08.10.2021 - 11:25 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Im Sterben darf auch gern gelacht werden – im Gespräch mit Hospizbegleitern

Am 9. Oktober ist Welthospiztag. Zwei Hospizbegleiter der Caritas Tirschenreuth berichten über ihr besonderes Ehrenamt, ihre Erfahrungen und Erlebnisse, wenn sie Menschen begleiten, die im Sterben liegen.

Die Hospizbegleiter Maria Rother (links) und Ewald Oppl (rechts) besprechen mit Sonja Schnurrer (Mitte), Hospizkoordinatorin der Caritas, die anstehenden Dienste bei den Familien.
von Ulla Britta BaumerProfil

Im hellen, gemütlichen Büro von Sonja Schnurrer sitzen Maria Rother und Ewald Oppl. Schnurrer ist Beauftragte für den Hospizdienst der Caritas Tirschenreuth und koordiniert die Hospizbegleiter im Landkreis. Die beiden Hospizbegleiter und die Koordinatorin erzählen zum heutigen Welthospiztag (9. Oktober) von ihrer Arbeit und ihren Aufgaben.

Mehr Frauen als Hospizbegleitung

Gleich vorneweg im Gespräch legen sie Wert darauf, nicht als "Sterbehelfer" gesehen zu werden. "Die Leute sagen das so. Ihr seid die Sterbehelfer. Das sind wir natürlich nicht. Wir helfen niemanden beim Sterben. Wie sind bei diesen Menschen, um ihnen und ihren Angehörigen den Weg in den Tod zu erleichtern", sagt Maria Rother. Die 74-jährige Tirschenreutherin gehört zu 38 Hospizbegleitern im Landkreis. "Und gerade läuft eine neue Schulung mit weiteren neun", erzählt Sonja Schnurrer. Die Beweggründe von Maria Rather dieses Ehrenamt auszuüben, war der Dienst am Menschen. Sie war in der Pflege tätig. "Mein Beruf hat mich bereichert und ich möchte mit dieser Arbeit den Menschen ein Stück zurückgeben von dem, was ich bekommen habe im Sozialdienst", sagt sie. Hospizdienst, das ist anscheinend ein Frauenthema: Unter den 38 Mitgliedern sind nur zwei Männer. Ewald Oppl ist einer davon. 2018 habe er sich dazu entschlossen, erzählt der 60-jährige Wiesauer. "Als meine Tante gestorben ist."

Der Hospizdienst, den die Caritas Tirschenreuth 2002 eingeführt hat, ist ein Dienst am Menschen, den keine Pandemie stoppen kann, sagt Schnurrer. Dennoch sei die Arbeit in Pandemie-Zeiten stark eingeschränkt gewesen, berichten sie. Seit fast 20 Jahren werden jährlich mehr und mehr Menschen beim Sterben begleitet. Was nicht heißt, dass nur einsame Menschen den Dienst in Anspruch nehmen. Viele Familien würden die Ehrenamtlichen anfordern, weil sie sich überfordert fühlten von der Aufgabe, ihren geliebten Menschen gehen zu lassen. Und weil sie nichts falsch machen möchten, bei diesem letzten gemeinsamen und schwereren Weg.

Einfach da sein

"Hospiz ist lateinisch und heißt Herberge oder Gastfreundschaft", erklärt Sonja Schnurrer. Gastfreundschaft und Herberge spielen auch bei der Sterbebegleitung eine große Rolle, sagt die 49-jährige Caritas-Mitarbeiterin. Wichtig sei im Hospizdienst: Reden, reden, reden. "Die Leute wollen wissen, was wir machen." Sie sage dann immer: "Hospizhelfer kommen schlicht und einfach, um da zu sein." Um Hände zu halten, um miteinander zu weinen, zur moralischen und seelischen Stütze.

Ewald Oppl erinnert sich an seine Tante, deren Hand er gehalten habe und die gesagt habe: "Schön, dass du da bist." Dass er helfen durfte, habe ihm Freude gemacht. Er habe damals erkannt, dass niemand allein sterben dürfe. Oppl nimmt Bücher mit, liest christliche Texte. Aber auch Witze. Sein Witzebuch komme immer gut an und es werde auch im Sterbebett noch manches Mal herzhaft gelacht, erklärt er. Auch Rother greift gern zur Hospiz-Bibliothek in der Caritas, wenn sie zu einem Sterbenden geht.

Natürlich brauchen die beiden nach einer Sterbebegleitung auch die nötige Zeit, um "zurückzukommen" in den Alltag. Denn diese Menschen seien ihnen bald sehr nahe. "Und eine Beziehung entsteht oftmals auch nur im Schweigen", betont die Tirschenreutherin. Deshalb ist es beiden wichtig, nach den Stunden bei der Hospiz wieder in Ruhe "zurückkehren" zu können in sein Alltagsdenken und -tun, betont Oppl. Dabei hilft ihm eine sehr liebevolle Lektüre. Der Wiesauer hält den Titel hoch: "366 Liebesbriefe von Jesus" heißt das Werk, das er nicht mehr aus seiner Hospiztasche nimmt.

Über Beerdigung hinaus

Fühle sich ein Hospizbegleiter bei einem Auftrag nicht wohl, könne er auch abbrechen, sagt dazu Sonja Schnurrer. Alles sei freiwillig. "Und wir dürfen uns von Caritasbetreuern helfen lassen in unserer eigenen Trauer", erzählt Maria Rother. Manche Hospizbegleiter würden die Familien bis über die Beerdigung hinaus noch weiter begleiten, erklärt Sonja Schnurrer. Auch, um die Geschehnisse selbst besser verarbeiten zu können.

Für Ewald Oppl ist das Kostbare am Sterben, dass am Menschen alle Erwartungen abfallen würden. "Und jede Minute im Leben wird wertvoll." Oppl selbst hat keine Angst vor dem Tod. "Aber vorm Sterben schon, weil ich sehe, wie manche kämpfen müssen." Für Sonja Schnurrer ist diese Hilfe am Menschen eine Gelegenheit, das eigene Leben zu überdenken. "Man wird selbst viel zufriedener mit seinem Leben und allem, was man hat." Sie habe am meisten Angst vor schlimmen Schmerzen im Sterben, sagt sie. Für Maria Rother bedeutet der Tod der Weg im christlichen Glauben in eine andere Welt, auf eine andere Ebene. Das Leben sei immer ein Lernprozess bis zuletzt, sagt sie. "Und die Liebe stirbt nicht."

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Ewald Oppl (60 Jahre) liest den sterbenden Menschen, die er betreut, auch gerne Witze aus einem Witzebuch vor. Sein Lieblingsbuch ist aber das Werk mit dem Titel "366 Liebesbriefe von Jesus".
Sonja Schnurrer (49 Jahre) ist die Koordinatorin im Caritasbüro. Sie organisiert die ersten Treffen mit den Familien, bevor ein Hospizbegleiter regelmäßig kommt. "Das kann dann kurzfristig sein. Es kann aber auch Monate oder Jahre dauern", sagt sie.
Maria Rother (74 Jahre) hat in der Pflege gearbeitet. Der Sozialdienst hat ihr viel Wertvolles fürs Leben gegeben, das sie mit dem Hospizdienst nun an die Menschen zurückgeben möchte.
Hintergrund:

Ambulanter Hospizdienst der Caritas im Landkreis Tirschenreuth

  • Den Ambulanten Hospizdienst beim Caritasverband für den Landkreis Tirschenreuth gibt es seit 2020.
  • Eine Begleitung ist zu Hause, im Krankenhaus und in Pflegeeinrichtungen möglich.
  • Dieser Dienst ist kostenlos und wird ehrenamtlich ausgeführt.
  • Einige ehrenamtliche Sterbebegleiter sind bereits seit 19 Jahren tätig.
  • Die Ehrenamtlichen werden mit regelmäßigen Schulungen für diese Aufgabe gerüstet.
  • Selbstverständlich verpflichten sich die Sterbebegleiter zur Verschwiegenheit über den Tod hinaus.
  • Wer Interesse daran hat, sich als Hospizbegleiter ausbilden zu lassen, kann sich an den Caritasverband wenden.
  • Die gleiche Adresse gilt für Angehörige, die den Hospizdienst für einen kranken oder im Sterben liegenden Menschen möchten.
  • Der Hospizdienst bei der Caritas Tirschenreuth ist per Telefon 01 51/74 30 91 55 oder 09631 798 920 sowie per E-Mail geschäftsstelle[at]caritas-tirschenreuth[dot]de erreichbar. Ansprechpartnerin Sonja Schnurrer.

 

 

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