11.08.2020 - 17:32 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Pflege in Corona-Zeiten: Balanceakt zwischen Vorgaben und Bedürfnissen

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In den Seniorenheimen im Kreis Tirschenreuth gelten noch immer teils strenge Hygienemaßnahmen, um Bewohner vor einer Corona-Infektion zu schützen. Die Situation fordert Mitarbeiter, Besucher und Bewohner. Nicht überall herrscht Verständnis.

Im Seniorenzentrum Kemnath Haus Falkenstein werden aktuell Bewohner und Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet. Das Bild zeigt wie Dr. Ralf Cronenberg bei einer Mitarbeiterin einen Abstrich vornimmt.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Obwohl die Corona-Maßnahmen von der Bayerischen Staatsregierung zunehmend gelockert werden, gelten für Bewohner und Besucher von Senioren- und Pflegeeinrichtungen weiter feste Regeln. In einer Pressemitteilung schreibt der BRK-Kreisverband Tirschenreuth, dass sich Mitarbeiter für die Hygiene- und Schutzmaßnahmen immer häufiger rechtfertigen müssen. „Unsere Mitarbeiter erklären die Notwendigkeit immer wieder, was in den meisten Fällen für Verständnis sorgt, aber gleichermaßen unseren zeitlichen Aufwand, neben allen anderen Maßnahmen, weiter steigert“, so Kreisgeschäftsführer Holger Schedl.

Mund-Nasen-Schutz und Abstand

So gilt in den Heimen für alle Personen Abstandhalten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Gerade Letzteres ermögliche wieder Betreuungs- und Beschäftigungsangebote für Kleingruppen oder das gemeinsame Essen. Bewohner und Angehörige können Außenanlagen nutzen und gemeinsam spazieren gehen. Therapeuten, Fußpfleger und Friseure können mit eigenem Konzept und Schutzbekleidung wieder in die Einrichtungen kommen.

Derzeit leben in den vier BRK-Seniorenheimen in Tirschenreuth, Plößberg und Kemnath rund 350 Menschen. Das Konzept in den Einrichtungen werde fast täglich an die aktuellen rechtlichen Vorgaben und an die Bedürfnisse der Bewohner angepasst. Zudem steht der Kreisverband mit Behörden, wie dem Gesundheitsamt und der Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA) am Landratsamt Tirschenreuth in Kontakt.

Die Situation der Seniorenheime im Landkreis Tirschenreuth im April

Tirschenreuth

„Ganz aktuell steht die Abstimmung von vorsorglichen Testungen für Bewohner und Mitarbeiter an“, heißt es in der Pressemitteilung. Doch wie sieht es aktuell mit Neueinzügen aus? „Wir merken, dass die Nachfrage deutlich zögerlicher ist“, sagt der stellvertretende Kreisgeschäftsführer Sven Lehner. Warum das so ist, könne er schwer sagen. „Diejenigen, die Bedenken haben, rühren sich meistens nicht.“

Moderate Besuchsbeschränkungen

Das Sozialteam ist Träger der Altenheime in Waldershof, Neusorg und Fuchsmühl. Auch dort gibt es ein individuelles Hygienekonzept für jede Einrichtung. „Wir orientieren uns an den Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Pflege, dass heißt, es werden weiterhin moderate Besuchbeschränkungen zum Wohle der Bewohner und Mitarbeiter durchgeführt“, sagt Martin Weiß, Vorsitzender der Geschäftsführung des Sozialteam. Dennoch gab es in den vergangenen Wochen Lockerungen. So sind auch hier wieder Betreuungsangebote, Spaziergänge und gemeinsames Essen möglich.

Dabei müssen die Mitarbeiter konsequent die Hygienekonzepte beachten, um die Gesundheit von sich selbst und den Bewohnern zu schützen. „Einen großen Part macht die Beratung der Angehörigen aus, damit wir Kontakte weiterhin ermöglichen können“, berichtet Weiß. „Für Bewohner und Mitarbeiter in unseren Einrichtungen sind Reihentestungen geplant und beim Gesundheitsamt angemeldet.“ Den Mitarbeitern selbst wurde vom Sozialteam empfohlen, möglichst nicht in Corona-Risikogebiete zu reisen. Wenn Angehörige in die Seniorenheime kommen, müssen sie beim Eintritt in die Einrichtung schriftlich bestätigen, dass sie keine Corona-Symptome haben oder keinen Kontakt zu Infizierten hatten.

Wer neu in ein Seniorenheim des Sozialteams kommt, benötigt dafür ein negatives Testergebnis. „Wichtig sind eine gute Beratung und umfassende Informationen durch die Mitarbeiter der Einrichtung.“ Für Martin Weiß ist das Angebot der stationären Pflege auch in Corona-Zeiten wichtig: „Wie soll sonst die Versorgung von pflegebedürftigen älteren Menschen sichergestellt werden?“

Nachgefragt:

"BesuchsApp" im Phönix Lebenszentrum Mitterteich

Auch für das Phönix Lebenszentrum in Mitterteich ist es eine Herausforderung in der Corona-Zeit Bewohnern den Kontakt mit ihren Angehörigen zu ermöglichen und sie gleichzeitig gesundheitlich zu schützen. Das Seniorenheim gehört zur Korian Deutschland AG. Tanja Kurz von der Unternehmenskommunikation äußerte sich zu Hygiene- und Besuchskonzepten in der Einrichtung . Wir haben ein Besuchskonzept erstellst, das mit den Behörden abgestimmt wurde“, sagt Kurz.

So sind Besuche von Freunden und Angehörigen nach vorheriger Terminvereinbarung möglich. Diese werden auch über geltende Hygiene- und Schutzvorschriften von den Mitarbeitern informiert. „Zudem müssen sie sich registrieren und gegebenenfalls einer Temperaturkontrolle unterziehen.“ Zur Vereinfachung des Prozesses hat die Korian-Gruppe eine eigene „BesucherApp“ entwickelt. „Diese wird in unserer Einrichtung sehr gut angenommen.“ Im Haus wurden verschiedene Besuchsbereiche eingerichtet, um Abstand einhalten zu können. Wie Kurz berichtet, wurde den Bewohnern durchgängig Betreuung und Beschäftigung angeboten. „Es wurden lediglich bereichsübergreifende Aktivitäten und Großveranstaltungen abgesagt.

Die Mitarbeiter nutzen diese Zeit und ermöglichen vermehrt Einzeltherapien, Gedächtnistraining und Gartenspaziergänge.“ Gegessen wird unter der Einhaltung der nötigen Abstands- und Hygieneregeln im Speisesaal. „Auf Wunsch erhalten die Bewohner Zimmerservice.“ Für Therapeuten, Fußpfleger und Friseure wurde ein eigenes Konzept erstellt. Sie haben einen separaten Raum für Behandlungen und Anwendungen zur Verfügung. Nötige Schutzausrüstung wird durch das Seniorenheim gestellt.

Zuletzt wurden alle Bewohner und Mitarbeiter am 21. April auf das Coronavirus getestet. „Weitere Tests finden nach Rücksprache mit den Behörden statt, sofern sich Symptome zeigen, Kontakt zu einer an Covid-19 erkrankten Person bestand oder nach Rückkehr aus einem Risikogebiet.“

Hintergrund:

Gesetzliche Vorgaben in Pflegeeinrichtungen

Die Bayerische Staatsregierung hat das allgemeine Besuchsverbot in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen, Intensivpflege-WGs, Altenheimen und Seniorenresidenzen sowie stationären Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen seit 29. Juni aufgehoben. Dieses wurde durch Besuchsregelungen der jeweiligen Einrichtung ersetzt. Dadurch werden für die Einrichtungen mehr Besuche möglich. Jedoch gelten zum Schutz der Gesundheit für alle Besucher weiterhin Hygienekonzepte, Maskenpflicht und das Gebot des Mindestabstands. Demnach haben auch die Einrichtungen im Landkreis Tirschenreuth Schutz- und Hygienekonzepte auf Grundlage des vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege bekannt gemachten Rahmenkonzepts ausgearbeitet. Dieses müssen sie auf Verlangen auch der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde vorlegen.

Weitere Information hierzu finden Sie auf der Webseite des Bayerischen Staatsministeriums

Kurz notiert:

13 Seniorenheime im Landkreis Tirschenreuth

Im Landkreis gibt es eine vielfältige Abdeckung an Senioren- und Pflegeheimen. Der BRK-Kreisverband betreibt vier Altenheime: das „Haus Mühlbühl“ und das „Haus Ziegelanger“ in Tirschenreuth, das „Haus Frohnwiesen“ in Plößberg und das „Haus Falkenstein“ in Kemnath. Das BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheim in Erbendorf gehört zum Kreisverband Neustadt/WN. Das Sozialteam ist Träger der Heime in Neusorg, Waldershof und Fuchsmühl. Der Caritasverband betreut die Alten- und Pflegeheime „St. Marien“ in Erbendorf und „St. Martin“ in Waldsassen. In Wiesau gibt es das Seniorenheim „Haus Steinwaldblick“. In Mitterteich wird das Phönix Lebenszentrum durch die Korian Deutschland AG betrieben. In Konnersreuth gibt es das Seniorenheim Theresianum.

Weitere Informationen zu Senioren-, Wohn- und Pflegeheimen im Landkreis Tirschenreuth finden Sie hier

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