27.03.2020 - 15:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Sicherheit, Schutz und Süßes

Die einen müssen daheim sitzen und langweiligen sich, die anderen leisten Übermenschliches. Die Teams in den Lebensmittelgeschäften halten tapfer durch und werden von ihren Chefs dafür sehr gelobt.

von Ulla Britta BaumerProfil

Süßigkeiten und Blumen werden derzeit gehäuft im Rewe-Markt Wiesau gekauft und gleich wieder nach dem Bezahlen an der Kasse abgegeben. Das geschieht nicht, weil etwa die Ware schadhaft wäre oder der Käufer es sich anders überlegt hätte. "Die Kunden schenken unseren Mitarbeitern Blumen und Süßigkeiten als Dankeschön fürs Durchhalten", erzählt Andrea Fürst. Die Rewe-Markt-Chefin lobt ihre Kunden sehr, nicht nur für die netten Gesten an ihre Mitarbeiter. Auch fürs disziplinierte Verhalten.

Sehr stolz ist Andrea Fürst auf ihr tolles Team. "Hut ab", lautet ihr Kommentar dazu, den sie gern öffentlich machen will. Was ihre 26 Mitarbeiter jetzt leisten, könne man nicht hoch genug anrechnen. "Die Stimmung ist gut. Wir halten zusammen, sind ein super Team." Natürlich hätten alle auch Angst, fügt sie an, besonders um die Familien. Das sei nur menschlich.

Täglich neue Lieferungen

Zum Kundenverhalten sagt sie: Zwar gebe es noch einige wenige Uneinsichtige, die sich beschweren, "wenn Klopapier aus ist". Aber dem werde freundlich begegnet. "Wir bekommen täglich neue Lieferungen. Keiner muss auf etwas verzichten", betont Andrea Fürst. Sollte ein Kunde Hamsterverhalten an den Tag legen, werde dieser entsprechend darauf hingewiesen, dass dies hier nicht erwünscht sei. Zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden sei der Abstand gekennzeichnet. "Wir haben Mundschutz, Handschuhe und Desinfektionsmittel." Kerstin Müller bedient an der Kasse seit Tagen so die Kunden. Am Dienstag hat sich eine kleine Schlange an Kunden bei ihr gebildet. Vier Leute wollen zahlen, alles auf Abstand. Am Fußboden hat Andrea Fürst auch Abstandshalter aufgeklebt.

Zwei ältere Leute kaufen ein. Eine betagte Dame sagt auf die Frage, ob sie sich denn überhaupt noch ins Freie wage, es müsse halt gehen. "Ich kaufe kurz ein und gehe gleich wieder heim." Was Andrea Fürst auch freut: Die Bauarbeiten beim neuen Rewe-Markt in Wiesau gehen trotz der Krise im Zeitplan weiter. Neue Prognosen über den Eröffnungstermin will sie aber keine machen. "Sonst sind die Kunden nur enttäuscht, wenn es nicht klappt." Zwar laufe es bisher gut. "Aber momentan ändert sich täglich etwas."

"Die Leute nehmen mehr mit"

In der Metzgerei Schels in Tirschenreuth setzt Inhaberin Margret Schels auf die Vernunft der Kunden. Viel Platz vor ihrer Wursttheke hat sie nicht, Abstand halten ist eine Vernunftsache. "Einer geht in die linke Ecke, der andere in die rechte. Der Dritte bleibt draußen", berichtet Schels vom kreativen Agieren ihrer Kunden. Auf ihre Verkaufstheke hat Schels zusätzlich eine kleine Plexiglas-Trennwand gestellt und sie trägt wenn möglich Handschuhe. Zwar sei der Kundenverkehr in den zurückliegenden Tagen deutlich gesunken, vor allem hinsichtlich Brotzeiten. "Aber die Leute nehmen mehr mit." Margret Schels nimmt's, wie es ist, und packt selbst an. Einer von ihr belieferten Kundin bringe sie jetzt eben auch andere Sachen - wie Klopapier - mit.

Zwei Holzböcke und eine Glaswand dazwischen: So hat die Chefin des Bio-Ladens "Frohnatur", Roswitha Ulrich, in Tirschenreuth rasch Abhilfe gegen zu viel Nähe zu den Mitmenschen im Laden geschaffen. "Eine Zweite für die Kasse kriegen wir noch", sagt Mitarbeiterin Sibylle Killinger. An der Kasse, an der Brotausgabe und am Käseregal kleben freundliche Hinweiszettel mit der Bitte um Rücksicht. Im Bio-Laden ist es an diesem Tag ruhig, die wenigen Kunden lächeln sich freundlich an und gehen zwischen den Regalen wie selbstverständlich sofort auf Abstand.

Stefan Legat, Filialleiter der Edeka-Märkte in Mitterteich, Kemnath, Neustadt/WN und Waldsassen, ist seinem Team sehr dankbar. "Sie leisten Großartiges." Die Kunden verhielten sich zum größten Teil rücksichtsvoll "und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Schutz aller". Legat hat Plexiglas-Scheiben an den Kassen installiert, bittet mit Aufstellern um Abstand und hat den Kundenbereich an der Kasse mit Abstandhaltern auf dem Boden eingegrenzt. "Die Mitarbeiter tragen Handschuhe und wer will, auch Mundschutz." Weitere Maßnahmen sind Hinweise zur Kartenzahlung sowie Aufrufe zum Kauf in haushaltsüblichen Mengen. "Der Großteil unserer Kunden respektiert dies", so Stefan Legat.

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