05.04.2021 - 08:20 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kritik an Industrieansiedlung: Stadt Tirschenreuth stets zum Dialog bereit

Die Bemühungen für eine Industrieansiedlung in Tirschenreuths Süden werden von Naturschützern kritisch betrachtet. Dabei wollen Stadt und Planer eine faire Diskussion. Sie versprechen intensive Untersuchungen sowie maximale Transparenz.

Quer durch alle Stadtratsfraktionen wird die Ansiedlung der Ziegler-Group unterstützt. Als Reaktion auf die Kritik des Landesbundes für Vogelschutz waren am Donnerstag Bürgermeister Franz Stahl, der Planer, Vertreter der Stadt sowie die Fraktionssprecher vor Ort zusammengekommen. Im Bild (von links) Konrad Schedl (Grüne), Huberth Rosner (CSU), Dritter Bürgermeister Norbert Schuller, Manfred Zandt (Freie Wähler), Planer Dietmar Narr, Franz Stahl, Stadtbaumeister Andreas Ockl und Stadtförster Stefan Gradl.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Auf rund 35 Hektar plant die Ziegler-Group an der Bundesstraße 15 ein außergewöhnliches Projekt. Ein "Holzbau-Kompetenz-Zentrum" soll nahe der Kreisstadt entstehen, in dem bis zu 3000 Häuser im Jahr gefertigt werden. Zudem ist ein Bereich für Musterhäuser geplant. Kommen sollen damit bis zu 1000 Arbeitsplätze, weichen müssen allerdings auch 20 bis 25 Hektar Waldflächen. Aktuell läuft das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans. Aber auch die öffentliche Diskussion hat Fahrt aufgenommen. Jüngst mit einer ablehnenden Reaktion des Landesbundes für Vogelschutz, der sich um das wertvolle Moor, die Heimat bedrohter Tierarten und den Biotopverbund sorgt.

"Ins rechte Licht rücken"

Die Sorgen um Natur und Tierbestand nehmen Stadt und Planer sehr ernst, allerdings hat Bürgermeister Franz Stahl auch die Entwicklung der Kreisstadt im Auge. Beiden ist jedoch eine sachliche Herangehensweise an das Vorhaben wichtig. Und hier stoßen gerade Franz Stahl die jüngsten Aussagen sauer auf. Grundsätzlich merkt er an, dass dieses Vorhaben der Ziegler-Group von allen politischen Gruppierungen der Stadt mitgetragen würde. Und nach dem Auftritt der LBV-Vertreter wollte Stahl doch einige Dinge "ins rechte Licht rücken". In den Aussagen der LBV-Vertreter habe der Bürgermeister eine immer gleiche Vorgehensweise erkannt. "Wir sind prinzipiell dagegen", interpretierte er die Haltung und wehrte sich vehement, dass Stadt und Planer völlig unkritisch über Naturschutzbelange hinweggehen würden. Gerade im Bereich "Grün" habe Tirschenreuth, etwa mit der Gartenschau sowie Ausgleichs- und Habitatflächen, große Anstrengungen unternommen.

Keine Planung ins Blaue hinein

Gedanken habe man sich natürlich über die Auswahl des Geländes gemacht. So befinde sich bereits Industrie vor Ort, mit dem Betonwerk, der Schmelitz und der Kaolingrube. Zudem seien die Waldflächen in der Vergangenheit schon für den Betrieb der Öfen der Porzellanfabriken genutzt worden. Und mit den Abbaubereichen im Flächennutzungsplan sei bereits eine gewerbliche Nutzung dargestellt. Wichtig ist dem Bürgermeister auch, dass die Stadt keine Planung ins Blaue hinein betreibe.

"Wir betreiben ein projektbezogenes Ausweisungsverfahren", verdeutlichte Stahl, dass eben nur wirklich benötigte Flächen angestrebt werden. Allen Stellen versicherte Stahl, dass Stadt und Planer stets zum Dialog bereitstehen würden. Natürlich würden auch alle rechtlichen Vorgaben erfüllt. "Wir sind bereit, Lösungsansätze zu suchen", garantierte Stahl bei einem Pressetermin vor Ort. Um die Geschlossenheit der politischen Seite zu verdeutlichen, hatte Stahl die Vertreter der Stadtratsfraktionen dazu eingeladen.

Vorbildlicher Planungsprozess

Mit dabei am vergangenen Donnerstag war auch Landschaftsarchitekt Dietmar Narr vom Planungsbüro NRT. Der wandte sich gegen die Behauptung, dass man über Naturschutzbelange hinweg gehe. Vielmehr unterstrich Narr einen "vorbildlichen Planungsprozess", in dem schon frühzeitig die Fachstellen, darunter auch die Naturschutzbehörde am Landratsamt, aufgesucht worden seien. Nach Ostern werde durch mehrere Büros mit einer natur- und artenschutzrechtlichen Bestandsaufnahme begonnen. Eben diese "Tiefenschärfe" bei der Betrachtung des Areals vermisste der Landschaftsarchitekt bei den Vertretern des Landesbundes.

Der Landesbund für Vogelschutz spricht sich gegen das Gewerbegebiet im Süden von Tirschenreuth aus

Tirschenreuth

Rücksicht auf Moor und Moorwald

Einmal mehr stellte Dietmar Narr heraus, dass die Planung keine flächigen Eingriffe in den nördlich angrenzenden Moorwald und das Moor nehmen würden. Deshalb sei der Geltungsbereich der Planung nach Süden verschoben worden. "Wir werden die Wertigkeit des Moorwaldes nicht unterschätzen", verdeutlichte der Planer.

"Wir werden die Wertigkeit des Moorwaldes nicht unterschätzen."

Landschaftsarchitekt Dietmar Narr

Landschaftsarchitekt Dietmar Narr

Bei den Bemühungen verwies Narr weiter auf eine bestmögliche Eingrünung, die in eine Tiefe bis 50 Meter gehen werde. Der Darstellung, dass eine Insel im Engelmannsteich angelegt würde, widersprach der Planer. Der Teich werde belassen, vielmehr werde östlich davon eine weitere Wasserfläche geschaffen. Dadurch würde eine Art Insel entstehen.

Umfangreiche Untersuchungen

Im Zuge des Verfahrens erklärte Narr das umfangreiche Programm an Untersuchungen, etwa zu den Tiergruppen Vögel, Amphibien und Säugetiere. Dabei würden Auswahl und Anzahl in mehreren Untersuchungsdurchgängen ermittelt. Zum Einsatz kämen hoch spezialisierte Biologen, Landschaftsökologen und Gebietskenner. "Übrigens sind alle Vogelarten in Europa geschützt", erklärte Narr. Bei den Schutzkriterien unterstrich er, dass im geplanten Bereich keine naturschutzfachlichen Schutzgebiete oder Biotope ausgewiesen seien. Natürlich gehörten zum Untersuchungsspektrum auch geohydrologische und bautechnische Untersuchungen. Bereits bei der Standortauswahl, die seitens der Stadtverwaltung sehr überlegt erfolgt sei, habe sich gezeigt, dass nur eine Entwicklung im Süden möglich wäre. Bei den Vorbelastungen des Gebiets machte Narr weiter auf die Lärmbelastung durch die Bundesstraße aufmerksam. Abgrabungen am Engelmannsteich würden keine vorgenommen, wandte sich der Architekt gegen Aussagen des LBV. Insgesamt wollte Narr nicht bestreiten, dass Eingriffe erfolgen würden, doch diese seien beherrschbar.

Gewinn für die Region

Franz Stahl wollte bei der Gelegenheit auch ein klares Wort zu dem Vorhaben der Ziegler-Group sprechen. "Hier entsteht ein ökologisches Innovationszentrum und keine Chemiefabrik!" Die Investition stelle eine Bündelung neuer Fertigungskompetenz im Bereich Holzbau dar.

"Hier entsteht ein ökologisches Innovationszentrum und keine Chemiefabrik."

Bürgermeister Franz Stahl

Bürgermeister Franz Stahl

Nicht vergessen wollte Stahl natürlich die Argumente wie die Stärkung der regionalen Wirtschaft, neue Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Qualifikationen oder die Reduzierung von Fahrtstrecken. "Es ist ein Gewinn für die Region", zog Stahl seine Bilanz.

Der Entwurf zeigt auch die umfassende Eingrünung des Geländes, auf dem das Kompetenzzentrum der Ziegler-Group entstehen soll. Erkennbar ist auch, dass der Engelmannsteich um eine Wasserfläche im Osten ergänzt wird und deshalb am Radweg eine Art Insel entstehen wird. Im Bild (von links) Landschaftsarchitekt Dietmar Narr, Bürgermeister Franz Stahl und CSU-Fraktionssprecher und Ortsvorsitzender Huberth Rosner.

 

 

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