße erklärte Arnold, dass Tennet mit dem Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach in Kontakt sei und man sich bestmöglich arrangieren will. Hans Zölch (FW) und Paulus Mehler (CSU) fragten nach, ob es möglich ist, die HGÜ-Leitung direkt in die Umgehung einzubauen, um erstens die Landwirte als Grundstückseigentümer nicht doppelt zu belasten und zweitens nicht zwei Mal Flächenverbrauch zu haben. Dies verneinte Arnold. Eine Überbauung der Leitung sei nicht möglich. Im Falle einer Beschädigung müsse man schnell an das Kabel herankommen und könne nicht erst eine Straße aufreißen. Dass beide Vorhaben zeitgleich realisiert werden, sei laut Grampp unwahrscheinlich. Der Bau der Umgehung soll bereits 2023 starten. „Aber wir wollen unsere Planungen so gut als möglich abstimmen.“

Konrad Zant erklärte, dass durch die Trasse bei Zeidlweid zwei Hausbrunnen, die bäuerliche Anwesen versorgen, gequert werden. Die Anwohner befürchten, dass die Brunnen weniger Wasser ausschütten oder versiegen. Arnold berichtete, dass dies mit den Grundstückseigentümern besprochen werde. Man werde eine Vorher-Nachher-Analyse machen. Wenn der Brunnen danach weniger Wasser bringt, komme Tennet für die Folgekosten auf.

Parallelführung mit Gasleitung?

Von Großensees kommend gebe es bereits wegen einer Gasleitung einen baumfreien Korridor, brachte Zweiter Bürgermeister Peter Gold (CSU) ein. „Inwieweit wird dieser für den Süd-Ost-Link genutzt?“ Der Schneise der Gasleitung folge man nur ein Stück weit. Eine Führung durch den Wald möchte Tennet vermeiden, weil dort danach keine Forstwirtschaft mehr möglich sein kann. An diesem Punkt werde die Parallelführung mit der Gasleitung aufgelöst.

Klagen stoppen Vorhaben nicht

CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner wollte wissen, welche Auswirkung Klagen auf das Projekt haben. Das solche das Vorhaben aufhalten können, hielten die Tennet-Vertreter für unwahrscheinlich. Letztendlich müsse dies jedoch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig – dort laufen alle Klagen bezüglich des Süd-Ost-Links zentral ein – beurteilen. Paulus Mehler erkundigte sich nach den Entschädigungen für Grundstückseigentümer. Diese werde laut Grampp nach der Größe der Fläche und dem Verkehrswert des Grundstücks berechnet. Bürgermeister Stahl bedankte sich bei den Tennet-Vertretern für die Informationen, seiner Meinung nach konnten jedoch größere Bedenken nicht ausgeräumt werden.

Die Stadt Tirschenreuth kann sich nicht für den alternativen Trassenverlauf des Süd-Ost-Links begeistern

Tirschenreuth
Torsten Grampp, Referent für Bürgerbeteiligung, und Thomas Arnold, Teilprojektleiter für den Planungsabschnitt C2 von Marktredwitz bis Pfreimd, waren digital in die Stadtratssitzung zugeschaltet.
Thomas Arnold (auf dem Bildschirm) stellte sich den Fragen aus dem Gremium. Bürgermeister Franz Stahl (Mitte) moderierte.
Hintergrund:

Der Süd-Ost-Link im Stadtgebiet Tirschenreuth

  • Trassenverlauf:
    Der Süd-Ost-Link verläuft östlich an Tirschenreuth vorbei. Von Mitterteich kommend geht die Trasse durch den Großenseeser Wald an Groß- und Kleinklenau vorbei. Die HGÜ-Leitung kreuzt Zeidlweid und Lohnsitz, geht weiter zwischen Lodermühl und Grün – genau dort, wo die neue Ortsumgehung geplant ist. Dann verläuft der Süd-Ost-Link fast parallel zur B15 vorbei an Pilmersreuth an der Straße.
    Der ein Kilometer breite Trassenkorridor ist bereits festgelegt, darin sind ein genauer Verlauf der Trasse sowie Alternativ-Routen vorgeschlagen.
  • Erdverkabelung:
    Es werden je zwei Gräben gezogen, in denen zwei Kabel verlaufen. Sie sind 1,5 bis 1,8 Meter tief. Nachdem Schutzrohre und Kabel eingelegt wurden, wird wieder mit Erde angefüllt.
  • Schutzstreifen:
    Landwirtschaftliche Nutzung sei danach auch innerhalb des Schutzstreifens von 16 bis 20 Meter ohne Einschränkungen möglich. Bei der Forstwirtschaft gibt es die Einschränkung, dass im Schutzstreifen nur eine Bepflanzung bis 5 Meter erlaubt ist. Eine Bebauung im Schutzstreifen darf nicht erfolgen.
  • Baubeginn:
    Aktuell werden die Planungsunterlagen erstellt. Dies wird noch ein Jahr dauern. Der Plan werde anschließend von der Bundesnetzagentur geprüft, ebenfalls ein Jahr. „Wir werden nicht vor 2023 mit dem Bau beginnen.“

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