19.10.2020 - 18:13 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth weiter im Krisenmodus

Landrat Roland Grillmeier hat die zum Samstag erlassene Allgemeinverfügung zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der Coronaviren wieder aufgehoben. Die meisten Einschränkungen bleiben trotzdem.

Ein Scherzbold hat auch dem Kunstwerk „Schulschwänzer“ vor der Mittelschule in Erbendorf einen Mund-Nase-Schutz verpasst.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Landrat Roland Grillmeier informierte am Montag den Kreisausschuss, dass er die Allgemeinverfügung wieder aufgehoben hat. Grund für die Rücknahme war die Tatsache, dass die Tirschenreuther Auflagen in einigen Bereichen von den Vorgaben des Freistaats, die bei einer Überschreitung des Warnwerts 50 bei der 7-Tage-Inzidenz in Kraft treten, abgewichen sind. Das könnte, so die Überlegungen des Landratsamts, unter Umständen für Verwirrung bei den Bürgern sorgen.

Einheitliche Regelung

Man sei an einer bayernweit einheitlichen Regelung interessiert, informierte Grillmeier. Derzeit gebe es keinen besonderen Hotspot im Landkreis, betonte der Landrat weiter. Die 38 Infektionen verteilten sich auf 21 verschiedene Gemeinden.

Es ist also weiter so, dass zu privaten Feiern nur fünf Personen oder die Angehörigen von zwei Haushalten zugelassen sind. Wenn zu den Haushalten mehr als fünf Personen gehören, sei dies natürlich zulässig, so das Landratsamt. Außerdem ist in Gastwirtschaften weiter um 22 Uhr Sperrstunde. Zudem gilt Maskenpflicht an Schulen aller Jahrgangsstufen (auch am Platz). Die Abgabe von alkoholischen Getränken ist an Tankstellen und sonstigen Verkaufsstellen und Lieferdiensten von 22 Uhr bis 6 Uhr untersagt. Auch der Betrieb von gastronomischen Einrichtungen ist während dieser Zeit verboten..

Regierungsdirektorin Regina Kestel sprach im Kreisausschuss bei der Einschätzung der Situation von einem "Déjà-vu-Erlebnis", das sie derzeit habe. "Ich komme mir vor wie Anfang März." Die Bevölkerung habe es nun in der Hand zu entscheiden, wie sich die Situation weiter entwickeln werde. Landrat Roland Grillmeier appellierte einmal mehr an die Bürger, sich verantwortungsbewusst zu verhalten. Derzeit sei das Gesundheitsamt noch in der Lage, die Fälle nachzuverfolgen. Trotzdem werde man vorsorglich auch mit der Bundeswehr und dem BRK Gespräche wegen einer möglichen Unterstützung führen. "Keiner will mehr den kompletten Lockdown."

Positiv fiel die Zwischenbilanz des Landrats zu den freiwilligen Tests der tschechischen Grenzgänger aus. Bisher gab es nach Grillmeiers Informationen 2500 Tests an der mobilen Station für die Grenzgänger, die am Dienstag, 20. Oktober, in Betzenmühle bei der Firma Ziegler steht. Der Großteil sei dabei ohne Auffälligkeiten geblieben. Er sah dabei keinen Anlass, auf eine Testpflicht zu drängen. Schließlich gebe es im Landkreis Tirschenreuth "nur" etwa 2300 Pendler aus Tschechien. "Die Freiwilligkeit funktioniert", meinte der Kommunalpolitiker. Natürlich sei es dabei unmöglich, es jedem recht zu machen. "Die einen wollen mehr und die anderen weniger Regelungen." Regierungsdirektorin Kestel informierte, dass die Bürger auch bei einem Rückgang der Neuinfektionen noch einige Tage mit den Einschränkungen leben müssten. Nach Unterschreiten des Inzidenz-Warnwerts von 50 werde der Landkreis noch sechs Tage auf der Liste stehen, bevor die verschärften Regelungen wieder außer Kraft gesetzt würden.

Hinweis auf Internet

Als Maßzahl für die Geltung der Beschränkungsmaßnahmen bei Überschreiten des Signal- oder des Grenz- beziehungsweise Frühwarnwerts werden die vom Robert-Koch-Institut oder dem Landesamt für Gesundheit veröffentlichten Angaben der 7-Tage-Inzidenz zugrunde gelegt, wobei die jeweils höhere Zahl maßgeblich ist.

Das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gibt täglich im Internet unter www.stmgp.bayern.de die Landkreise und kreisfreien Städte bekannt, in denen laut Feststellung des Robert-Koch-Instituts oder des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine 7-Tage-Inzidenz von 35 bzw. 50 überschritten wird oder vor weniger als sechs Tagen noch überschritten worden ist. In diesen Landkreisen und kreisfreien Städten gelten ab dem Tag, der auf den Tag der erstmaligen Nennung folgt, bis zum Ablauf des Tages der letztmaligen Nennung, die Einschränkungen. Das bedeutet, dass im Landkreis Tirschenreuth die Auflagen auf jeden Fall noch einige Tage in Kraft bleiben werden.

Info:

Acht neue Infektionsfälle im Landkreis Tirschenreuth

Seit Freitag sind acht neue Infektionsfälle hinzugekommen. Bei allen Fällen handelt es sich um bereits unter Quarantäne stehende Kontakt-1-Personen zu infizierten Personen. Davon betroffen ist auch die Realschule in Kemnath. Aufgrund eines positiven Falles befindet sich die Klasse 9 e der Realschule Kemnath bis einschließlich 28. Oktober unter Quarantäne.

Die amtliche Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten ist dadurch im Landkreis Tirschenreuth auf 1294 gestiegen. Die Zahl der Opfer, die an oder mit dem Virus Sars-CoV-2 verstorben sind, liegt laut Landesamt für Gesundheit weiter bei 141. Die Zahl der Genesenen schätzt das Gesundheitsamt nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts auf 1092.

Die 7-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner betrug am Montag 52,7 und liegt dabei knapp über dem bayerischen Warnwert.

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