29.10.2020 - 18:47 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Stimmung im Landkreis Tirschenreuth nach Corona-Beschlüssen im Keller

Wirtshäuser, Theater und Fitnessstudios müssen ab Montag geschlossen bleiben. Das stößt auf Unverständnis bei den betroffenen Betrieben.

Neben Gastronomiebetrieben müssen auch Kultur- und Freizeiteinrichtungen ab Montag schließen.

Mit harten Einschnitten, wollen der Bund und die Länder die Coronavirus-Verbreitung unter Kontrolle bringen. Dafür sollen ab Montag, 2. November, Restaurants, Kinos und Theater sowie Kosmetik-, Tattoo- und Fitnessstudios geschlossen bleiben. Eine Umfrage bei betroffenen Unternehmen im Landkreis zeigt: Nachvollziehbar ist der Beschluss für die Gewerbetreibenden nicht.

Von einer "dramatischen Situation", spricht Stephanie Wenisch vom Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald im Landkreis Tirschenreuth. Dabei machte der August etwas Hoffnung. "Die Übernachtungszahlen im August haben sich an die der Vorjahre etwas angenähert", so Wenisch. Dennoch gab es über den Jahresverlauf hinweg einen Einbruch von 30 Prozent. "Durch den Teil-Lockdown fallen nun die bayerischen Herbstferien flach", erklärt Wenisch. "Das ist für Hotel und Gastronomie ein Desaster."

Große Sorge hat Stephanie Wenisch um die Kultur- und Kunstveranstalter, besonders um alle, die hinter der Bühne stehen. Zwar habe man gut improvisiert um den Menschen etwas anzubieten. "Die Planungen waren aber aufgrund der ständig wechselnden Personenbeschränkungen immer unvorhersehbar." Wenisch hofft, dass zeitnah Informationen für die Zuschüsse der Regierung veröffentlicht werden. "Die Beantragung muss einfach sein, damit keiner durchs Raster fällt", erklärt sie.

"Alle Bemühungen umsonst"

Die Schließung von Gaststätten ist auch für Christa Sertl nicht nachvollziehbar. Zusammen mit ihrem Mann Hans betreibt sie in Kemnath das Gasthaus "Zur Fantasie". "Es ist einfach nicht richtig", sagt sie. "Wir haben alles umgesetzt, was verlangt wurde." Dazu hätten sie ein ausgeklügeltes Hygienekonzept umgesetzt, Mitarbeiter geschult, regelmäßig gelüftet, desinfiziert und auf Gäste verzichtet - und das alles umsonst, wie sich jetzt herausstellt. Verärgert ist Sertl auch, weil sogar das Robert-Koch-Institut sage, dass das Gastgewerbe nicht der Infektionstreiber sei. "Da ist man schon etwas ratlos", sagt sie. Die nächsten Wochen wollen sie mit einem Abholservice überbrücken.

Ähnlich sieht es auch Harald Bruischütz vom Aribo-Hotel in Erbendorf. "Es ist wahrscheinlich nötig aber für die betroffenen Gewerbe schon sehr deprimierend", beschreibt der Hoteldirektor die Situation. "Die Beherbergungsbetriebe wissen noch nicht genau, was die Beschlüsse genau bedeuten", erklärt er. Einige Details seien noch offen, etwa hinsichtlich der Verpflegung von Hotelgästen. "Nachdem wir uns die letzten Monate wieder etwas erholt hatten, ist dass jetzt ein Stoß von hinten - das tut schon weh", erzählt er.

Keine Erlaubnis für Reha-Sport

Austrainiert hat es sich auch in den Fitnessstudios. "Wir konnten erst im Juni wieder öffnen", blickt "Powerfit"-Betreiber Andreas Weber aus Tirschenreuth zurück. Um wieder öffnen zu können, habe er viel Geld in die Umsetzung der Hygienemaßnahmen gesteckt. "Hinzu kommen Folgekosten für das Desinfektionsmittel", erklärt er. "Die Stimmung ist einfach komplett im Keller."

Wut löst der Beschluss auch bei Hans-Jürgen Plonner vom Tirschenreuther Fitnessstudio "Body Style" aus. "Ich habe mich bereits über die Möglichkeit, zu demonstrieren, informiert", erklärt er auf Nachfrage. Auch möchte er eine Sondergenehmigung erzwingen, schließlich befinde sich in seinem Studio eine Luftfilteraustauschanlage. Bereits im März habe er versucht, für die Reha-Sportgruppe eine Sondererlaubnis zu bekommen - allerdings ohne Erfolg.

"Ich hoffe für alle das Beste. Was bleibt uns auch anderes übrig?", sagt Stephanie Wenisch.

Schwerer Schlag für Wirte aus Sulzbach-Rosenberg: Schlemmerwochen fallen aus

Sulzbach-Rosenberg

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.