22.10.2020 - 14:06 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kinderlebensmittel sind lecker, bunt und oft sehr ungesund

Kristina Heinzel-Neumann beleuchtet die Inhaltsstoffe von Kinderlebensmitteln. Das Ergebnis schockiert viele Eltern.

Anhand einer Ausstellung von verschiedenen Kinderlebensmitteln ging die Diplom Ökotrophologin Kristina Heinzel-Neumann näher auf die Packungsangaben ein und gab wertvolle Tipps zu gesünderen und günstigeren Alternativen. Sie betonte Kinderlebensmittel mit Bedacht einsetzen und als Süßigkeit zu sehen.
von Externer BeitragProfil

Frucht-Quetschie, Kinderjoghurt oder Bambini-Menü - die Regale sind voll mit kunterbunten Kinderlebensmitteln. Ob Eltern damit den kleinen etwas Gutes tun? Diese Frage durchleuchtete die Diplom-Ökotrophologin Kristina Heinzel-Neumann aus Erbendorf beim Elterninformationsabend über Kinderlebensmittel im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth.

"In den meisten Fällen zeigt sich, dass diese Produkte keineswegs optimal für Kinder geeignet sind", so Heinzel-Neumann. "Sie enthalten meist zu viel Zucker, zu viel minderwertiges Fett, zu viel Salz und zu viele Zusatzstoffe." Ein Blick auf die Packung von Frühstücksflocken verrate zum Beispiel, dass die Portionsgröße von 30 Gramm Cerealien als Portion oft zu gering bemessen sei und Kinder leicht das Doppelte verzehrten. "Die gewünschte Ballaststoffmenge wird damit leider nicht erreicht, dafür aber die Zuckermenge verdoppelt".

Heinzel-Neumann: "Wahre Zuckerbomben sind zum Beispiel Obstbreie zum Trinken aus der Plastiktüte, sogenannte Quetschies. Ihr Verzehr hat weitreichende Folgen: Durch das Dauernuckeln und die dickflüssige Konsistenz kann der Zucker zusammen mit den Fruchtsäuren die Zähne besonders gut angreifen. Das fehlende Kauen hat sogar Einfluss auf die Sprachentwicklung. Die bessere Alternative sind hier eine Portion frisches Obst zum Selbstkauen!"

Ist denn wenigstens die häufig zugesetzte und umworbene "Extraportion" Vitamine und Mineralstoffe wertvoll? Die Antwort der Ernährungsexpertin lautet ganz klar: "Nein!" Nur weil die Anreicherung mit Nährstoffen (vor allem Calcium, Eisen, Vitamin D) bei Kinderlebensmitteln weit verbreitet sei, bedeute das nicht, dass sie auch sinnvoll sei. Ganz im Gegenteil: Über angereicherte Lebensmittel sei die Nährstoffzufuhr kaum zu kontrollieren, somit bestehe sogar die Gefahr einer Überdosierung. Die Nährwertangaben auf der Packung seien oft für einen Erwachsenen gerechnet und nicht für ein Kleinkind. Daher seien diese Produkte keine Nährstofflieferanten, sondern Süßigkeiten.

"Die Kinderlebensmittel komplett verbieten bringt wenig", meinte die Expertin. Denn das steigere bei den Kindern nur das Verlangen danach und sorge bei den Eltern für einen höheren Stresspegel. Besser sei es, die Produkte zu strecken. Frühstücksflocken könnten gut mit ungesüßten Flakes oder Getreideflocken ergänzt werden. Der geliebte Geschmack bleibe, die Zuckermenge reduziere sich. Das funktioniere übrigens auch gut mit Kinderjoghurt und Puddings. Das geliebte Kakaogetränk könne durch die Verwendung von Backkakao, Milch und unter Zugabe von wenig Zucker selbst hergestellt werden. Ebenso könnten Säfte mit Wasser oder ungesüßten Tees verdünnt werden.

Kristina Heinzel-Neumann betonte: "Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit natürlichen Zutaten ist das beste Mittel, damit Kinder gesund groß und stark werden. Extra-Produkte braucht es dazu nicht."

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