03.02.2021 - 13:33 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Nur wenig Bewegung auf dem Grundstücksmarkt in Tirschenreuth

Rund 8,4 Hektar unbebaute Grundstücke finden sich in Tirschenreuth. Und trotzdem hofft die Stadt, ein neues Baugebiet ausweisen zu können.

Eine rege Bautätigkeit kann die Kreisstadt verzeichnen. Allerdings gibt es kaum mehr verfügbare Baugrundstücke.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Dabei unternimmt die Stadt größte Anstrengungen, um die Baumöglichkeiten im Ort zu verbessern, auch was die Nutzung der vorhandenen Grundstücke betrifft. "Seit Jahren wird daran gearbeitet", verdeutlichte Bürgermeister Franz Stahl bei der Stadtratssitzung vergangenen Donnerstag im Kettelerhaus. Bei der Unterstützung der Bauwilligen kann Stahl auf verschiedene Programme verweisen, wie die Städtebauförderung oder das eigene Familienförderprogramm. "Wir sind auf einem guten Weg", fasste das Stadtoberhaupt die Anstrengungen zusammen. Dabei nannte Stahl auch die Beratungen, die seitens der Stadt geboten werden. Viel bewegt sich laut Stahl zudem bei den Sanierungsmaßnahmen.

Fantastischer Vorschlag

Bei der Bautätigkeit im Ort konzentriere sich die Stadt auf drei Punkte: die Sanierungsmaßnahmen, die Neubauten in den alten Siedlungen sowie die Ausweisung neuer Baugebiete. Und gerade bei dem letzten Punkt machte Stahl nicht nur die Stadträte neugierig. "Ich werde Ihnen zur Ausweisung eines neuen Baugebiets im Laufes des Jahres einen fantastischen Vorschlag machen", kündigte der Bürgermeister an. Näheres dazu wollte er aber nicht mitteilen.

Kaum Antworten

Aus dem vollen kann die Kreisstadt bei den verfügbaren Grundstücken allerdings nicht schöpfen. Dabei gäbe es im Ort genügend Flächen. Eine Briefaktion vor eineinhalb Jahren hatte über 100 Grundstücke ergeben, aber auch eine geringe Verkaufsbereitschaft. Peter Schön vom Bauamt hatte die Briefaktion damals durchgeführt. Die Ergebnisse stellte Schön bei der Stadtratssitzung erneut vor. So seien im Sommer 2019 insgesamt 79 Eigentümer sowie Eigentümergemeinschaften angeschrieben worden. Sie halten im Ort über 100 Flurstücke mit zusammen 97 155 Quadratmeter wohnbaufähiger Fläche. Um sich die Dimension besser vorstellen zu können, verwies Schön auf das Baugebiet Lindenweg, das mit 2,4 Hektar etwa ein Viertel dieser Fläche ausmacht. In 66 Fällen hätte die Stadt Absagen oder keine Antworten erhalten.

Zu acht Flächen seien zwischenzeitlich Bauanträge eingereicht worden, wusste Schön. Damit würde sich aktuell das "wohnbaufähige Land" auf 8,4 Hektar reduzieren. "Alle Grundstücke, bei denen seitens der Eigentümer Bereitschaft zum Verkauf bestand, sind verkauft", fasste Schön zusammen.

Bericht von der ersten Briefaktion der Stadt 2019

Tirschenreuth

Mit einer Neuauflage der Briefaktion will die Stadt nun erneut Anstrengungen zur Förderung der Bebauung von Bestandsflächen unternehmen. Absicht sei auch die "Erfüllung des Auftrages zum verantwortungsbewussten Umgang mit Flächen", unterstrich Schön. Den Eigentümern wolle man die Situation erklären, ihnen aber keinesfalls drohen, beschrieb Schön die Intention.

Sachstand vermitteln

Die Darstellung des Sachstands hielt Bürgermeister Franz Stahl gerade für die neuen Mitglieder im Gremium für notwendig. "Es zeigt, wie nachhaltig wir auf diesem Gebiet arbeiten"! Allerdings hätten die Initiativen auch einen entsprechenden Antrieb. So würde die Regierung bei einer Neuansiedlungen auf die Bebauung vorhandener Flächen drängen. Beim Versuch, am Fischhof ein kleines Baugebiet zu schaffen, die die Stadt gescheitert. Bei den eigenen Baugrundstücken sei der Verkauf stets mit einem Bauzwang verbunden, schilderte Stahl. Der gelte natürlich nicht bei den Privatgrundstücken.

Durchaus ein Erfolg

CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner befürwortete die Bemühungen. Dabei wertete er die zurückliegende Aktion durchaus als Erfolg. Immerhin seien rund zehn Prozent der Flächen genutzt worden. Konrad Schedl (Grüne) unterstützte ebenfalls die Briefaktion, mit der man entsprechend auf die Leute zugehen wollte. Schedl bedauerte in dem Zusammenhang, dass in den Baugebieten immer weniger Reihenhäuser vorgesehen würden. Das wäre eine Verdichtung auf den Flächen. Laut Stahl herrscht aktuell an dieser Bauweise kein Interesse. "Wir müssen diese Sache weiterverfolgen", stellte sich auch Jürgen Steinhauser (Freie Wähler) hinter die Aktion, zumal es laufend Veränderungen gebe. Als eine sehr gute Sache lobte Steinhauser das Familienförderprogramm.

Weiterer Bericht vom Stadtrat

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"Die Verfügbarkeit ist leider bei Null", blickte Peter Gold (CSU) auf den Grundstücksmarkt. Vielleicht könne die Aktion die Verkaufsbereitschaft fördern. Gold sah in den Bemühungen für ein neues Baugebiet zudem ein soziales Element. Denn das könnte sich auch auf die Preise für Baugrundstücke auswirken. Als wertvolle Arbeit beschrieb Paulus Mehler die Aktion. Sie würde mithelfen, die Situation in der Stadt darzustellen. "Wir erfüllen einen Dienstleistungsauftrag", definierte Gunar Prauschke (SPD) die Beratungen durch die Stadt. Und mit Peter Schön werde dieser Funktion auch ein Gesicht gegeben.

Nachdem es sich bei dem Sachstandsbericht nur um eine Information handelte, brauchte es auch keinen Beschluss des Stadtrates.

Hintergrund:

Betrüger im Immobiliensektor

Der Engpass bei den Baugrundstücken ruft auch Betrüger auf den Plan. Peter Schön vom Bauamt der Stadt Tirschenreuth konnte dem Stadtrat einige Beispiele vorstellen, wobei er selbst den Lockvogel als Interessent gespielt hatte.

  • So hat sich ein Anbieter von Baugrundstücken als Tirschenreuther Bürger dargestellt, der aber vor weiteren Verhandlungen erst einmal 20.000 Euro Beratungsgebühren haben wollte. Um Zeitverschwendung zu vermeiden, sollten gleich die Bankdaten mitgeteilt werden. Und weitere Informationen zu den Grundstücken wollte der Anbieter auch nicht liefern. Die Nachforschungen Schöns haben ergeben, dass der Tirschenreuther Bürger von den Vorgängen mit seinem Namen nichts wusste.
  • In anderen Kontakten wird auf die anstehende Industrieansiedlung verwiesen. Mit dem Hinweise auf das Interesse des Unternehmens versucht der Anbieter dann den Preise in die Höhe zu treiben

Als „perfide“ bezeichnete CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner diese kriminellen Machenschaften, die von der Not der Familien profitieren möchten.

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