30.03.2021 - 17:24 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

LBV kritisiert Pläne für Ziegler-Ansiedlung

Die Ansiedlung der Ziegler-Group südlich von Tirschenreuth bedroht laut Naturschützern die Artenvielfalt. Bei einem Rundgang durch den Wald sprach sich der LBV gegen die Pläne für die „Giga-Factory“ aus.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Das Laub vom vergangenen Herbst raschelt unter den Gummistiefeln, Äste knacken, die Vögel zwitschern. Beim nächsten Schritt schmatzt es, der Waldboden ist plötzlich mit Wasser vollgesogen wie ein Schwamm. „Wo wir stehen, soll eine Produktionshalle hinkommen“, informiert Christoph Bauer, Leiter der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Oberpfalz in Regenstauf. Bei einem Rundgang durch das Engelmannholz wollen Bauer, Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV in Bayern, sowie Klaus Krützfeldt, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Tirschenreuth, auf die besondere Bedeutung des Stadtwaldes aufmerksam machen.

Dimension erst vor Ort erkennbar

Große Teile des Moorwaldes südlich der Kreisstadt rund um den Engelmannteich sollen für ein Gewerbegebiet weichen: Dort will die Ziegler-Group auf 35 Hektar ein Werk für den Bau von Fertighäusern errichten. Dass ausgerechnet im Stadtwald eine „Giga-Factory“ mit einem ökologisch nachhaltigen Produkt entstehen soll, stößt beim Naturschutzverband LBV auf Kritik. „Wir sprechen uns klar gegen das Vorhaben aus“, sagt Schäffer.

Während Bauer und Krützfeldt die Fläche "in- und auswendig" kennen, machte sich Norbert Schäffer zum ersten Mal ein Bild vor Ort. „Auf dem Plan erkennt man die Dimensionen der geplanten Bebauung gar nicht.“ Auch wenn das Areal nicht als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, sei es dennoch von herausragender Bedeutung.

Moor indirekt massiv bedroht

Der Wald habe eine wichtige Funktion – nicht nur als Lebensraum, sondern auch als Wasser- und Kohlenstoffspeicher. Zwar sei das renaturierte Moorgebiet nicht direkt von der Bebauung betroffen. Doch weil der Stadtwald das nördlich benachbarte Moor mit Wasser speist, werde mit einer Industrie-Ansiedlung die Wasserzufuhr gekappt, erklärt Bauer. Zwar werde das wertvolle Moor nicht direkt zubetoniert, „aber die Lebensader abgeschnitten“, ist sich Schäffer sicher. Das Moor würde unumkehrbaren Schaden nehmen. Wenn Wasser durch den Wald einsickert, sei das was ganz anderes, als wenn es durch eine Drainage eingeleitet wird.

Und auch im Wald, dort wo die Werkshallen geplant sind, gebe es vermoorte Bereiche – vor allem dort, wo Birken und Faulbäume stehen. „Es ist ein denkbar schwieriges Gelände für ein Industriegebiet“, weiß Bauer. Hügel mit Kiefern, Zitterpappeln, Ahorn und sumpfiges Gebiet mit Birken: „Das wird alles plattgemacht, wie eine Tischtennisplatte, und zu betoniert“, sagt Schäffer.

Biotopverbund radikal durchtrennt

Zudem sei das Gebiet Heimat zahlreicher hochbedrohter Tierarten wie Moorfrosch, Waldwasserläufer und Bekassine. „Das Gebiet um den Engelmannteich ist wichtiger Lebensraum der vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Brutvögel“, so der LBV-Vorsitzende. Zusammen mit dem Rothenbürger Weiher und den Waldnaabauen bilde das Engelmannholz einen großen Biotopverbund, in dem die seltenen Vögel leben. Dieser Biotopverbund werde bei einer Bebauung radikal durchschnitten. Laut den LBV-Vertretern reiche es nicht, sich nur auf das Gebiet zu konzentrieren, auf dem gebaut werden soll. „Man muss auch die Zusammenhänge mit betrachten.“

Die bedrohten Arten würden sicher im Moor vorkommen, erklärt Schäffer. Ob sie auch im geplanten Gewerbegebiet auftauchen, muss die Umweltprüfung zeigen, ergänzt Bauer. Ein Vorkommen halten beide Naturschützer für realistisch. „Die Tiere wandern ja auch.“

Realsatire

Die Fläche sei nicht nur für geschützte Tiere Heimat, sondern auch Lebensraum für Biber, Grünspechte, Kleiber oder Tannenmeisen. Auch der Fisch- und der Seeadler sowie Fledermäuse würden hier Lebensraum finden. Auf einer Feuchtwiese an der B 15 ist eine Musterhaussiedlung geplant. Diese Fläche sei ein hauptsächliches Futtermittelhabitat für den Weißstorch, sorgt sich Bauer.

Dass im Engelmannteich eine Insel aufgeschüttet und an der B15 ein Aussichtsturm gebaut werden soll, stößt Schäffer sauer auf. „Das ist alles gekünstelt und hat nichts damit zu tun, die Natur erlebbar zu machen.“

Klage als letzte Option

LBV-Kreisgruppenvorsitzender Klaus Krützfeldt sagte, dass man nicht grundsätzlich gegen die Firmen-Ansiedlung sei. „Aber es geht hier nicht um ein oder zwei Hektar, sondern um satte 35 Hektar Wald, die eliminiert werden sollen“, betont er. Der Stadtwald rund um den Engelmannteich sei sehr wohl schützenswert. Er kritisiert, dass keine Alternativstandorte für eine Industrie-Ansiedlung geprüft wurden. Krützfeldt brachte ein, dass das Engelmannholz ein stark frequentiertes Erholungsgebiet für viele Tirschenreuther ist.

Die LBV-Vertreter versicherten zum Abschluss, dass sie das Projekt aufmerksam begleiten werden. Die Option einer Klage will sich der Verband als letzte Möglichkeit offen halten, informierte Schäffer. „Wir schauen ganz genau hin, was für den Artenschutz auf dem Spiel steht.“

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