24.05.2020 - 15:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wie man richtig bunte Blühinseln im Rasen anlegt

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Großflächige Blumenwiesen in den Gärten unterstützen die Artenvielfalt. Doch auch kleinere Flecken sind wichtig. Selbst wenn es sich dabei nur um einen einzigen Quadratmeter handelt.

Die Kemnather Karpfenweg-Mischung sorgt für eine beeindruckende Blütenpracht. Leider ist das entsprechende Saatgut dieses Jahr bereits vergriffen.
von Christa VoglProfil

Seit der Aktion "Rettet die Bienen" haben bunte Tütchen mit Blumensamen Hochkonjunktur. Gerne werden sie als Werbung von Parteien, Firmen oder Geschäften gratis an Kunden verteilt. Zu finden sind sie auch in den Saatgutständern der Gärtnereien oder Supermärkte. Oft fehlt jedoch im Hausgarten der notwendige Platz, um die Samen flächig auszubringen. Oft wird aber auch gesät und die Saat geht nicht auf, eine gewisse Enttäuschung ist vorprogrammiert.

Natürlich weiß Harald Schlöger, Gartenfachberater im Landkreis Tirschenreuth, dass Hausgärten nur ein begrenztes "Fassungsvermögen" haben. In ihnen soll vieles Platz finden: Gemüsebeete, Obstbäume, das Kompostgestell, Beerensträucher, eine Spielrasenfläche mit Kinderschaukel und nicht zu vergessen die gemütliche Sitzecke für die ganze Familie. Jetzt also auch noch eine Wildblumenwiese?

"Ja", sagt Harald Schlöger im Brustton der Überzeugung und fügt erklärend hinzu: "In fast jedem Garten lässt sich ein zusätzliches Blütenangebot schaffen." Auch wenn ein Flecken von sechs Quadratmetern - das entspricht ungefähr der Fläche, die ein Samentütchen mit 30 g Inhalt abdeckt - nicht verfügbar sei, sollte das kein Grund für den Verzicht auf eine Bienenweide sein. Denn auch kleinere Flächen würden sich dazu eignen, als Bau- und Trittstein die Vernetzung der Biotope zu unterstützen. Und dort, wo es viele Blumen gebe, dort nehme auch automatisch die Zahl der Blüten besuchenden Insekten zu. Dies sorge dafür, dass ökologische Kreisläufe in Gang bleiben. Daher gelte für ihn: "Jede Blume zählt".

Wenn Schlöger von "kleineren Flächen" spricht, dann schließt das selbst Rasenstücke mit einer Fläche von nur einem einzigen Quadratmeter ein. Denn wenn so ein kleiner Flecken Rasen zur Blühwiese umgewandelt wird, dann ist auch hier Vielfalt auf kleinstem Raum gewährleistet. Damit jedoch das Projekt Bienenweide erfolgreich ist - egal, ob es sich dabei nun um eine kleine oder größere Fläche handelt - sollten einige wichtige Grundregeln beachtet werden.

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Der optimale Zeitpunkt

Für eine Aussaat ist der optimale Zeitpunkt gekommen, wenn einerseits die stärksten Fröste vorbei sind und andererseits die Gefahr der Austrocknung noch gering ist. Empfehlenswert sind die Monate April und Mai. Je später die Aussaat erfolgt, desto schwieriger ist es, in der Keimphase die notwendige Feuchtigkeit zu gewährleisten. Notfalls wird die Fläche mit einem Vlies abgedeckt, um auch langsamer keimenden Pflanzen eine Chance zu geben. Vom Säen bis zum Aufgehen der Saat können bei manchen Sorten durchaus bis zu drei Wochen verstreichen.

Der richtige Standort

In den meisten Gärten gibt es Schwachstellen in der bestehenden Rasenfläche. Natürlich ist die Versuchung groß, genau diese Flächen für eine künftige Blumeninsel einzuplanen. Oft handelt es sich dabei um schattige Bereiche mit lückigen Moosflächen. Der Wunsch der Gartenbesitzer, dieses Areal in eine üppig blühende Blumenwiese zu verwandeln, wird höchstwahrscheinlich nicht in Erfüllung gehen. Denn für die Saatmischungen gilt: Je sonniger der Standort, desto größer ist die Erfolgschance.

Der richtige Boden

Es ist wenig sinnvoll, die Samen aus der Tüte auf dem vorhandenen Rasen zu verteilen. Blumen und Kräuter brauchen einen offenen Boden zum Keimen. In dichten bestehenden Grasflächen können sie sich nicht durchsetzen. Der Gartenfachberater rät, die Fläche "aufzureißen". Entweder durch mehrmaliges Vertikutieren oder - noch besser - indem die Grasnarbe des Rasens entfernt wird. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass Wurzelunkräuter, wie Ackerschachtelhalm, Giersch und Quecke sorgfältig entfernt werden, da diese den Erfolg stark einschränken.

Der Nährstoffbedarf

Die im Boden bereits vorhandenen Nährstoffe sind auf jeden Fall ausreichend, es bedarf keiner zusätzlichen Düngung. Der Boden kann durch die Einbringung von etwas Sand abgemagert werden: Je magerer die Fläche wird, desto größer ist die Artenvielfalt.

Das Saatgut

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen einjährigen und mehrjährigen Blühmischungen. Der Vorteil der einjährigen Mischungen ist der optische Effekt, die bunte Präsentation der Sommerblumen. Allerdings ist eine jährliche Neuaussaat notwendig. Mehrjährige Blühmischungen beinhalten dagegen viele heimische Arten, auch Kräuter. Diese Mischungen sind nicht so bunt, präsentieren sich jedes Jahr anders und sind ökologisch wertvoller.

Die Saatmenge

Oft wird der Fehler gemacht, dass zu viel Saatgut auf einer bestimmten Fläche landet. Das Ergebnis: Schnell keimende Pflanzen setzen sich durch und lassen keinen Platz mehr für die Langsamkeimer. Es ist wichtig, folgende Regel zu beachten: maximal 5 bis 6 Gramm Saatgut pro Quadratmeter. Manche Mischungen werden sogar noch dünner mit bis zu einem Gramm pro Quadratmeter ausgesät. Normalerweise ist auf der Rückseite der Samentütchen vermerkt, für welche Fläche das Saatgut gedacht ist. Erleichtert wird die Aussaat, wenn man den Samen mit etwas trockenem Quarzsand streckt.

Das Säen

Das Saatgut muss nicht in die Erde eingebracht werden. Die Samen werden auf die Bodenoberfläche gesät, anschließend wird mit einem Brett oder einer flachen Schaufel "angewalzt" oder angedrückt. Wichtig ist es, danach den Boden bis zu drei Wochen ausreichend feucht zu halten. Nach dem Keimen dürfen die Pflanzen ungestört wachsen.

Das Unkraut

Zeitgleich entwickeln sich allerdings auch Beikräuter und versuchen sich durchzusetzen. Daher muss rechtzeitig der sogenannte "Schröpfschritt" erfolgen: Das Unkraut wird in einer bestimmten Höhe "geköpft", damit das Licht wieder bis zum Boden dringen kann. Durch diesen Schröpfschnitt - am besten mit dem hochgestellten Rasenmäher - wird auch das Aussamen der Unkräuter verhindert. Vom Jäten wird eher abgeraten. Durch das Herauszupfen des Unkrauts lockert sich das Erdreich und kann damit die Entwicklung der Blumenkeimlinge beeinträchtigen.

Die Mahd

Sobald die Kräuter und Blumen zur Samenreife gekommen sind - üblicherweise ist dies im Juli und August der Fall - wird gemäht. Auch die Mahd ist mit dem Rasenmäher möglich. Idealer wäre die Verwendung eines Balkenmähers oder der Sense. Das Schnittgut kann auf der Fläche liegen bleiben und dort auch trocknen, damit die Samen an Ort und Stelle ausfallen. Ähnlich wie beim Heu auf der Wiese. Nach dem Trocknen des Schnittguts, muss es allerdings entfernt werden, um zu vermeiden, dass zusätzliche Nährstoffe in den Boden gelangen.

Samenmischung "Veitshöchheimer Bienensommer": Man erkennt das zum Teil sehr feine Saatgut; es sind aber auch größere Samen, zum Beispiel von Malven oder Sonnenblumen enthalten.
Es gibt viele Anbieter von geeignetem Saatgut. Ein Beispiel: Veilshöchheimer Bienensommer mit genauer Inhaltsangabe auf der Packung und Kurzanleitung für eine gelungene Aussaat. Daneben die Kemnather Karpfenweg-Mischung.
Vorbereitung der Saatfläche. KFB Schlöger streicht mit dem Rücken eines Eisenrechens die Fläche glatt und bereitet das eingebrachte Sand-/Humussubstrat zur Einsaat vor.
Wichtig ist, dass das Saatgut oberflächlich auf der Erde liegt und nicht vergraben wird. Genauso wichtig ist aber der Bodenschluss zur Wasseraufnahme. Deshalb wird die Fläche nach der Ansaat zum Beispiel mit einer Breitschaufel festgewalzt oder festgedrückt .
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