28.02.2020 - 14:25 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Hintergrund: Woher kommt die Fliegerbombe bei Tirschenreuth?

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Alfred Mehler erinnert sich an den Fliegerangriff auf Tirschenreuth von 1944. Der 85-Jährige war damals 9 Jahre alt. Er stellte viele Nachforschungen zu jenem Dezembertag an und vermutet, dass der Fund in Legenfeld damit zusammenhängt.

Alfred Mehler erinnert sich an den Luftangriff auf Tirschenreuth am 9. Dezember 1944. Er war damals 9 Jahre alt. Er forschte zu diesem Tag viel nach und rekonstruierte die Fluglinie, die die amerikanischen Flieger flogen, sowie die Einschläge der abgeworfenen Bomben, an die er sich erinnert.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Der einzige Fliegerangriff auf Tirschenreuth während des Zweiten Weltkriegs fand am 9. Dezember 1944 statt. Und dabei war die Kreisstadt eigentlich gar nicht das Ziel. Die amerikanischen Flieger sollten den deutschen Militärflughafen bei Eger treffen. Dies erklärt Zeitzeuge Alfred Mehler, der den Angriff als neunjähriger Bub miterlebt hat.

Mehr über die Fliegerbombe bei Tirschenreuth:

Lengenfeld bei Tirschenreuth

Der 85-Jährige forschte viel über den Fliegerangriff nach. Auf einer Karte markierte er die Bombeneinschläge, selbst die Route flog der Segelflieger später nach. "Manche Krater sind heute noch da, aber wahrscheinlich ziemlich mit Gestrüpp verwachsen."

Er erinnert sich: "Es war gegen 12 Uhr mittags, ich bin gerade von der Luitpoldschule nach Hause gegangen." Flieger über Tirschenreuth, auch in großen Schwärmen, seien nichts besonderes gewesen. Deshalb ging an diesem dunstigen Dezembertag in der Stadt nicht mal die Sirene. "Auf einmal macht es einen Buscher bei Lengenfeld, Rothenbürg, Ziegelhütte sowie dem Markhauser Teich." Wände wackelten, Fensterscheiben zerbersten.

Verfolgt man die Einschlag-Linie, führt sie direkt zum elf Kilometer Luftlinie entfernten Militärflugplatz in Eger. Dieser wurde sehr oft angegriffen, ebenso wie der Bahnhof in Eger, weiß Mehler. Die Tirschenreuther Harald Fähnrich, Günter Träger und Alfred Mehler recherchierten nach. Fähnrich stieß im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München auf einen SS-Bericht von dem Angriffstag 1944. In der "Abschlussmeldung über den Luftangriff auf Regensburg und Umgebung" ist von starken Kampfverbänden die Rede, die von Süden in den Raum Pilsen-Eger flogen. Die 200 bis 300 amerikanischen Flieger hatten verschiedene Ziele, ein Schwarm wollte zum deutschen Militärflugplatz nach Eger. Sie flogen auf 8000 Meter Höhe bei einer Geschwindigkeit von 400 Kilometer pro Stunde. Geschwindigkeit, Höhe, Zielort: "Es muss alles genau berechnet werden, wann man die Bombe abwirft."

"Die haben sich verrechnet und zu früh abgeworfen", erklärt Mehler seine These. Insgesamt seien es 63 Sprengbomben, davon 25 Langzeitzünder gewesen. Laut SS-Bericht alle detoniert. "Aber anscheinend nicht, das sehen wir ja nach dem heutigen Bombenfund." Weiter ist von einem geringen Flurschaden die Rede. Menschen wurden nicht verletzt. "Es hätte viel schlimmer ausgehen können, wären der Schwarm mit rund zehn Fliegern nur einen Kilometer weiter östlich geflogen. Dann hätten sie Tirschenreuth direkt getroffen," so Mehler.

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Kommentare

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Harald Rost

Nach meinen Quellen war es leider nicht ganz so "harmlos":

Demnach richteten am 09.12.1944 "kleinere Bombenangriffe im Raum Tirschenreuth" "Sachschaden in unbekannter Höhe" an und forderten "16 Tote und 23 Verletzte". Über Plößberg wurden (dabei?) auch Flugblätter abgeworfen.
(SIEGERT, T. (1995): Kriegsende 1945 in Nordostbayern - Das Drama der letzten Tage.- Pressath (Bodner).)

Harald Rost, EUGEO GmbH Kampfmittelbeseitigung, Windischeschenbach

01.03.2020