30.11.2021 - 15:21 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Stiftländer organisieren Hilfslieferung mit Heu und Stroh ins Flutgebiet

Die Menschen im Ahrtal sind immer noch auf Unterstützung angewiesen. Deshalb organisierte Peter Schedl eine Hilfslieferung mit Heu, Stroh und Silage für Tiere ins Flutgebiet. Es war bereits die zweite Fahrt dieser Art.

Peter Schedl aus Schönficht (links) und Reinhard Leiß aus Pleußen organisierten eine Hilfslieferung mit Heu und Stroh ins Katastrophengebiet im Ahrtal.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Peter Schedl aus Schönficht organisierte eine Hilfslieferung mit Heu, Stroh und Silage ins Flut- und Katastrophengebiet im Ahrtal. Für diese Aktion haben sich Speditionsfahrer und Landwirte zusammengetan. Insgesamt waren es drei Lastwagen-Ladungen voll mit Futtermaterial für Tiere. Am vergangenen Wochenende machte sich der Lastwagenfahrer und sein Kollege Reinhard Leiß aus Pleußen auf den Weg ins Rheinland. Es war bereits die zweite Hilfslieferung.

Hilfe nach wie vor gefragt

Denn schon im August dieses Jahres fuhren die beiden Stiftländer Heu und Stroh ins Katastrophengebiet. Ein Bekannter von Leiß aus dem Nürnberger Raum ist Landwirt. Dieser und weitere Bauern wollten für betroffene Landwirte Heu und Stroh spenden, hatten aber keine Möglichkeit, das Material zu transportieren. Hier sagte Leiß seine Unterstützung zu. Wegen der großen Menge musste ein zweiter Lastwagen samt Anhänger her. Leiß fragte bei Schedl nach. Die beiden kennen sich von einem Trucker-Treffen. "Ich war sofort dabei", sagte der 39-Jährige aus Schönficht gleich seine Hilfe zu.

"Viele Leute da haben alles verloren", erklärt er. Zu den menschlichen Tragödien und den immensen materiellen Schäden kommt hinzu, dass auch Stallungen sowie Futtervorräte für Tiere weggeschwemmt oder unbrauchbar wurden. Auch wenn das Aufräumen und der Wiederaufbau schon begonnen haben, bräuchten die Menschen nach wie vor noch Hilfe. "Das ist noch lange nicht vorbei." Schon im Sommer dachte Schedl daran, noch einmal zu helfen.

Sechs Landwirte spenden

Erst fragte der Vater von drei Kindern bei Organisationen und den örtlichen Behörden nach, ob Hilfstransporte organisiert werden. "Aber die haben nix in diese Richtung geplant", sagt Schedl. Der 39-Jährige wurde selbst aktiv.

Beim ersten Hilfstransport im Sommer fuhren die Speditionsfahrer ein Zwischenlager in Gütersloh an. Im ehemaligen Hangar eines Militärflughafens wurden die Hilfsgüter gelagert und weiter verteilt. Über den Kontakt dort fragte sich der Schönfichter durch, bis er mit seiner Idee an der richtigen Stelle landete. Im Zwischenlager Euskirchen konnten die örtlichen Helfer etwas mit dem Anliegen des Oberpfälzers anfangen. Ziel sollte diesmal das 550 Kilometer entfernte Euskirchen im Südwesten von Nordrhein-Westfalen sein. Über Freunde und soziale Medien suchte Schedl Menschen, die Heu, Stroh oder Silage spenden konnten. Insgesamt beteiligten sich sechs Landwirte aus dem östlichen Landkreis - aus Kleinklenau, Wondreb, Schwarzenbach, Zeidlweid bei Tirschenreuth und Griesbach.

Die beiden Lastwagenfahrer sind froh, dass auch ihre Arbeitgeber, die Transportunternehmen Wurm sowie Bergauer, sie bei ihrer Hilfsaktion unterstützen. "Respekt, dass die da mitmachen", sagt der 46-jährige Leiß. Denn immerhin stellen sie die Lastwagen samt Anhänger und übernehmen die Mehrkosten, wie Sprit. "Das geht nur, wenn alle zusammenhelfen", betont Schedl.

Über 160 Ballen

Er und Leiß starteten am Samstag um 6 Uhr morgens mit dem Beladen der Lastwagen. Leiß hatte 31 Strohballen, 8 Silageballen sowie 30 Heuballen geladen. Schedl transportierte auf seinem Lastwagen 64 Heuballen. Gegen 11 Uhr trafen sich die Fahrer in Schönficht und machten sich auf den Weg ins Flutgebiet. Die Stiftländer schätzten, dass sie etwa 7 bis 8 Stunden bis Euskirchen unterwegs sein würden. "Wir werden wahrscheinlich öfter mal stehen bleiben", merkte Leiß vor der Abfahrt an. Denn die Lastwagen seien nicht auf diese Art Ladung ausgelegt. "Da müssen wir ein bisschen improvisieren." Mit dem Transport erwischten die Speditionsfahrer das letzte Wochenende, in dem in Bayern die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Hilfstransporte gültig war.

Am Samstagabend gegen 19.30 Uhr kamen die Oberpfälzer im Rheinland an. Während Leiß nur eine Ablade-Station hatte, lieferte Schedl eine Hälfte direkt an Betroffene und die zweite Hälfte ins 15 Kilometer entfernte Zwischenlager. Dieses ist eigentlich ein Pferdehof, dessen Betreiber selbst von der Flut betroffen waren. Sie bieten ihren Stall nun als Zwischenlager an.

Leben im Wohnwagen

"Es war eine sehr schöne Erfahrung", berichtet Schedl von seiner ersten Ablade-Stelle. Das geladene Heu aus der nördlichen Oberpfalz bekam eine Familie, die zehn Pferde hält. "Die Leute waren super dankbar für die Hilfe." Der Familie lief das Haus mit Wasser voll, erzählt der Vater aus Schönficht. Die Familie wohne seit Wochen in einem Wohnwagen und hoffe, noch vor Weihnachten ins renovierte Haus zurückziehen zu können.

Die weitere Fracht kam ins Zwischenlager, von dort verteilen es freiwillige Helfer weiter. Die Hilfsgüter sind für Tiere aller Art gedacht, egal ob Hasen, Schafe, Kühe oder Pferde. Besonders da jetzt der Winter kommt, werde jetzt weiterhin Material gebraucht, informiert Schedl vom Gespräch mit den Organisatoren vor Ort. Um 21.30 Uhr war es dann geschafft. Mit einer anderen Ladung ging es für die Oberpfälzer dann zurück in die Heimat. Einer von Schedls Kollegen machte sich zudem noch am Montag mit einem dritten Lastwagen mit ebenfalls über 30 Heu- und Strohballen auf den Weg ins Flutgebiet.

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„Viele Leute haben alles verloren. Das ist noch lange nicht vorbei.“

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