09.05.2021 - 08:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Es wird immer trockener: Das hat Folgen für Land- und Forstwirtschaft sowie Wasserversorgung

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Die Sommerdürren, die Europa seit 2015 erlebt hat, waren weitaus gravierender als in den rund 2100 Jahren davor. Das ergab eine internationale Studie. Auch im Landkreis Tirschenreuth hinterlässt die Trockenheit ihre Spuren.

Es staubt mächtig auf den Feldern. Die Böden sind extrem trocken, weil in den vergangenen Jahren wenig Niederschlag fiel.
von Armin Eger Kontakt Profil

Während sich viele an die schönen, heißen und niederschlagsfreien Sommer der vergangenen Jahre erinnern, wird das für die Forst- und Landwirtschaft zunehmend ein Problem. Auch bei der Trinkwasserversorgung muss schon reagiert werden. Denn nicht nur im Sommer, sondern über das gesamte Jahr hinweg ist es zu trocken und zu warm. Der Klimawandel macht sich bemerkbar.

Die Auswertung der Daten einer internationalen Studie von der Cambridge University zeigen, dass der Kontinent in den vergangenen zwei Jahrtausenden allmählich immer trockener geworden ist. Die Proben aus den Jahren 2015 bis 2018 offenbarten zudem, dass die Dürrebedingungen der vergangenen Sommer weitaus gravierender waren als in den 2100 Jahren zuvor.

"Nach Jahrhunderten eines langsamen, signifikanten Rückgangs haben wir einen drastischen Einbruch erlebt, was besonders für die Land- und Forstwirtschaft alarmierend ist", schildert die Studie. "Das beispiellose Waldsterben in weiten Teilen Mitteleuropas bestätigt unsere Ergebnisse."

Die Forscher führen die beobachtete Häufung der ungewöhnlich trockenen Sommer auf die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung und die damit verbundenen Veränderungen der Position des polaren Jetstreams zurück. Dieser gehört zu den beiden großen Windbändern, die das Temperaturgefälle zwischen den Polen und dem Äquator ausgleichen. Er übt großen Einfluss auf unser Wetter aus.

Analyse des Wetterexperten Andy Neumaier

"Die Statistik der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Tirschenreuth-Lodermühl, wo seit 1967 gemessen wird, zeigt, dass die jährlichen Niederschlagsmengen zurückgegangen sind. Vor allem in den letzten zehn und besonders in den letzten drei Jahren", analysiert Neumaier. Wurden zwischen 2000 und 2010, mit wenigen Ausreißern wie dem Hitzejahr 2003, noch meist 700 bis 1000 Liter Regen pro Quadratmeter pro Jahr erreicht, sei seit 2010 die Summe von 700 Litern nur noch dreimal knapp überschritten worden. 2018 seien es gar nur 469 Liter/qm gewesen. „Das war auch das trockenste Jahr seit Beginn der regelmäßigen Messungen,“ so der Wetterexperte.

"Die letzten fünf bis zehn Jahre würden das langjährige Soll allmählich nach unten ziehen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass es nicht unbedingt besser wird, wenn künftig das Soll erreicht wird. Es liegt ja dann auf niedrigerem Niveau und ist somit einfacher zu kriegen." Auch ändere sich die Verteilung der Niederschläge. Oftmals hätten in den vergangenen Jahren gerade im wichtigen Frühjahr die Niederschläge gefehlt, kamen dann zu spät im Juni und erst wieder in den Wintermonaten Dezember und Januar, weiß Neumaier.

"Das aufgebaute Defizit aus den Dürrejahren 2018 bis 2020 dürfte sich auch ins Jahr 2021 ziehen, denn der Winter brachte nach einem staubtrockenen November (der nicht zur Winterstatistik gehört) nur insgesamt 138 Liter/qm von Dezember bis März", so der Wetterexperte. Das reiche bei weitem nicht, um die tieferen, sehr trockenen Bodenschichten mit genügend Feuchtigkeit auszurüsten.

Norbert Zintl von den Bayerischen Staatsforsten

„Es gibt viele Trockenschäden“, sagt Forstbetriebsleiter Norbert Zintl von den Bayerischen Staatsforsten. Im Zuständigkeitsbereich des Forstbetriebs Waldsassen mit 20.000 Hektar Staatswald, der von Mähring über den Steinwald bis zur Kösseine und Arzberg bis nach Windischeschenbach reicht, habe im vergangenen Jahr zudem der Borkenkäfer die Wälder überrollt. „Die Schäden sind enorm. Auch Tannen und Lärchen wurden dahingerafft. Es gibt auch Absterbe-Erscheinungen bei Buchen, die früher als unverwüstlich galten. Die langen Hitzeperioden mit 35 und mehr Grad brachten das System zum Kippen.“ Es sei die vergangenen Jahre zu trocken gewesen, und auch der Niederschlag in den vergangenen Monaten sei nicht ausreichend gewesen.

Das Thema werde uns auch weiter beschäftigen, ist sich Zintl sicher. „Wir müssen auf das Szenario reagieren.“ Noch seien die Schadflächen im Staatsforst überschaubar. Aber man müsse gegensteuern. Das werde ein langer Prozess, der nicht von heute auf morgen gehe. „Wir müssen wieder aufforsten und versuchen, die ersten Wunden zu heilen. Wir unternehmen Anbauversuche mit exotischen Baumarten, wie zum Beispiel mit der Libanon-Zeder oder der rumänischen Tanne. Das passiert alles nur in kleinem Rahmen und man muss sehen, ob es Sinn macht und sich durchsetzt.“ Der Wald wird in irgendeiner Form bleiben, ist sich Zintl sicher, aber: „Die Natur wird uns den Weg weisen, was möglich ist und was nicht.“

„Wir unternehmen Anbauversuche mit exotischen Baumarten, wie zum Beispiel mit der Libanon-Zeder oder der rumänischen Tanne.“

Forstbetriebsleiter Norbert Zintl, Bayerische Staatsforsten

Forstbetriebsleiter Norbert Zintl, Bayerische Staatsforsten

Ely Eibisch, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes

Von einer Katastrophe auf den Feldern möchte BBV-Kreisobmann Ely Eibisch noch nicht sprechen. Die Trockenheit sei aber auf jeden Fall ein Problem. "Wir haben die Situation, dass es zum Beispiel bei mir im Osten vom Rauhen Kulm voriges Jahr einige Monate gar nicht geregnet hat, aber einige Kilometer weiter entfernt schon." Die Wärme und das wenige Wasser hätten auch Auswirkungen auf die Pflanzen. "Die Natur reagiert darauf mit Mutationen", weiß Eibisch.

Die Herausforderungen und die Schäden und Einbußen für die Landwirtschaft würden durch die Wasserknappheit größer. Aber noch sei es nicht besorgniserregend. "Bei allem, was lange steht, ist der Ertrag schlecht. Bei allem, was früh das Feld räumt, gut", weiß Eibisch. So ist der Ertrag beim Getreide akzeptabel, bei Kartoffeln eher schlecht.

Von heute auf morgen alles groß ändern, sei nicht möglich, aber die Landwirte seien findig. Den Verzicht auf intensive Bodenbearbeitung und die Direktsaat mit Spezialmaschinen beschreibt Eibisch als zukunftsweisend. Als schlecht bezeichnet er die reine Spezialisierung. "Man muss breit aufgestellt sein. Auch wenn der Klimawandel weiter voranschreitet, sind wir gerüstet. Wir haben gelernt, uns den Veränderungen anzupassen."

„Man muss breit aufgestellt sein. Auch wenn der Klimawandel weiter voranschreitet, sind wir gerüstet. Wir haben gelernt, uns den Veränderungen anzupassen.“

Ely Eibisch, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes

Ely Eibisch, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes

Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamts Weiden

"Längere Trockenperioden können dazu führen, dass Oberflächengewässer wie Bäche und Flüsse weniger Wasser führen oder ganz austrocknen. Wenn ein Bach komplett austrocknet, hat das große Auswirkungen auf die tierischen und pflanzlichen Bewohner, da ihr Lebensraum zeitweise verschwindet", schreibt das Wasserwirtschaftsamt. Aber auch ein Rückgang der Wassermenge wirke sich auf Tiere und Pflanzen aus. Das Wasser könne sich stärker erwärmen, was zu erhöhtem Stress bis zu einer Verschiebung des Artenspektrums in diesem Gewässer führen könne.

Der fortschreitende Klimawandel verändere den Wasserhaushalt in Bayern, denn Grundwasserstände, besonders in Nordbayern, sinken. Dazu beitragen würden auch verdichtete Böden. Grundsätzlich könne weniger Wasser einsickern als durch einen lockeren Boden. Deshalb bewirke eine Verdichtung von Böden die Minderung der Grundwasserneubildung.

Das habe Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. Auf lokaler Ebene würden sich bereits jetzt benachbarte Wasserversorger helfen. Im Großen und Ganzen bestünden aber noch keine unausgleichbaren Wasserdefizite. Gleichwohl könne es jetzt schon bei sogenannten Inselanlagen an heißen Sommertagen zu Versorgungsengpässen kommen.

"Aus unserer Sicht betrifft der fortschreitende Klimawandel nicht nur die Oberpfalz, sondern ganz Bayern", erklärt das Wasserwirtschaftsamt weiter.

In einer Regierungserklärung vom Oktober 2020 sei die Wasserzukunft Bayerns bis zum Jahr 2050 anhand von fünf Säulen aufgezeigt: Wasser speichern, Wasser verteilen, Wasser schützen, Wasser schätzen und Wasser gesamtstaatlich denken, heißt es darin.

Im vorigen Jahr setzte der Borkenkäfer den Wäldern mächtig zu

Tirschenreuth
Die Trockenheit und der Borkenkäfer setzten den Wäldern in den vergangenen Jahren massiv zu. Es entstanden große Schäden.

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