04.12.2020 - 16:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

KVB: Noch droht keine Unterversorgung bei Kinderärzten im Landkreis Tirschenreuth

Verständnis für die Klagen von Eltern auf der Suche nach einem wohnortnahen Kinderarzt im Kreis Tirschenreuth hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayern. "Aber wir können auch keine Ärzte zaubern", beschreibt Sebastian Eckert das Dilemma.

Die Zentrale der KVB in München organisiert die möglichst flächendeckende ärztliche Versorgung in Bayern.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Grundsätzlich bestehe im Landkreis Tirschenreuth keine Unterversorgung mit Kinderärzten, tritt Sebastian Eckert dem weit verbreiteten Eindruck entgegen. Der Fachreferent der Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mit Sitz in München verweist auf den Berechnungsschlüssel, den der Gemeinsame Bundesausschuss festgelegt hat. So gilt ein Gebiet ab einer Quote von 75 Prozent als hausärztlich unterversorgt, bei Fachärzten wie Pädiatern sogar erst ab 50 Prozent.

Tatsache ist, dass laut Landkarte auf der KVB-Homepage der Landkreis Tirschenreuth derzeit noch mit vier Kinderärzten ausgestattet ist. Das ergibt einen Versorgungsgrad von 105 Prozent. Zugrunde gelegt sind in dieser Berechnung knapp 11.000 Einwohner unter 18 Jahren. "Die Zahlen werden nur halbjährlich aktualisiert", erläutert Fachreferent Eckert. Und selbst bei Einbeziehung des Ruhestands von Dr. Bernd Seyboldt seit Sommer 2020 ergibt sich noch eine Quote von über 75 Prozent.

Die Versorgung mit Haus- und Fachärzten ist gerade im ländlichen Raum oft nicht einfach, räumt der KVB-Sprecher ein. "Dabei ist ein Mangel an Kinderärzten nicht unser schwierigstes Problem, aber das ist einfach ein hochsensibles Thema", hat er Verständnis für die Nöte der Eltern. Allerdings müsse man schon bereit sein, einen gewissen Anfahrtsweg auf sich zu nehmen. Eine Praxis liege ja auch in Ballungsräumen nicht gleich vor der Haustür.

Eine Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung, der in Bayern fast 28.000 Ärztinnen und Ärzte angehören, ist die Sicherstellung der ambulanten Versorgung zu jeder Zeit im ganzen Freistaat. "Bei einer tatsächlichen Unterversorgung reagieren wir schon", betont Sebastian Eckert. Er verweist auf den Nachbarlandkreis Wunsiedel, wo die beiden einzigen Hautärzte ihre Kassenzulassung zurückgegeben haben und die Quote auf einen Schlag auf null sank. "Das ist natürlich eine Katastrophe." In diesem Fall versuche man als letztes Mittel auch, eine Eigeneinrichtung zu gründen und einen Arzt anzustellen - oder finanzielle Anreize zu schaffen, damit sich ein Kollege mit eigener Praxis niederlässt.

Dass der Tirschenreuther Kinderarzt überlastet ist, bezweifelt der KVB-Vertreter nicht und äußert Verständnis für dessen Aufnahmestopp. Das sei er seiner eigenen Gesundheit und der seiner Mitarbeiterinnen schuldig: "Die Lösung kann ja nicht sein, dass Ärzte auch nachts arbeiten." Dennoch äußert sich Sebastian Eckert zuversichtlich, dass sich bald ein weiterer Kinderarzt für den Landkreis finden lässt. Zur Überbrückung könne die KVB ausloten, in welchen Praxen die Hausärzte bereit sind, Kinder als Patienten aufzunehmen: "Viele kleinere Krankheiten können auch dort behandelt werden."

So bleibt vielen Eltern im Landkreis nur, sich in Geduld zu üben und längere Wege in Kauf zu nehmen. "Das ist keine angenehme Sache", weiß der Referent der Kassenärztlichen Vereinigung. Im übrigen sei es nicht verboten, den Landkreis zur kinderärztlichen Behandlung zu verlassen. Tatsächlich ist zumindest auf dem Papier die Versorgungsquote in den Bereichen Marktredwitz/Selb und Weiden/Neustadt mit 135 beziehungsweise 112 Prozent besser als im Landkreis Tirschenreuth. "Und Notfälle dürfen ohnehin nicht abgewiesen werden", betont Eckert.

Der Tirschenreuther Kinderarzt Dr. Stefan Krell schlägt Alarm

Tirschenreuth

Bei Unterversorgung hilft die KVB mit finanziellen Anreizen für Ärzte nach

Wunsiedel

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