26.02.2021 - 14:08 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Konzept für Gewerbegebiet bei Tirschenreuth bereits ein "Optimalentwurf"

Attraktive Häuser am Teich, ein elegantes Cafe auf einer Insel und viel Grün: Klingt nach wohnlicher Idylle. Dabei sieht so ein modernes Industriegebiet aus. Zumindest auf dem Papier.

Auf dem Entwurf der Landschaftsplaner hat das Werk der Ziegler-Group bereits Gestalt angenommen. Die Ideen des Büros NRT sind natürloich nur ein Konzept, doch den Vertretern der Ziegler-Group hat es durchaus gefallen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Geschlossen hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag den Einstieg in die Bauleitplanung für das neue Gewerbegebiet vorgenommen. In einem ersten „städtebaulichen Konzept“ haben die Planer des Büros NRT nicht nur die verschiedenen Schritte zur Änderung des Flächennutzungsplanes aufgezeigt, sondern auch schon ihre Vorstellungen für eine mögliche Nutzung des Areals um den Engelmannsteich aufgezeigt. Und die Ideen haben alle begeistert, auch die Vertreter der Ziegler-Group, die zur Sitzung gekommen waren. Freilich sind die Ideen der Landschaftsarchitekten zum Bau nicht verbindlich. Allerdings haben die Vorstellungen allgemein großen Zuspruch gefunden. „Aus unserer Sicht ist das der Optimalentwurf“, bescheinigte Prokurist Andreas Sandner.

Am Donnerstag durfte zunächst Landschaftsarchitekt Tobias Ehnes die Planungen für die Änderung des Flächennutzungsplanes vorstellen. Er zeigte auf, dass zwar Abbaubereiche für Bodenschätze (Kaolin) südlich der Rothenbürger Straße betroffen werden, aber auch im Umfeld der Grube Rappauf noch ausreichend Flächen vorhanden seien. Zudem sei wohl die Nutzung der Abbaubereiche am Ortsrand kaum vorstellbar. Das gesamte Gebiet des Flächennutzungsplanes umfasse 59 Hektar, für die Planungen der Ziegler-Group würden rund 35 Hektar benötigt. „Der Naturschutz ist in dem Konzept berücksichtigt worden“, versicherte Ehnes mit dem Hinweis, dass um den Engelmannsteich herum geplant worden sei. Auch werde nicht die Moorfläche am OWV-Heim berührt. In der nächsten Etappe würden jetzt umfangreiche Untersuchungen der Natur und des Tierbestandes in dem Gebiet folgen. Bei den Ausgleichsflächen konnte Ehnes noch keine konkreten Zahlen nennen. Die könnten sich aber zwischen 32 und 50 Hektar bewegen.

Elisa Scheibl vom Büro NRT durfte das Gremium dann mit auf eine Reise in die Zukunft des Gewerbegebiets nehmen. Eine Zufahrt zu den Lager- und Produktionshallen im südlichen Bereich könnte über einen Kreisverkehr erfolgen. Durch die Geländesituation würden diese Gebäude auch etwas tiefer liegen. Gut 300 Parkplätze, natürlich eingegrünt, seien für die Beschäftigten vorgesehen. Am Bogen der Umgehung könnten dann eine Musterhaussiedlung, Parkplätze für die Besucher sowie ein Informationszentrum entstehen. Ebenso ein Aussichtshügel als Ergebnis der Erdbewegung.

Ein außergewöhnliches Bild zeichnete die Landschaftsarchitektin vom Engelmannsteich. Der könnte in Richtung Musterhaussiedlung mit einer Wasserfläche erweitert werden. Dadurch würde eine Art Insel entstehen. Und dort konnte sich die Planerin etwa ein Café oder einen Naturlehrpfad vorstellen.

Der Radweg würde über diese Insel führen, danach in einem Bogen entlang des Werksgeländes wieder zurück auf die vorhandene Route führen. Von den Musterhäusern her könnte ein Steg zur Insel führen. Durch das „Parken unter Bäumen“ und die umgebende Bepflanzung sollte zudem ein Puffer zwischen Bebauung und der Natur oder hin zu den Straßen entstehen. „Das Moor wird nicht angegriffen“, bestätigte auch Elisa Scheibl.

Bürgermeister Franz Stahl stellte bei der Sitzung erneut das „fantastische Engagement der Ziegler-Group“ heraus. 220 Millionen Euro sollen in eine Produktion von ökologischen Fertighäusern in Holzbauweise investiert werden. Erwartet würden rund 1000 Arbeitsplätze. „Das ist für die ganze Region ein Segen“, wusste Stahl. Das Konzept sei ein Plan mit städtebaulichem Charakter, so Stahl. Erste Gespräche mit den Fachstellen seien bereits geführt und Stahl erkannte durchwegs positive Signale. Im Herbst 2022 hofft er die Genehmigungsphase auch für den Bebauungsplan abschließen zu können. „Das ist machbar“!

Ende Oktober 2020 stellte die Ziegler-Group die Pläne für die Giga-Factory bei Tirschenreuth vor

Tirschenreuth

„Wir bringen Ökologie und Ökonomie in Einklang“, blickte CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner auf das Konzept. Auf die Insel im Teich könnten auch Schulklassen Ausflüge unternehmen. Das Projekt werde Tirschenreuth verändern, attestierte FW-Sprecher Manfred Zandt. Immerhin sei das Gebiet etwa doppelt so groß wie das Hamm-Gelände. Aber es werde eine Ausweisung mit einem konkreten Investorenprojekt vorgenommen, so Zandt, der sich deshalb auch eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung erwartet. Der Freie Wähler regte auch Kreisverkehre an der Bärnauer Kreuzung und der Abzweigung zur Umgehung an. „Das Gebiet fügt sich homogen in die Natur ein“, erkannte Paulus Mehler (CSU) und betonte, dass die Stadt schon immer Anstrengungen in diese Richtung unternommen hätte, etwa durch die Anlage des Moors. Karl Berr (Wählergemeinschaft Umwelt) steuerte als Einziger ein paar kritische Töne bei. Die Natur würde mit dem Projekt keinesfalls verbessert, bemerkte Berr.

Andreas Sandner unterstrich, dass auch für die Ziegler-Group das nachhaltige Wirtschaften im Mittelpunkt stehe. So würden bei der Verarbeitung 100 Prozent des Baumstamms genutzt. Mit der Fertighaus-Produktion wolle man auch das ökologische Bauen in ganz Europa unterstützen. „Wir freuen uns darauf, den Weg gemeinsam zu gehen“, blickte Sandner auf die nächsten Etappen. Auf Nachfrage schilderte Robert Friedl, bei der Ziegler-Group zuständig für den Bereich Technik, dass die Produktionsgebäude überwiegend bis zu 10 Meter hoch wären, an einigen Stelle bis zu 17 Meter.

Einstimmig billigte das Gremium die Änderung des Flächennutzungsplanes sowie Aufstellung eines vorhabensbezogenen Bebauungsplanes. „Sie schreiben heute Geschichte“, versicherte Stahl dem Stadtrat.

Links der Bundesstraße am Engelmannsteich sowie auf der Fläche zwischen B15, Umgehung und dem Radweg soll das neue Gewebegebiet Platz für die Investition der Ziegler-Group schaffen
Kommentar:

Eine Jahrhundert-Chance

Sicher ist es eine Menge „Holz“, die bewegt werden muss, um die Betriebsansiedlung der Ziegler-Group vor Tirschenreuth zu ermöglichen. Doch es darf getrost davon ausgegangen werden, dass alles mit größter Rücksicht auf Natur und Umwelt geschieht. Immerhin hat die Stadt niemals Gewerbegebiete einfach so in die Landschaft gepflanzt, ohne Aussicht auf eine Nutzung. Hier wird mit Augenmaß vorgegangen. Und wenn aus dem prosperierenden München immer der Hinweis auf Flächenfraß kommt, dann wird der Blick stets weit weg von der eigenen Haustür gerichtet. Die Jahrhundert-Chance für Tirschenreuth und die Region kommt nicht alle Tage. Und damit auch die Möglichkeit, dass viele junge Leute die Möglichkeit auf einen lukrativen Arbeitsplatz in der Heimat bekommen. Bleibt zu hoffen, dass diese „Spritze“ für eine nachhaltige Impfung der Wirtschaft Wirkung zeigen kann. Stadtväter und Planer werden alles unternehmen, dass die Qualität der Heimat nicht darunter leidet.

Werner Schirmer

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Kommentare

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J Steiner

In der Praxis wird es dann so aussehen wie in Stein und Betzenmühle: In der Kaffeepause stehen die Radladerfahrer am Ufer und werfen ihre Kippen ins Wasser, gleiches tun die Besucher die gekommen sind um die Musterhäuser zu besichtigen und dann schnell noch eine qualmen bevors nach Hause geht.

05.05.2021
Norbert Gleißner

Selbstverständlich ist es eine Vergewaltung der Natur und des Waldes, was hier geplant ist, da hilft auch das Schönreden nichts.
Warum baut man nicht gegenüber Möbel Gleißner? Da wären doch waldlose Flächen.
Und nein, es gibt keine jungen Leute aus der Region, die hier einen Arbeitsplatz finden würden, weil es keine gibt. Ohne die Arbeiter aus der Tschechei würde gar nichts gehen.

01.03.2021